Der Industrielle Bertrand Barnier erlebt seinen verrücktesten Tag: Sein Buchhalter Christian Martin fordert eine Gehaltserhöhung, gesteht Diebstähle und will Barniers Tochter heiraten. Doch die liebt Papas Ex-Chauffeur Oscar, von dem sie ein Kind bekommt. Um das Chaos perfekt zu machen, verschwindet ein Koffer voller Schmuck und Bertrands Haushälterin kündigt ihren Job. Da taucht eine zweite Tochter auf.
Der Film adaptiert Claude Magniers Bühnenstück „Oscar“ von 1958, in dem de Funès ebenfalls die Rolle des Bertrand Barnier auf der Bühne spielte und auf beinahe 600 Vorstellungen kam. Als Christian Martin traten unter anderem Jean-Paul Belmondo und Jean-Pierre Cassel, Vater von Vincent Cassel, auf. Auch als Leinwandversion sieht man der Geschichte die Herkunft als Bühnenstück an, denn es treten immer wieder Figuren auf und ab, es kommen neue in den Reigen hinzu, während sich der Großteil der Handlung in der Eingangshalle des Hauses Barnier abspielt. Oscar gilt wohl zurecht als de Funès bester Film und war ein überwältigender Erfolg
Die temporeiche Komödie ist vollgepackt mit großartigem Slapstick und einem echten Feuerwerk an spritzigen Dialogen.
Louis de Funès spielt seinen Barnier wie im Rausch, in einem Wechselbad der Gefühle, ständig zwischen Verzweiflung und Zufriedenheit hin- und hergerissen bei dem Versuch, zu improvisieren, das Chaos zu dirigieren und zu kontrollieren. Agathe Natanson spielt seine Tochter Colette ähnlich ambivalent und klingt, wenn sie aufdreht, wie eine Heulboje mit kaputten Lautsprecher. Der Rest des Ensembles hält sich als Ausgleich weitgehend zurück, bekommt aber dennoch ebenfalls genug Raum, um zu überzeugen.
Ganz gleich, welchen Ehemann in spe Barnier gerade wieder für seine Tochter parat hat oder welchen Koffer er in die Finger bekommt, das präzise Timing macht jede Szene zum Vergnügen. Das ist überdreht, aber nie plump, immer charmant und sympathisch. Und wenn man sich vorstellt, drei Stunden zu früh aus dem Schlaf gerissen und mit einem solchen, stetig weiter eskalierenden Chaos konfrontiert zu werden, muss man Barniers fast schon Gelassenheit ernsthaft bewundern.
Früher anstrengend, heute für mich eine der besten Komödien ever. Chaotisch, charmant, toll gespielt. Ein Fest, das man aber dennoch mit etwas Aufmerksamkeit verfolgen sollte, wenn man nicht ständig wie de Funès überrascht werden will. Zeitlos und absolut sehenswert.