Review

Von der Gangway über die Planke!

Hohoho, trinkt aus, Piraten!
Das hatte ja noch gefehlt im Kanon des Charlie Chan, ein maritimes Abenteuer (komplett auf einem noch vor Anker liegenden Schiff), dass nicht über Kreuzfahrtkomfort verfügt.
Wieder fehlt der Chan-Bezug im Titel, aber auf dass „Dead Men Tell“ (no Tales) des Titels wird immerhin eingegangen, denn der MacGuffin der Woche geht an einen geheimnisvollen Piratenschatz, hinter dem eine ganze Reihe von Passagieren und Besatzung her sind – aber wie sich das gehört, wurde die Karte zum Schatz an vier Personen aufgeteilt, die voneinander leider nichts wissen.

Das genügt dann eigentlich schon, um die Handlung in Gang zu setzen, man braucht nur etwas Gier und wechselnde Schatzkartenbesitzer, ein geräumiges Schiff mit vielen düsteren Ecken, einen schwatzhaften Papagei und einen Mörder im Piratenoutfit, der hier dem ersten Opfer (Altstar Ethel Griffies) das Herz stehen lässt mit seinem Holzbein.

Nein, einen Sonderpreis für Originalität in der relativ abgetragenen Reihe gibt es auch nicht für das „Schatzsucherschiff“, aber deutlich besser als der Vorgänger ist dieser Film schon. Das liegt vor allem an einem passablen Kuriositätenkabinett an Charakteren, die über die Decks schleichen.
Absoluter Schwachpunkt der – bisweilen recht albernen – Handlung ist der Einbau von Charlie und seinem Sohn Nr. 2, denn offenbar lockt es Jimmy (bisher Student der Mathematik, Maler, Chemiker, Olympiasieger usw.) nach einem Abenteuer, weswegen er sich als blinder Passagier auf das Schiff schleicht, verfolgt von seinem recht besorgten Vater, die praktisch auf den nächsten Fall geschleudert wird. Die Storykonstruktion knirscht in allen Fugen.
Wie sinnvoll das ist, beweisen Jimmys zunehmend hanebüchenden Ermittlungsversuche, die in diesem Film mindestens dreimal dazu führen, dass er aus größerer Höhe ins Hafenbecken fällt – und leider ist keins der Male richtig lustig.

Erfreulicher sind da schon die Figuren: ein brodelnd düsterer Kapitän, ein sinistrer Journalist, ein jovialer Numismatiker, ein frisch verheiratetes Ehepaar (auf diesem Seelenverkäufer!) und als Comedyergänzung der augenrollende Gene La Farge und seine ihn begleitende Psychoanalytikerin, die ihm helfen soll, seine Furcht vor solchen Situationen zu überwinden.
Dazu kommt noch die absurde Wendung, dass einer der Beteiligten an dem Täter Rache üben will und sich deshalb die ganze Zeit nicht blicken lässt, so dass man mindestens einen Mord sich hätte locker ersparen können.

Bräsig in einem Laderaum voller Klischees sitzend, feuert der Film eine Breitseite nach der anderen, präsentiert immer neue Wendungen und Verdächtigungen, während sich die Beteiligten über die Reeling mühen, um als Erste die Karte zu vervollständigen, wobei noch einige Schicksale zu entschlüsseln sind.
Absolute Klischeesahne ist jedenfalls die Hafenkneipe, die einem wirklich die Schuhe auszieht, vom Akkordeonspiel über die engtanzenden Pärchen bis zur spontan ausbrechenden Klopperei.

Bei den Darstellern sticht übrigens George Reeves, der spätere „Superman“-Darsteller in einer schön hintergründigen Rolle hervor, drei der einprägsamsten Nebendarsteller sollte man ein Jahr später im übernächsten Fall, dem letzten von der Fox produzierten Charlie-Chan-Film wiedersehen – viele der Gaststars hatten in der Reihe mehr als einen Gastauftritt.

Insgesamt ein für die Spätphase der Fox überdurchschnittlicher Chan, dafür knapp 7/10.

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