Review
von Blaine
Oliver Barrett studiert an der Havard Universität und anfangs kann er sich nicht so recht für Jura begeister, wie dies der Wunsch seines gleichnamigen Vaters ist. Er lernt durch Zufall Jennifer Cavalleri kenne, die an der gleichen Universität Musik studiert. Anfangs noch recht zurückhaltend beginnt für die beiden nach und nach eine Liebesaffaire. Das Einzige was jedoch nicht ins Bild passen möchte, ist Olivers Vater, denn dieser ist strikt gegen eine Heirat der beiden und droht sogar seinen Sohn zu enterben. Als beide dann versuchen ein Kind zu bekommen, will dies nicht funktionieren und es ist nicht klar, an wem der beiden es liegen mag. Als sie dann einen Arzt aufsuchen, wird bei Jennifer die schreckliche Diagnose einer Leukämie festgestellt. Und nun beginnt für beide der Kampf um ihre Beziehung und für Jennifer der Kampf ums Überleben.
Wertung
Lovestory, was für ein großartiger Titel, der wahrscheinlich noch in 100 Jahren allein vom Wortlaut ein Begriff sein wird. Lovestory heißt hier aber nicht nur wörtlich übersetzt „Liebesgeschichte“ sondern heißt hier vor allen Dingen Liebe in Zusammenhang mit Tragik und Trauer des Verlustes durch eine schwerwiegende Erkrankung. Der Film ist von 1970, dies ist im Verlauf der Bewertung zu berücksichtigen. Natürlich gibt es Aspekte, die es in der heutigen Zeit so nicht mehr geben würde. Die Beziehung der beiden ist gegen den Willen des Vaters. Er setzt nun einiges daran diese beenden zu wollen. Und dies scheint ihm teilweise auch zu gelingen. Ein Szenario wie es in der heutigen Zeit in der ein oder anderen Situation durchaus auch denkbar ist. Als die beiden dann trotzdem heiraten und dann versuchen ein Kind zubekommen und dann die Diagnose einer bösartigen Erkrankung erhalten, kippt der anfänglich eher einer gesellschaftskritischen Komödie angelehnte Blick in Richtung Drama, wobei hier auf explizite Bilder eher verzichtet wird. Man sieht an einer Szene, wie Jennifer die Therapie erhält, die zum damaligen Zeitpunkt keine wirkliche Aussicht auf Erfolg hatte. Dies ist in der heutigen Zeit zum Glück anders. Allein an dieser Szene wo Jennifer Oliver bittet sie einfach in den Arm zu nehmen, wird die in anderen Filmen vorhandene Intimität, die bei Liebenden in einer Solchen Situation vorhanden ist, sehr gut und deutlich dargestellt. Mitunterstreichend dabei ist der Titeltrack, der extrem einprägsam ist, so dass selbst nach Beendigung des Films durch das gleiche Thema in unterschiedlichen Ausprägungen und Stilistiken ein Wiedererkennungswert vorherrscht und dadurch ein Gefühl der Melancholie und Traurigkeit vermittelt wird. Lovestory war vielleicht einer der ersten Filme der die Thematik in dieser Form dargestellt hat. Alle anderen Filme sind mehr oder minder Nachahmer in gleicher oder ähnlicher Konstellation („Kein Mittel gegen Liebe“, „Entscheidung aus Liebe“, vielleicht sogar „Philadelphia“ in Ansätzen) und sie kommen alle nicht richtig an diesen Film heran, weil das Weglassen der expliziten Szenen (Übelkeit, Erbrechen, Haarausfall, körperlicher Verfall) eben nicht zu sehen ist aber trotzdem das Gefühl vermittelt wird, als wenn dies da wäre. Bei „Entscheidung aus Liebe“ war es umgekehrt. Dort sieht man Julia Roberts sich als Krankenschwester um den Erkrankten Campbell Scott kümmern, und man sieht, wie er keine Haare hat, wie er am Erbrechen ist und er letzten Endes vorgaukelt, dass seine Erkrankung weg sei und deshalb die Therapie beendet wurde damit es ihm besser geht, also eine andere Situation. Er möchte wieder ein Stück Lebensqualität bekommen und riskiert dabei seinen eigenen Tod. Dies ist hier bei Lovestory natürlich nicht der Fall.
Alan MacGraw war einfach bezaubernd und auch Ryan O‘Neil als Oliver Barrett kann absolut überzeugen. Einziger Kritikpunkt ist vielleicht das Eishockeyspiel von der Havard-Mannschaft. Gerade diese Universität bringt man nicht gerade mit Eishockey in Verbindung auch wenn dies zutreffen mag.
Insgesamt ergibt sich hier ein wunderbarer aber auch sehr sehr tief trauriger Film, der auch in der heutigen Zeit eine Aktualität besitzt, die so manch andere Film vermissen lässt. Ganz klare Sichtungsempfehlung auch für
die harten Kerle und ganz klare 10/10 Punkte.