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„Ein Künstler muss anscheinend ein bisschen verrückt sein!“

Die US-amerikanisch produzierte „House of Wax“-Neuverfilmung aus dem Jahre 1953 wurde vom ungarisch-stämmigen (und einäugigen!) Regisseur André De Toth („Gegenspionage“) als Farbfilm in damals ganz neuer 3D-Technologie inszeniert und gilt als erster 3D-Film mit Stereoton. Der deutsche Verleih benannte die Hauptfigur von Henry Jarrod in Henry Bondi um. Für Hauptdarsteller Vincent Price („Laura“) bedeutete dieser Horrorfilm den endgültigen Durchbruch im Genre.

„Sensation! Grauen! Nervenkitzel!“

New York im Jahre 1910: Wachskünstler Henry Bondis (Vincent Price) ganzer Stolz ist sein Wachsfigurenkabinett prominenter Persönlichkeiten. Sein Geschäftspartner Matthew Burke (Roy Roberts, „Tabu der Gerechten“) klagt über zu wenig Besuch und fordert eine sensationellere Ausrichtung des Kabinetts, die Bondi jedoch ablehnt. Kurzerhand fackelt Burke das ganze Museum ab, um die Versicherungssumme von 25.000 Dollar zu kassieren. Es wird davon ausgegangen, dass Bondi in den Flammen umkam. Doch just, als eine mysteriöser Todesserie unter Bondis ehemaligen Partnern grassiert, deren Leichen zudem aus dem Leichenschauhaus entwendet werden, erscheint Bondi wieder auf der Bildfläche. Der mittlerweile auf einen Rollstuhl angewiesene Exzentriker baut sein Kabinett wieder auf – mit verblüffend realistisch anmutenden Exponaten, die Grausamkeiten nachstellen…

Bondis klassisches Kabinett bekommt das Filmpublikum zu Beginn zu sehen, als er durch die Ausstellung führt. Bereits zu diesem Zeitpunkt wirkt der Künstler exzentrisch, spricht mit seinen Figuren, als seien sie lebendig. Der erste dramaturgische Höhepunkt des Films folgt sodann, als die Ausstellung in Brand gesetzt und Bondi niedergeschlagen wird. Die Figuren werden ein Raub der Flammen, während Bondi noch verzweifelt zu löschen versucht und nach einem weiteren Kampf in den Flammen zusammenbricht. Es ist sicherlich nicht gespoilert, wenn ich schreibe, dass Bondi mitnichten tot, vielmehr derjenige ist, der seine Peiniger tötet und es wie Suizide aussehen lässt. Dass er auch vor Cathy (Carolyn Jones, „Eintritt verboten“), der Ex-Freundin Burkes, nicht zurückschreckt und deren Freundin Sue (Phyllis Kirk, „Unser eigenes Ich“) verfolgt, weil er in ihr Marie Antoinette, das ehemalige Prunkstück seiner Ausstellung, zu erkennen glaubt, macht Bondi vom bemitleidenswerten Sympathieträger zum Antagonisten dieses Stoffs. Scotland Yard nimmt die Ermittlungen auf und besorgt somit den Krimianteil.

Bondi sieht (zumindest bis zum Finale…) überraschend normal aus und hat mit seinem taubstummen Diener Igor (Charles Bronson, „Pat und Mike“) eine neue Werkstatt eröffnet. Auf Bondis Einladung des Investors Sidney Wallace (Paul Cavanagh, „Tag und Nacht denk’ ich an Dich“) folgen ein größerer Zeitsprung, eine Intermission und die Eröffnung der neuen Ausstellung. Diese ist für manche Besucherin zu viel, doch der seine Exponate blumig kommentierende Bondi hat Riechsalz parat. Da Sue sich als Scream Queen und Final Girl geriert, geraten Bondis weitere Pläne schließlich ins Stocken, was den Anfang vom Ende bedeutet und in einem wunderschön gruselig und suspensiv gestalteten Finale kumuliert. Überhaupt sieht der Film nicht nur aufgrund seiner Farben toll aus, die Aufnahmen unheilschwangerer nebelverhangener Straßen und Gassen sowie expressionistische Schattenwürfe tragen ihren Teil dazu bei und sorgen für die richtige Atmosphäre. Vincent Price geht voll in seiner Rolle auf und legt viel „Phantom der Oper“ in sein Schauspiel, was ihm zu gleichen Teilen Erhabenheit, Tragik und Grauen verleiht.

Der komödiantische Anteil des Originals wurde stark zurückgefahren und findet sich lediglich in von Nebenfiguren eingebrachten Einsprengseln wieder. Die Polizisten reden indes etwas schnell miteinander, den Dialogen ist somit nicht immer leicht zu folgen. „Das Kabinett des Professor Bondi” ist gegenüber dem Original ein großer Schritt nach vorn und die wesentlich bessere, stimmigere Verfilmung, wenngleich der Film natürlich etwas an Spannung verliert, wenn man seine Geschichte kennt. In Bezug auf Schockeffekte und Terror wäre zudem mehr drin gewesen, doch das ist von einem Film aus dem Jahre 1953 sicherlich nur schwer zu erwarten.

Ein verdienter, prachtvoller Genre-Klassiker!

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