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Von der Séance in den Zirkus!
Nach all dem Herumgereise durch die Welt ist es nun endlich mal Zeit für einen richtigen Urlaub für den bekannten Detektiv Charlie Chan, der in diesem Fall 1936 auf dem amerikanischen Festland einige ruhige Tage verbringen möchte – und siehe da, es gibt einiges an Schauwerten.

Das bezieht sich nicht nur auf das Zirkusumfeld, in dem es von wilden Tieren, Affen und Kleinwüchsigen als Attraktion wimmelt, sondern auch auf seine Begleitung, denn Chan reist hier mit der kompletten Familie und das sind eine Ehefrau (die hier gerade mal einen einzigen Satz sprechen darf) und immerhin ein ganzes Dutzend Kinder, angeführt von Sohn Nr. 1 Keye Luke.

Natürlich steckt hinter den Freikarten und der Einladung durch den Besitzer ein tieferer Sinn, denn es gibt Drohbriefe, die doch bitte zwischen Clownnummer und Akrobaten geklärt werden sollen. Schon bald wird jedoch klar, dass das komplizierter als gedacht wird, denn der Leiter macht sich praktisch bei jedem in seinem Umfeld unbeliebt, vom Mitbesitzer über die Künstler bis zu mehreren Frauen in seinem Leben. Kein Wunder also, wenn er gleich nach Beginn der Vorführung tot in seinem von innen verschlossenen Zirkuswagen liegt.

Nach allerlei Aufklärungsarbeit, wie der Mord begangen worden sein könnte (Täter: der Affe!), scheint der Fall geklärt, doch Chan wird gebeten, die flüchtige Arbeit der Polizei dann doch mit weiteren Untersuchungen zu veredeln. So von seiner Familie entsandt, schließen sich Charlie und Lee dem Unternehmen bei der Reise in die nächste Stadt per Zug an – wo sogleich die nächsten sinistren Vorgänge stattfinden.

So präsentiert der Film in der Folge nicht nur ein, sondern mit dem nächtlichen Zug gleich zwei Locationstandards für Krimins, eine Attacke durch eine Giftschlange, ein Attentat auf eine Akrobatin und später noch – den Doubletrick aus „Secret“ wiederholend, eine weitere Attacke des Affen.

Frisch wirkt das alles durch eine Vielzahl von Komplikationen, wie die, wer denn nun den Zirkus erben wird, wer mit dem Opfer alles verheiratet war und wie das mit einem zurückliegenden Mord zusammen hängt. Dabei spielt der Film mit den hollywoodesken Affenfiguren, die wie üblich von Fachleuten im Ganzkörperkostüm gespielt werden, um dann im Plot genau das zu thematisieren.
Heraus kommt ein sehr abwechslungsreicher Fall, bei dem in rascher Folge immer neue Wendungen an die Oberfläche kommen, während Lee sich mal wieder als „comic relief“ bemüht, eine (natürlich asiatische) Akrobatin anzuschmachten (mit viel Klamauk). Nebenbei bleibt noch Zeit, ausgiebig die Kamera auf Colonel Tim und Lady Tiny zu richten, die als kleinwüchsiges Ehepaar die Szenerie ergänzen.

Alles in allem wieder ein sehr erfreulicher Chan, den ich gern mit 8/10 garniere.

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