Review

Vom Brandenburger Tor zur Broadway Premiere!

Wir sind nun schon beim fünfzehnten Einsatz für Charlie Chan angekommen und die Reihe war nach über sieben Jahren so etabliert, dass sich die Formel bewährt hatte. Allerdings bedeutete das auch gleichzeitig, dass die Exklusivität natürlich langsam nachließ. Viele Serien verloren an Budget oder investierter Kreativität und das ging auch an dem chinesischen Detektiv nicht vorbei. Lockte „Olympics“ zumindest noch mit seiner Location (wenn die auch in Form eines nazifreien Berlins rückblickend lächerlich unpolitisch wirkte), haben die letzten beiden Werke mit Oland ein wenig an Druck verloren.
Aber damit waren es immer noch lange keine schwachen Filme, allein die Formel war nun altbekannt und litt so an Abnutzungserscheinungen.

Noch immer war der Titel zumeist reißerischer als der Fall an sich (einer der „selling points“ der Serie) oder der Umgang mit dem durch den Titel Versprochenen. Auch „Broadway“ hätte man gepflegt in „Charlie Chan ermittelt in einem Hotel“ umbenennen können, denn auch wenn das am Broadway stehen soll, verweist die Ortserwähnung doch eher auf einen Fall in der Showszene und die kommt hier kaum weiter als bis zum obligatorischen Club-Besuch.

Zu Beginn setzt der Film auf der Rückreise per Schiff von Berlin an und lässt den Detektiv und seinen ersten Sohn Lee durch Zufall in den nächsten Fall schlittern, weil ein wichtiges Tagebuch von einer Mitreisenden im Gepäck des Duos versteckt wird.
Damit hat es sich dann auch mit der Originalität und aus „Broadway“ wird ein intelligentes kleines Kammerspiel mit vielen Verdächtigen. Wer das Opfer sein wird, ist ziemlich schnell klar, qualifizieren sich doch eine ganze Reihe für einen Mord an Louise Henrys „Betty Bronson“, die mit heiklen Infos in ihre Heimatstadt zurückkehrt, um noch mal einen flotten Reibach zu machen.
Das Skript täuscht sehr gut an und blendet geschickt aus, um dann entsprechend gleich zwei Tote zu präsentieren, bis das ganzen Konstrukt rund um die Bergung des Tagebuchs aufgedröselt wird. Chan darf seine Talente mehrfach erfolgreich zum Einsatz bringen und sogar Lee darf, neben den üblichen komischen Anwandlungen und dem fast schon zwangsweisen Anbandeln mit einer (natürlich asiatischen) Clubangestellten (Tashia Mori!), etwas zur Auflösung beitragen.

Leider sind die Figuren nicht so spektakulär, eher normales Krimi-Potential mit leichten Gangsteranwandlungen, allerdings gibt es in „Broadway“ den ersten Auftritt von Harold Huber zu bewundern, der in der Folge in insgesamt vier Chan-Filmen in unterschiedlichen Rollen (und Peinlichkeitsstufen) meist als Polizist auftreten sollte (und in zwei Mr. Moto-Filmen noch dazu). Hier gibt er – noch recht kompetent – aber wesentlich engagierter als die meisten Verdächtigen auftretend – den Inspektor Nelson, der zumeist die zupackenden Vorschläge macht, die dann kurz darauf von Chan beschwichtigend überarbeitet werden. Dabei hat er die Schmunzler auf seiner Seite, gibt er doch nicht den inkompetenten Polterer, sondern mehr den scharfzüngigen Beamten aus der Arbeiterklasse derer von Brooklyn, der über „die da oben“ nur verächtliche Kommentare übrig hat, während er alles um sich herum verbal aufmischt. Eindeutig die beste humoristische Einlage seit langem, weil sie nicht betont humoristisch angelegt ist.

Für Rätselfreunde hat der Film aber reichlich zu bieten und sogar die Auflösung hat noch einiges an Überraschungen in petto, weswegen ich hier freundlich von 6,5 auf 7 aufrunde. Wären die Verdächtigen ein wenig charismatischer gewesen, wäre sogar mehr drin gewesen.

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