Von Shanghai nach San Francisco!
Für das zehnte Abenteuer des orientalischen Detektivs Charlie Chan besannen sich die Autoren auf ein Thema, welches in den frühen 30ern immer wieder mal gern genommen wurde, als die Gruselfilme von Universal gerade Hochkonjunktur hatten: Okkultismus. Bzw. Spiritismus.
„Charlie Chan‘s Secret“ verzichtet diesmal auf die geographische Verortung (der Hauptteil des Films spielt auf einem Anwesen in der Nähe), weil man von der Stadt eh genauso wenig sieht wie von den anderen exotischen Locations, die stets immer im Studio entstanden. Stattdessen fokussiert man auf das (Familien-)Geheimnis und kehrt so nach dem Ausflug in die Welt des organisierten Verbrechens zu den simplen Mordgeschichten zurück, deren primärer Antrieb dann eben doch häufig die Gier ist.
Dabei sieht das alles zu Beginn noch gar nicht so aus, wenn Chan bei einer Bergungsaktion von einem gekenterten Schiff mithilft, um nach dem Verbleib oder Schicksal des seit sieben Jahren in der Fremdenlegion abgängigen Allan Colby zu fahnden. Sein Tagebuch wird geborgen, dort ist von Anschlägen auf sein Leben die Rede. Doch Colby ist tatsächlich noch lebendig – mit einer Betonung auf „noch“, denn er marschiert stramm zurück auf das inzwischen verlassene Familienanwesen (komplett nur noch mit „grumpy caretaker“ Ulrich, ein hinreißender Stinkstiefel), wo er beim Stellen einer Uhr leider ein Wurfmesser kassiert.
Nun ist das zusätzlich leider auch noch die Örtlichkeit, die sich Familienoberhaupt Henrietta Lowell (ein alter Kampfdrache) für ihre nächste Séance mit dem Medium Carlotta und dem Spiritisten Professor Bowen auserkoren hat. Chan, der die Familie über seine neuesten Erkenntnisse aufgeklärt hat, ist ebenfalls herzlich eingeladen ist dem verwinkelten, alten Haus, welches in bester Universeltradition auch ein paar klassische Filmmonster beherbergen könnte.
Während der Séance kommt es dann wie es kommen muss: die geisterhafte Visage Colbys leuchtet in einem Durchgang auf und dann plumpst seine Leiche der kreischenden Gesellschaft vor die Füße. Alsbald entscheidet sich Chan dann, Mrs. Lovell um einen Nacht Aufenthalt in dem Spukhaus zu bitten, denn er hat noch einige Analysen zu machen.
Ungnädige Geister könnten jetzt problemlos mosern, das Thema „Old Dark House“ mit seinen versteckten Apparaturen, plötzlich aufklappenden Geheimgängen und messerwerfenden Armen wäre der älteste Stinkkäse der Welt, aber bei Chan kriegt das Thema noch einmal einen modernen Schwung. Ganz sachlich und höflich nimmt Chan den Tatort auseinander, entlarvt eine Betrugsmasche nach der anderen, natürlich auch das Medium und den Professor - was dazu führt, dass das Familientestament geändert werden muss (Ja, noch so ein Klassiker aus der Krimimottenkiste). Natürlich erwartet man halb ein weiteres Attentat und es kommt auch, raffiniert und eigentlich seiner Zeit ein wenig voraus. Natürlich gibt es dazu noch einen Twist und eine zweite Séance, alles Wendungen, die man absehen kann, aber hier werden sie raffiniert präsentiert und man muss das durch die Brille der 30er sehen, als man noch nicht stetig mit Plottwists zugeschmissen wurde.
Schwachpunkt der Handlung ist wieder mal das „komische“ Element, diesmal besorgt vom Familienbutler Baxter, dargestellt von Herbert Mundin, der als Steigbügelhalter und abgestellter Begleiter von Chan dienen muss und selbst Schiss vor so ziemlich allem auf dem Gruselanwesen hat. Mundin gibt sich alle Mühe, nicht zu albern zu sein, allerdings ist er permanent „absentminded“, so dass er auf unbequeme Anweisungen dann empört-erschreckt und zögerlich mit den Augen rollen kann, ein „shtick“ der sich bald tot läuft, da seine Figur das Tempo aus dem Plot nimmt. Kinder dürften ihn allerdings sehr witzig finden.
„Secret“ ist ein raffiniert geplottetes Stückchen Film und wenn auch nicht wirklich originell, so behandelt es die Kintoppumgebung mit all dem enthüllenden Charme, den ein Detektivfall bieten sollte. Erfreute 8/10!