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Auf seine Art und Weise Voraussetzung, Fortführung und gleichzeitig Kontrapunkt zum Fantomas, mit 'erstmals' de Funès als Polizisten auf Verbrecherjagd, dort Paris und Metropolen wie Rom im Ausland und internationale Ausrichtung, hier lokal, "reizvolle Atmosphäre" und "besonderer Charme" die Schlagwörter, 'Dorf', Urlaubsort, Saison, Touristenfang mit Sommer, Sonne, Meer und Strand. Dort Verbrecherkönig, Kriminellengenie und potenziellen Weltbeherrscher, mit furchterregendem Antlitz und ebensolchen Methoden (sowie großen Finanzrahmen und viel Budget), während es hier eine Art Wiederherstellung von Moral, Zucht und Ordnung, um kleinere Vergehen vor allem und nicht gefährliche Verbrechen, im wesentlich kleineren Rahmen (und kleinere Ausgaben der Produktion, de Funès hat kein Drittel der Fantomas-Gage), aber auch mit einem festen Trupp Beamter an der Seite geht. "Ich bin der Stamm und sie sind die Zweige." Saint Tropez ist das "Ferienerlebnis", die Entlastung vom Alltag, das Ausspannen und die erholende Reise. Das Szenario (wie Der Gendarme von Champignol, 1959, oder Le Roi Pandore, 1950) zum Wohlfühlen und unbeschwerten Lachen, für die ganze Familie, für Groß und für Klein, für Alt und Jung, für Arm und Reich, für Mensch – und im schwarzweißen Prolog in den Alpes-Maritimes – auch zum Wohl für das Tier:


Aufgrund einer Beförderung wechselt der Maréchal des logis-chef Ludovic Cruchot [ Louis de Funès ] in das Küstenstädtchen Saint-Tropez, im Gepäck seine heranwachsende Tochter Nicole Cruchot [ Geneviève Grad ]. Cruchot, bislang Herr für sich selber, ist nun dem lokalen Adjudant Jérôme Gerber [ Michel Galabru ] unterstellt und überschaut zu deren Unwillen die Gendarmen Albert Merlot [ Christian Marin ], Lucien Fougasse [ Jean Lefebvre ], Gaston Tricart [ Guy Grosso ], und Jules Berlicot [ Michel Modo ], deren Hilfe er allerdings benötigt, als Nicole aufgrund ihrer neuen Freunde zufälligerweise in einen Gemäldediebstahl hinheingezogen wird.

"Warum bist du so streng, Papa. Du machst dich nur unbeliebt."
Cruchot liebt ebenso wie Juve seine Arbeit, er kennt die Gesetzestexte, er lebt dafür, er ist "der Schäferhund für die Schafe", er trägt mit Stolz und Verantwortung seine Uniform. Er ist ebenso gut ausgelastet, Verstöße gibt es jederzeit, überall und allerorten. Der Mann ist im Grunde auch ein Fanatiker, ein Arbeitstier, ein Pedant, und entsprechend zu Juve ein Pendant. Er ist streng zu den Gesuchten und für seine Beamten auch nicht immer ein Pläsier. "Was ist denn, was ist denn? Haltung! Achtung!". Fish-out-of-water ist der Start des Filmes, das Aufeinandertreffen verschiedener Generationen, verschiedener Kulturen, unterschiedlicher Ansichten über die Zeiten; etwas, dass sich vor allem noch durch Ein Gendarm am Broadway (1965) und dort tatsächlich breiter, da mit der vorübergehenden Verlegung in das Ausland begibt. Ein Beibehalten hier einmal getätigter Schemata auch, durchzieht die Reihe über die vielen Jahre der Produktion hinweg eine familiäre Bindung, im (Juni-Juli '64 für 1,35 Mio. Franc gedrehten) Film selber und auch vom verantwortlichen Drehteam.

Was neu und anders ist, Cruchot hat hier noch einen direkten Vorgesetzten, einen Bezirksvorsteher, mit im Gemeinschaftsbüro, was neben dem Treten nach unten in der Hierarchie auch das Buckeln nach oben beifügt – mit nach einer Idee von de Funès; der erst vom Studio abgelehnt wurde und Darry Cowl a.k.a. Andre Darricau bzw. Francis Blanche in Erwägung gezogen – und aus dem Mann gleichzeitig den Austeiler und den Einsteckenden, und damit neben dem Schabernack und dem Slapstick bzw. auch die Schadenfreude mit als Faktor des Humorismus beifügt. Die Bandbreite von Drehbuch und Regie geht über die beliebte Verwechslung, die irrige Annahme, das verpatzte Timing bis hin zu den Gegensätzen von gut gemeint und gut gemacht und dem bloßen Slapstick, dem Ausrutschen auf offener Straße, hin zur Übertreibung von Normalität und dem schieren Wahnwitz und heftigen Grimassieren. Einzig der Wortwitz wird etwas reduziert, die Dialogarbeit ist eher rüde, dafür selbst die inneren Gedanken und die Fantasien bemüht, die Tagträume der Gendarmen in der Mittagssonne, wobei sich drei davon in unterschiedlichen Epochen als Frauenhelden vorstellen, während der Vierte sich als Soldat bei der Gefangenennahme mit feindlichen Soldaten im Kriegsgebiet sieht.

Das, was den meisten Zuschauer beim Hören des Filmtitels und dem Veranschaulichen der mehr oder minder blassen Erinnerungen daran wahrscheinlich am ehesten in den Sinn kommt: die Nudisten, und die ohrwurmlastige Titelmelodie, die beim Training für den 'Feind' angespielt wird, taucht übrigens am Ende des ersten Drittels auf, und ist auch nur ein viertelstündiger Abschnitt von vielen Ereignissen, die insgesamt locker (wie auch bei manchen der Fortsetzungen) und beinahe nebensächlich durch eine 'Krimihandlung' umrahmt werden. Hatte man vorher schon einige Ein- und Ausblicke auf die zeitgenössische Mode bzw. das Ausbleiben dieser, auf den frivolen (bis offensiven oder gar aggressiven) Umgangston der reichen, verwöhnten, nichtsnutzigen Jugend miteinander ("Krawall ist das Zeichen unserer Zeit.", eine Art Schmalspurfassung von Und immer lockt das Weib, 1956), welchen vor allem die bis dato unbedarfte, hier bald auch eher nichtsnutzige Landtochter Nicole seitens der männlichen Bevölkerung abbekommen hat, so wird nun (dies aber natürlich komödiantisch und mit späten Albernheiten umgesetzt) in die Vollen gegangen, die Nackedei beim FKK sind nicht nur dem Bischof, sondern auch den durchweg älteren Uniformierten ein Dorn im Augen und werden entsprechend umkreist und eingefangen wie eingangs vom Strauchdieb die Hühner.

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