Review

Das Gaunerkomödienliebhaberherz wird aus der dänischen Ecke ja recht häufig beglückt - so auch mit diesem Werk. Angelehnt an die wahre Tat von 1999, als in Dänemark Museumsbesucher auf simpelste Art und Weise zwei Gemälde stehlen konnten, schufen unsere nördlichen Nachbarn mit "Stealing Rembrandt" wieder einmal ein Kleinod, dass mich, der sich zur oben genannten Zielgruppe zählt, hocherfreut hat.

Es ist schon eine ungewöhnliche Familie in die wir Einblick erhalten. Vater Mick (Lars Brygmann) und Sohn Tom (Jakob Cedergren) schlagen sich durch kleinkriminelle Machenschaften wie Schrottdiebstahl durchs Leben und es ist durchaus normal, dass man zwischendurch mal für kurze Zeit wegen der letzten nicht geklappten Gaunerei hinter schwedische bzw. natürlich dänische Gardinen wandert. Die beiden nehmen's gelassen und kaum sind sie wieder auf freiem Fuß, wird die nächste Sache angepackt. Diesmal jedoch kommt alles anders. Tom und sein freakiger Kumpel Jimmy (Nicolas Bro) haben einen Job an Land gezogen, bei dem ein bestimmtes Bild aus dem Museum gestohlen werden soll, welches für den Auftraggeber eher ideellen denn materiellen Wert hat. Doch es kommt wie es kommen muss: Vater Mick und sein Kumpel Kenneth (Nikolaj Coster-Waldau) führen die Tat letztendlich aus und aufgrund eines Missverständnisses lassen sie das falsche Bild mitgehen: Einen waschechten Rembrandt! Das Gemälde ist statt der paar Tausend Kronen die sie für den eigentlich Deal bekommen hätten direkt Millionen Wert, aber nun stellen sich den vier Kumpanen bisher ungeahnte Probleme. Wie wird man ein derartiges Ding wieder los? Und am besten gewinnbringend! Aber wie treibt man Käufer auf? Und dann wären da natürlich die Bullen, außerdem der eigene intrigante Clan! Oder sollte man es doch lieber schnell verbrennen um aus der ganzen Geschichte schnell und ungeschoren auszusteigen? Diese Fragen stellen sie sich und gerade Mick muss einen Spagat zwischen den Wünschen seiner Frau Trine (Sonja Richter), dem Verhältnis zu seinem Sohn Tom und dem winkenden Profit vollführen...

Man sollte keinen weiteren "In China essen sie Hunde"-Abklatsch erwarten, nicht enttäuscht sein, wenn sich nicht ein Schenkelklopfer an den nächsten Brachialkalauer reiht oder wiederholt wüste Verfolgungsjagd auf Schießerei folgt. "Stealing Rembrandt" ist freilich alles andere als witz- oder actionlos und bietet auch hier nette Einfälle, hat jedoch darüberhinaus auch andere Qualitäten und seine Schwerpunkte teilweise etwas anders verlagert. Der Humor kommt statt platt schallend eher schmunzelnd daher, was dem Ganzen zusätzlich mehr Realismus (natürlich auch dadurch, dass die Story auf einer wahren Begebenheit beruht) verleiht. Dies macht "Stealing Rembrandt" zu etwas Eigenem und nicht bloß zu einer weiteren abstrus-komischen Gangsterkomödie. Wer jetzt ob der beschriebenen etwas leiser angeschlagenen Töne Angst hat, nicht auf seine humoristischen Kosten zu kommen, dem sei schnell eine Entwarnung gegeben. Der für derartige Filme typische Humor ist natürlich trotzdem vorhanden. Allein schon Charaktere wie Jimmy sorgen für die nötige Prise auf diesem Gebiet. Oder man denke nur an die Szene, in der Mick's Vater den etwas trotteligen Karsten (klasse in der Nebenrolle: Nikolaj Lie Kaas) darauf ansetzt, seinem eigenen Sohn das Gemälde abzuluchsen und wie Karsten nach misslungener Aktion im Haus von Mick gestellt wird, vom milden Mick hinaus komplimentiert wird und dann noch nebenbei fragt, ob man sich denn die Tage auf dem Fußballplatz sieht - einfach herrlich!

"Stealing Rembrandt" punktet also nicht unbedingt durch die Brechstangen-Methode, (obwohl jenes Instrument im Film zu sehen ist ;)) sondern richtet seinen Blick auch verstärkt auf die etwas verstrickten Beziehungen der Hauptpersonen und das Dilemma in welchem sich die jeweiligen Akteure befinden, sowie deren zunehmenden Versuche dort hinauszukommen. Es macht Spaß, mitanzusehen, wie den Kleinkriminellen die ganze Geschichte gehörig über den Kopf wächst und welch abstruse Auswege sie suchen und wie oder ob sie je eine gescheite Lösung finden - und zwar nicht nur für diesen Coup sondern auch für ihr weiteres Leben. (8,5/10)

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