Aus der Zauberkiste in die Verdunklung!
Der nächste Charlie Chan-Film, dem man sich widmen muss – der vierte mit Toler in der Hauptrolle – ist rückblickend wesentlich interessanter, wenn man sich anschaut, wann und wie der Film gedreht wurde, wann er herauskam und welches Thema er portraitierte. Das ist alles bedeutend interessanter als der Film an sich, den ich zu den schwächeren Chans zählen würde. Auch ist dies einer der raren Chans aus dieser Phase, für die keine deutsche Fassung vorliegt.
Die Handlung von „City of Darkness“ spielt in Paris, speziell am 28.und 29.September 1938, während Hitler gerade die Tschechoslovakei annektiert hatte und die Kriegsangst erstmals auf dem Kontinent umging. Die Franzosen machen im Film daraus eine Übung, die Stadt gegen einen möglichen Feind (der wieder nicht explizit genannt wird, da die USA zu diesem Zeitpunkt noch neutral waren) zu schützen. Gedreht wurde der Film jedoch erst im Juli 1939, also kurz vor Kriegsbeginn, um schließlich im November, bereits nach Kriegsbeginn herauszukommen. Also klatschte man dem Film noch eine historische Montage mit Dokumentarszenen zeitgenössischer Politiker (inclusive Onkel Adi) voran, die alles Geschehene informativ aufklärt, aber nur bedingt etwas mit dem Mordfall zu tun hat.
Der dreht sich aber um allerlei Spionageringe, falsche Ausweise, überteuerte Fahrkarten in vermeintlich sichere Gewässer, alte Fehden und natürlich ein Mordopfer. Das alles hier jetzt aber aufzudröseln, ist aber nicht nötig, denn der seichte Patriotismus, die nur mäßig ausgelegte Frage, ob es Sinn macht in einen „fremden“ Krieg zu ziehen und die von der Trennung bedrohten Liebenden, das sind alles altbekannte Versatzstücke von hier bis „Casablanca“.
Das ergibt einen recht sentimentalen Chan-Film, noch dazu leicht dialoglastig und mit einigen Figuren, die kaum über die Endkontrolle für Franzosenkarikaturen herauskommen würden, so z.B. drei absolut überflüssige und depperte Einbrecher, die eigentlich nur den Sinn haben, das Feld der Verdächtigen aufzuforsten.
Um so schrecklicher wirkt da das „comedy fodder“, dass mal wieder der altbekannte Harold Huber in seinem dritten Chan-Film absondern muss. Als Marcel Spivak, „halb-rumänischer Sohn“ des Polizeichefs, ergießt sich aus seinem Mund ein nicht enden wollender Strom an französisch akzentuierten Peinlichkeiten, wenn er sich nicht weinerlich über seine miesen Karrierechancen auslassen muss (er ist aber auch inkompetent) oder in einer albernen Slapstickszene den Kürzeren zieht. Für den anderweitig talentierten Huber ein echter Tiefpunkt in einem sonst vermutlich überernstem Film.
Wem es nur um die Verwicklungen geht, der wird auch hier zufrieden sein, aber sich für die mäßigen Nebenrollen zu begeistern, fällt ziemlich schwer. Visuelles Highlight ist dann auch die Explosion eines Kleinflugzeugs ganz zum Schluss, auf das dann doch noch ein weiterer Täter folgt. Untypisch sind wie gesagt noch die nahenden Kriegsbezüge, an derer zumindest andiskutiert wird, ob der Eintritt in den Krieg mehr Ehre oder mehr Leid bringen wird. Anders als in anderen Filmen fällt die Disukussion nicht ganz so patriotisch platt aus, aber das Ergebnis ist dasselbe. Die mäßige Note kassiert der Film aber aufgrund seiner Statik und seines uneinheitlichen Tons. (5/10)