Review

Dez. 1944.
Britische und Amerikanische Streitkräfte stehen an der Schwelle des Sieges. Ganz Europa ist von Ihnen befreit... Ganz Europa ? Nein, ein kleiner Trupp in den Ardennen leistet nach wie vor heftigen Widerstand. Dank eines Offensivplanes, den Oberst Martin Hessler [ Robert Shaw ] zusammenbraut, sind die Deutschen noch nicht gänzlich besiegt.
Der amerikanische Gen. Grey [ Robert Ryan ] sieht ein, dass er noch etwas Gewalt anwenden muss. Und der Aufklärer Lt. Col. Daniel Kiley [ Henry Fonda ], den er über die Stellung der Deutschen schickt, gibt ihm diesselbe Information.
Also lässt Hessler den wackeren GI Maj. Wolenski [ Charles Bronson ] festnehmen, um die gegnerische Kampfkraft zu brechen. Doch Grey und Kiley machen sich schleunigst auf den Weg ins feindliche Germanenlager, um Wolenski und die Anderen wieder zu befreien.

"Achtung. Achtung. Hauptquartier. Die Kuh hat gekalbt. Die Kuh hat gekalbt."

Es liegt auch an den Dialogen und Monologen, dass Battle of the Bulge / Panzerschlacht in den Ardennen nie auch nur im Ansatz ernst oder gar echt wirkt und deswegen auch gar keine Aussage über den Krieg und seine Auswirkungen machen kann.
Aber mal abgesehen davon, dass die bei der dt. Erstauufführung fehlenden Szenen neuvertont und in Pornosynchro nachgesprochen ergänzt wurden: Der Film ist niemals ein Kino der Angst, sondern War - Entertainment. Kintopp, in seiner reinsten Form. Regisseur Ken Annakin mag bei Der längste Tag [ 1962 ] die britischen Episoden gedreht haben, aber er war auch zuständig für Die Tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten, Montecarlo Rally, Disneyfilme und Pippi Langstrumpf's neueste Streiche; und genau als die Mischung daraus lässt sich das hier angefertigte Produkt beschreiben. Was auch immer man für Absichten beim Verfassen des Drehbuches und dem Erstellen der einzelnen Szenen gehabt haben mag: Auf der Leinwand sieht man nur den Krieg als Spiel. Ja, als Hollywood. Die Darstellung des Krieges verselbständigt sich zum Selbstzweck; der Regie geht es weder um psychologische noch technische oder historische Interessen.
Nur niemandem weh tun, grosse Stars in markigen Posen aufbieten, ein paar Scherze einbringen und viel Action unter die Leute streuen, et voilà. Fertig ist der Kassenschlager.

Der Film ist in Ultra - Panavision 70 und Technicolor gehalten, also Megabreitwand und knallig unechte Farben; optisch wie Vieles in den 60ern schon ein Leckerbissen für sich. Die 70er dagegen sehr blass und weich, die 80er wieder überbunt und schmutzig zugleich; hier dagegen stimmt zumindest im visuellen Bereich alles, um für zwei Stunden und mehr das perfekte Begleitprogramm für Cola und Popcorn zu bieten. Super-Cinerama. Da stören die Toten im Bild gar nicht weiter, sind sie doch eh unblutig verschieden und rennen die wahren Recken ja noch durchs Studio und ist eh alles nur ein Film.
Annakin hatte sogar noch mehr vor, er wollte wohl etwas Berauschendes erschaffen und kleidet seine grosse Schlacht zwischen Gut = Alliierten und Böse = Deutsche in einen pompösen philarmonischen Rahmen von Prelude, Interlude und Postlude. Die Geschichte wird nicht angefangen, bevor Komponist Benjamin Frankel 2:30min für seine Kammer-Orchester in Zwölftontechnik bekommen hat. Das Gleiche erfolgt mittig; der Film hält an, man blendet erneut für 2min einen gezeichneten Holzschnitt ein und lässt die Partitur spielen. Da bleibt einem vor allem angesichts des Restes schier der Mund offenstehen.
Schlimm dabei ist nur, dass man sich als Zuschauer gar nicht richtig darauf einlassen kann:

Das Unternehmen „Wacht am Rhein“, die Ardennenoffensive und das Kriegsverbrechen von Baugnez waren entscheidende Beispiele für die Kriegführung Hitlers und beschleunigten den Untergang des Deutschen Reichs merklich. Insgesamt 145.000 Menschen starben, wurden verletzt oder vermisst.

Da man dieses nicht darstellen kann und es auch gar nicht versucht, sondern nur die "heroischen Taten aller Beteiligten zusammenfassen will, um den Geist und das Wesen der Schlacht zu bewahren", muss zumindest der Schrecken des Krieges weg. Das Negative. Man etabliert ihn im Bewusstsein des Zuschauers nicht als Übel, sondern als Faktum. Als Folie. Als Abenteuer. Ja dann klappt es auch mit dem Amüsement.
Das geht sogar ganz einfach; zumindest hilft hier so Einiges, um die Illusion einer ganz weit entfernten, eigentlich überhaupt nicht stattgefundenen Welt im Niemandsland zu übertragen. Da wäre zum Einen, dass man es partout nicht schafft, die bis auf sehr geringen Ausnahmen üblen Klischeefiguren richtig in die Landschaft zu setzen, sondern sie ständig vor einer simplen und ebenso einfach erkennbaren Rückprojektion agieren lässt.

