Inhalt:
Als Helene vom Tod von Catherine, ihrer besten Freundin aus Kindheitstagen, erfährt, reist sie sofort zu deren Schloss und stellt fest, dass die junge Frau gar nicht tot ist, dafür aber ein paar Leichen in der Bude rumliegen hat und regelmäßig Blut benötigt. Da sich die beiden in ihrer Kindheit einen Eid schworen, hilft Helene der Untoten Catherine beim Opfer besorgen, doch diese stellt bald fest, dass sie lieber in Ruhe tot sein möchte anstatt bis in alle Ewigkeit ein Dasein als Untote zu fristen.
Kritik:
Und wieder überrascht mich Jean Rollin wie schon bei seinem "Jean Rollin's Vampire" mit einem schönen Mix aus Horror und Freundschaftsdrama. Langsam aber sicher ärgere ich mich, dass ich den Filmen dieses Mannes bisher nicht mehr Zeit gewidmet habe, aber ich werde es zügig nachholen.
Dabei fängt der Film wie ein billiger Zombiereißer an. Drei Männer entsorgen in einer Gruft chemische Abfälle und plündern, da sie schon mal in der Gegend sind, die Wertgegenstände aus den Särgen. Doch da haben sie die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn ein Erdbeben (!) macht ein Fass auf und die entweichende Chemikalie lässt die verstorbene Catherine auferstehen, was für die drei Umweltsünder tödliche Folgen hat.
Danach begibt sich Catherine in ihr Schloss, wobei sie von einem Fotografenpaar geknipst wird (was später noch Folgen haben wird) und erinnert sich an ihre Kindheit und somit an ihre Freundin Helene zurück, die daraufhin anreist, da sie von Catherines Tod erfuhr, diese dann quasi lebend vorfindet und ihr wie bereits oben beschrieben unter die Arme greift.
Es macht einfach Spaß, die sich langsam aufbauende Story zu verfolgen und den sich entwickelnden Charakteren zuzusehen. Dabei wandelt sich die Untote Catherine von dem anfänglichen blutrünstigen Monster zu einer melancholischen Frau, die ihren eigenen Drang nach Blut nicht mehr ausleben möchte und lieber tot wäre, während sich ihre Freundin Helene auf Grund ihrer tiefen Freundschaft zu ihr zu einer menschenopfernden, gewissenlosen Bösewichtin entwickelt.
Da sich die beiden in ihrer Kindheit geschworen haben, dass diejenige, die den Tod der anderen miterlebt, dieser folgen wird, muss bald eine Lösung her, die ich hier natürlich nicht verraten werde. Nur soviel, die Abschlussszene mit langsam wegzoomender Kamera hat es in sich und mir angetan.
Zu der schönen Story kommen einige derbe Splattereinlagen, wobei diese stellenweise etwas billig wirken, wie z.B. der anfängliche Augenausstecher aber zum Großteil sehr gut gemacht sind, wie z.B. wenn Catherine einem Opfer die Kehle aufbeißt und ein wenig in den Eingeweiden herumpult. Insgesamt verfehlen diese Effekte ihre Wirkung aber nicht, da sie niemals ins Lächerliche, Komödienhafte gezogen werden, was eventuell auch das Verbot einiger Fassungen dieses Films erklärt.
Hinzu kommen schöne Sets, gute Ausleuchtungen, eine vernünftige Kameraführung, passende Musik und solide Schauspielerleistungen, wobei die beiden Darstellerinnen der Freundinnen sehr gut agieren und der Rest nicht weiter auffällt, weder positiv noch negativ.
Wie gesagt, mir hat der Film gefallen, nur schade, dass der Anfang so mißraten ist. Für die Auferstehung Catherines hätte sich Rollin ruhig etwas Handfesteres überlegen sollen. Auch der deutsche Titel "Lady Dracula" ist äußerst fehl am Platze, da trifft der Alternativtitel "The living dead girl" den Nagel schon eher auf den Kopf.
Insgesamt ist dies ein gelungener Horrorfilm mit Herz und etwas Verstand.