Von Samoa auf die Tanzmausparty!
Nun war es also soweit. Der Publikumsgeschmack hatte sich geändert und während die „Schwarze Serie“ sich zum dramatischen und düsteren Schwergewicht in Hollywood entwickelt hatte, war für die leichte Kost charmanter Whodunits nicht mehr so viel Platz. Und so nahm auch die Chan-Serie den Weg, den viele Genres spätestens dann in den Spät-50ern oder Früh-60ern nehmen sollten: sie wurde leicht „teenagerisiert“.
In „The Trap“ haben wir es demnach mit „Cole Kings“ Cabaret-Truppe zu tun (nicht „King“ Cole, wie man auch hätte vermuten können), die sich auf einen ausgedehnten Übungs-Wochenendtrip nach Malibu begibt, wobei man am Strand natürlich auch schöne Fotos von tollen Beinen machen kann.
Das bedeutet, der Zuschauer darf ausgiebig teilnehmen, wie sich eine Horde hochgezüchteter Hupfdohlen anmault und vollkreischt, während unter der Oberfläche Eifersüchteleien und Erpressung schwelen.
Was kann da schon sonst noch passieren, außer „Ding Dong, the Bitch is dead!“ und alsbald sind nicht nur eine, sondern zwei der Damen ex gegangen. Verdächtig ist – als plot device – das asiatische Girl, welches natürlich eine der Angebeteten von Jimmy Chan ist, der auch sofort herbei gerufen wird. In der Folge wird natürlich auch der liebe Papa aktiviert, der noch im Glauben anreist, sein Sohnemann könnte das Opfer sein.
Als dann alle im Sand versammelt sind, spielen wir das Lied von der slasherbedingten „cabin in the woods“, die diesmal zufällig am Strand steht, mit Nacht und Sturm und Drum und Dran. Die Auflösung an sich ist nicht wirklich sensationell, aber immerhin lebt der Film von einigen schönen „location shots“ und den hysterischen Zickereien der Damen, zwischen denen Toler manchmal wie ein Fremdkörper wirkt, gemessen an der relativen Inkompetenz seiner Begleiter Jimmy und Birmingham. Mit im Cast sind an bekannten Namen auch noch Anne Nagel und Kirk Alyn als Polizist, der zwei Jahre später zu einer der bekannteren „Superman“-Darsteller in zwei erfolgreichen Serials werden sollte.
Wer also hübsche Mädchen sehen möchte, der ist hier richtig, ansonsten ist „The Trap“ kein besonders edler Abschied von Sidney Toler, denn es war sein letzter Fall als orientalischer Detektiv, der Darsteller starb im Februar 1947, ohne dass ein neuer Fall in Produktion gegangen wäre. („The Trap“ wurde im August 1946 gedreht.)
Das wäre der ideale Moment gewesen, die Serie still und leise zu Grabe zu tragen, doch bei Monogram entschied man sich nach Tolers Tod dann doch noch, die Reihe fortzusetzen und ließ ab Sommer 1947 die Kameras wieder rollen. Leider entschied man sich nach längerer Suche für Roland Winters, der allein von der äußeren Erscheinung her keine besonders glückliche Wahl war, aber darüber dann ein anderes Mal… (5/10)