* Kiley sitzt im Flugzeug und fotographiert die Gegend = Fonda, der hier sowieso vollkommen fehl am Platze ist, tut so als ob er im Flugzeug sitzt. Hinter ihm die Leinwand.
* Er bekommt Hessler im Auto vor die Linse = Shaw tut so, als ob er im Auto sitzt. Hinter ihm die Leinwand.
* Kiley kreuzt Sgt. Guffy [ Telly Savalas ], der mit seinem Versorgungspanzer liegengeblieben ist = Savalas tut so, als ob er in einer Luke steckt und gestikuliert wie wild in Aufnahmehalle 2.
* Bronson erzählt was von, dass er Deutschland zur Prärie machen und dann die Büffel rüberschicken will.

Eigentlich schlimm. Haasträubend. Nie langweilig. Auch ein bisschen köstlich, auch wenn man desöfters nicht weiss, ob man jetzt lachen darf oder nicht.
Jetzt müsste dieses Bildschirmszenario nur noch virtuell sein, dann wäre das Militainment komplett.

So wie im Medium des Computerspiels, woran man nicht nur vorwirkend stark erinnert, sondern in derer Form auch mittlerweile spezielle Vertreter als heimischer Nachbau existieren. Ähnliche Echtzeitstrategiespiele basierend auf der Command & Conquer Idee, dass es mit seiner fragwürdigen notional history und der dahingestellten Aktivierung des Feindbildschemas auch nicht so genau nimmt. Sogar deren Chiffre findet man vor: Die tief unter der Erde begrabenen Bunker, in der man meilenweit herumlaufen kann und noch weitere Geheimwege und -räume entdeckt. Die weiss auf rot geschriebenen Parolen "Feind hört mit!" oder "Glauben, Kämpfen, Siegen" an den Gängen. Die Weltkarte an der Wand, die Gimmicks wie Modelle, eine spezielle Uhr, das Einschleusen getarnter Spione als Fünfte Kolonne. Wobei sich der deutsche Gruppenführer namens Schumacher vorher einem Wissenstest unterziehen muss, der darauf hinausläuft, dass er über Babe Ruth und seine Homeruns Bescheid weiss. Die blonde "Kurtisane erster Klasse", die extra für den Oberst von Berlin geschickt wurde, um ihm im Pelz aufzuwärmen.

Nach gut einer Stunde geht die Schlacht los, und obwohl man jetzt das Feuerwerk und Flächenbombardemt abzieht bleibt es bei dem völligen Verlust der Glaubwürdigkeit. Sicherlich ist man formell beeindruckend, allein das neuwertige Filmmaterial und seine Möglichkeiten ergeben einen üppigen, kontrastreichen Umfang der Aktionen; quer von Links nach Rechts aufgefüllt mit rollendem Metall bricht man sich eine unaufhaltsame Schneise durch Wald, Wiese, Stacheldraht, Mauerruinen, eingefangen in imposanten Luftaufnahmen. Häuser werden weggerissen und in Staub und Asche verwandelt. Nachschubzüge erst minutenlang aus der Egoperspektive bei der Fahrt gefilmt und dann gesprengt. Getreu der Devise von Eroberung des Raumes laufen die Schauspieler in Wildwestmanier durch Gebüsch und Schnee und duellieren sich mit Maschinengewehren. Treibstoffdepots werden in die Luft gejagt.
Warum dann den Kopf zerbrechen, dass Panzer samt Farbe inakkurat sind und der Gefechtsverlauf ausgedachter Schmu ist. Dass plötzlich die Sonne scheint statt Winter ist [gedreht wurde in Spanien]. Hinten die Attrappen, Miniaturen und im Horizont die gemalten Landschaft stehen und Fonda mehrmals hintereinander den gleichen Hügel mit dem gleichen Baum als Markierung hochfährt.
Und wenn Savalas in seinem vermeintlichen Sherman dazwischen kurvt und Sätze wie "Knall ihm vorn Latz, Eddie...Getroffen ! Aber abgeprallt wie'n Tennisball." von sich gibt, ist das schon keine Verdrängung oder Legitimierung mehr. Das ist Dr. Seltsam. Nur der Eine wollte die Gratwanderung einlegen und der hier befindet sich einfach auf dem Irrweg, wodurch er aber auch schwer unterhaltsam wird.

Muss dann auch Jeder für sich entscheiden, wie er diesem Tummelplatz an Absurditäten, amerikanischem Patriotismus und militärischer Befürwortung entgegensteht. Wem Ardennen 1944 zu schonungslos und wirklichkeitsnah war, bekommt hier sein buntes Heldenbonbon mit ausgeprägtem Schwarz - Weiss - Denken verabreicht.

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