Auf den ersten Blick wieder ein Film, der das Märchen vom bösen Wolf aufrechterhalten möchte, doch Lykanthropie-Fans werden wahrscheinlich enttäuscht.
Denn statt Werwolfverwandlungen und bissigen Horror präsentiert uns „Romasanta“ einen mystischen Thriller, der auf historischen Ereignissen beruhen soll (zumindest finden sich diese in einschlägiger Literatur wie „Welt der Phänomene“…)
Demnach soll der Kaufmann Romasanta anno 1851 in Nordgalizien (Spanien) 15 Menschen bestialisch ermordet haben. Die Bewohner in den umliegenden Dörfern glauben zunächst an Wölfe, da die Opfer schreckliche Bisswunden aufweisen. Doch ein vom Gericht gerufener Mediziner entdeckt bei Untersuchungen saubere Schnittwunden, die auf einen Serienkiller hindeuten. Hat Romasanta tatsächlich Frau und Kind ermordet und ist Schwägerin Barbara, die sich bereits unsterblich in ihn verliebt hat, sein nächstes Opfer?
Was sich zunächst wie ein flüssig erzählter Stoff mit ordentlich inszenierten Spannungsmomenten anhört, erfüllt leider zu kaum einer Zeit die Erwartungen.
Die unterkühlt erzählte Story baut von Beginn an keinen Bezug zu den Figuren auf, fragmentartig treten Personen in Erscheinung, die einem kaum näher gebracht werden.
Zumindest benötigt es eine Weile, bis man Romasantas Position gegenüber den beiden Frauen (Ehefrau und ihre Schwester) ausgemacht hat, ihre Gefühle überhaupt erstmal wahrnimmt und sich auf die Charaktere einstellen kann.
Dabei tauchen zunächst einige Fragezeichen auf, beispielsweise, warum Romasanta einen kleinen Vogel quält, wer dieser ominöse, glatzköpfige Mann ist, der den Kaufmann im Beisein seiner Geliebten erschießen will und warum der Professor vor Gericht mit Akkupunkturnadeln praktizieren darf.
Später lichtet sich diese Verwirrung ein wenig, doch bis dahin hat der Betrachter im Allgemeinen bereits das Interesse an der Geschichte verloren, Werwolfaction stellt sich zu einem überhaupt nicht ein und zum anderen fehlt innerhalb der Liebesgeschichte im Menschlichen des Killers schlichtweg die Leidenschaft. Da kann auch eine Szene, in der die Geliebte „Gladiator“ – gleich durch das Kornfeld wandelt, nichts mehr ausrichten.
Während also der Erzählstrang um den Kaufmann Romasanta weitestgehend kalt lässt, stellen sich zumindest die Szenarien in und außerhalb des Gerichts als halbwegs interessant dar.
Wie unschlüssig der Richter im Umgang mit der angeblichen Lykanthrophie umgeht, der Professor erfolgreich seinen Theorien nachgeht und sie größtenteils auch einleuchtend erläutert, - durchaus spannend, aber leider nicht der Schwerpunkt der Geschichte.
Zugute halten kann man dem Regisseur Plaza allerdings ein Gespür für dichte Atmosphäre.
Man fühlt sich tatsächlich in die Zeit um 1850 versetzt, die Kostüme, Requisiten sind hervorragend gewählt und der ausgezeichnete Score tut sein übriges, um die Stimmung gekonnt zu untermalen.
Ich denke dabei an das Treiben im Dorf, wenn sich Menschen vor einem Kasperletheater versammeln, das Wolfsgeheul im ansonsten einsamen Wald oder eine brennende Kutsche, die nachts einen Waldweg entlang rast.
Leider viel zu wenig zu finden, stattdessen stellt sich passagenweise Langeweile ein, etwa, als die Geliebte im Badekessel sitzt und gefühlte zehn Minuten von Romasanta umgarnt und eingeseift wird.
Darstellerisch macht der Streifen, auch bezogen auf die Gesamtbewertung, einen mittelmäßigen Eindruck. Julian Sands hat mir als Romasanta überhaupt nicht zugesagt. Einerseits fehlt ihm das Animalische, um als Werwolf durchzugehen, andererseits das Kaltblütige und zugleich Leidenschaftliche, um als authentischer Serienkiller zu überzeugen.
Elsa Pataky ist in der Rolle der Geliebten zumindest eine Hübsche und bringt ein ausgewogenes Minenspiel, doch richtig auffällig ist David Gant, dessen Visage mir doch gleich so bekannt vorkam. Er ist der Nebendarsteller aus „Braveheart“, der Gibson kurz vor seinem Tod noch ein „Gnade“ zu entlocken versucht und hier etwas mehr Freiraum für schauspielerische Aktivitäten erhält. Als markanter und zugleich cleverer Ermittler macht er hier in der Runde den besten Eindruck.
Insgesamt kann ich das vom kompletten Streifen leider nicht behaupten.
Er pendelt unentschlossen zwischen Liebesdrama und mystischem Krimi mit Werwolfandeutungen und überzeugt dabei auf keiner Seite.
Viel zu selten punktet die Atmosphäre und bringt dabei ein stilles, aber angenehmes Gruseln mit sich, doch die unflüssige Erzählweise und die distanzierte Charakterisierung der Protagonisten zerstört recht viel.
Wer blutige Werwolfaction inklusive Splatter erwartet, sollte also einen anderen Genrebeitrag vorziehen, denn zugegeben, hätte ich die tempolose und spannungsarme Inszenierung voraus geahnt, wäre mir an dieser Stelle sogar Wes Cravens Werwolfbeitrag „Verflucht“ ein zweites mal lieber gewesen.
4,5 von 10