Review

Über die Reeling zur eigenen Wachsfigur!

Kaum war der Würger an Bord des Kreuzfahrtschiffes erfolgreich entlarvt, stand auch schon der nächste Chan-Film in den Startlöchern und nachdem es gegen Spione und reine Mörder ging, durfte nun das organisierte Verbrechen mal wieder ran, denn in diesen drei Bereichen bewegen sich eigentlich alle von Chans Mordermittlungen.

Natürlich sind Gruselumgebungen bei Chan immer gern gesehen (zumindest ich habe eine Vorliebe dafür), aber in diesem Fall ist das Skript nicht eben eben, wenn man nett sein möchte – es ist zu einem ziemlichen Kuddelmuddel geronnen.
Erfreulich ist der untypische Beginn, bei dem der Verbrecher McBirney sich – rechtskräftig zur Todesstrafe verurteilt – den Weg in die Freiheit freischießt, um dann Rache an Chan üben zu wollen. Damit er nicht ganz so stark auffällt, sucht er einen gewissen Dr.Cream auf, der Finstermännern in seinem Hinterzimmer neue Visagen verpasst. Gleichzeitig führt Cream auch gleich noch ein operatives Wachsfigurenkabinett, auch wenn wirklich keine bekannte Berühmtheit bei den ziemlich gleichförmigen Figuren auszumachen ist.

Unter dem Vorwand, in dieser Umgebung eine Kriminalradioshow live zu übertragen, in der einer von Chans Fällen diskutiert wird, lädt man den großen Detektiv ein, um ihn dann während der Übertragung auf seinem Stuhl via Elektrizität zu grillen. Leider zieht die Aktion nicht nur einen Haufen Radioleute zu den beiden Killern und dem sinistren Arzt an, sondern auch noch Journalisten und Beteiligte des Verfahrens, bei dem McBirney – inzwischen unter unförmigen Bandagen – beteiligt war.
Gleichzeitig wird dann auch enthüllt, dass an der Affäre noch ein weiterer ruchloser Mörder beteiligt war – der jedoch anfangs tot sein – sich dann aber bald als die eigentlich – unbekannte – Bedrohung erweist, denn auch er hat sein Gesicht ändern lassen.

Alsbald gibt es die erste Leiche, aber nicht durch Strom, sondern durch einen obskuren Giftpfeil, draußen donnert ein Gewitter dahin und dass Chans eigene Wachsfigur ebenfalls noch für Verwirrung sorgt, vor allem wie üblich beim spontan auftauchenden Sohn Nr. 2.
Das können aber noch so viele Schatten in den Ecken lauern, der ganze Plot wirkt unlogisch, künstlich verkompliziert und an den Haaren herbei gezogen. Ein Gangster wird aufwändig als Gegner aufgebaut, verschwindet dann aber blitzschnell, als man einen neuen Täter präsentieren kann, der zuvor für tot gehalten wurde. Zwischendurch müht man sich noch durch die anwesenden Verdächtigen, die alle ihre eigene Meinung zum gerade aktuellen Geschehen haben. Dazwischen quält sich ein Arzt, der wie ein berühmter Giftmörder heißt, als „mad scientist“ unheimlich zu wirken, während aus der Abgeschiedenheit der Umgebung recht wenig gemacht wird.

Was von nun an immer auffälliger und auch ein wenig penetrant wird, ist der Einbau von Sohn Nr.2 Jimmy Chan, der hier und in den folgenden Film immer abstrusere Begründungen vorzuweisen hatte, warum er in der Handlung auftauchte, immer neue ungeahnte Talente neben seinem Studium vorwies und dem doch sehr bedächtig (und etwas nuschlig) agierenden Toler mehr und mehr Aktivität abnahm, was meistens zu einer Menge bemühten Slapstick gehört. Dazulernen war in der Reihe für die Figur jedenfalls nicht vorgesehen.

Nebenbei gibt es auch noch ein, zwei etwas bemühte Gags mit Chans eigener Wachsfigur inclusive eines Mordanschlags auf den Detektiv, aber angesichts der Tatsache, dass erst ein racheschnaubender Gangster und später ein ruchloser Killer in dem Haus unterwegs sein sollen, wird es leider – wie üblich – mal wieder hauptsächlich „talky“ , sobald alle Verdächtigen versammelt sind.
Aus den Kellern, Kavernen und Zimmern des Kabinetts macht die Produktion nichts, holt nicht einmal etwas Suspense aus der Verwechslungsgefahr mit den Figuren. Sicher kann man nur sein, dass der Täter am Ende meistens einer der Unauffälligsten war und gerinnt der wunderbare Schauplatz dann doch zu einem netten, aber leider nicht brillianten Fall. Und den „comic relief“, einen halbsenilen Putzmann, der sich mal als „Henker“ versuchen darf, hätte man sich auch schenken können. (6/10)

Details
Ähnliche Filme