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Es ist kein sonderlich rühmliches Kapitel in der langen Ära der Universal-Studios, im Zuge ihrer Monsterfilme auf einen Darsteller zurückzugreifen, der aufgrund einer Krankheit Deformationen aufwies. Rondo Hatton litt an Akromegalie, was meistens mit überproportionalen Füßen, Ohren, Nase und Kinn einhergeht. Leider konnte er der Uraufführung von „House of Horrors“ nicht mehr beiwohnen, infolge seiner Krankheit starb er an einem Herzinfarkt.

New York: Der Bildhauer Marcel (Martin Kosleck) leidet unter den harten Worten eines Kritikers, der Erfolg bleibt nicht nur kommerziell aus. Als er zufällig einen Mann (Rondo Hatton) vor dem Ertrinken rettet und ihn bei sich beherbergt, kommt ihm die Inspiration für eine Neandertaler-Büste. Marcel weiß nicht, dass der als „The Creeper“ gesuchte Typ ein Serienkiller ist und er weiterhin morden wird…

Regisseur Jean Yarbrough drehte noch im selben Jahr einen weiteren Streifen mit Rondo Hatton, in dem dieser erneut einen Entstellten spielt, der sich an seinen Peinigern rächt. Rache ist auch hier ein Leitmotiv. Allerdings geht dieses vom erfolglosen Künstler aus, während sein neuer Mitbewohner das ausführende Organ ist und erst gar keine Anweisungen für einen Mord benötigt. Der Creeper erkennt den Hass in Marcels Worten und handelt unaufgefordert, während er, weil sich die Gelegenheit ergibt, eher zufällig eine Frau tötet, die er auf der Straße erspähte.

In jenen Szenen des Annäherns spielt die Inszenierung recht gekonnt und stilvoll mit Schattenwürfen, denen die versierte Kamera ebenso effektiv folgt. Einige düstere Orte erzeugen eine stimmungsvolle Gruselatmosphäre, während ein routinierter Score vielleicht etwas zu dauerhaft im Einsatz ist. Auf der anderen Seite kommt es immer mal wieder zu Auflockerungen, für welche eher die Damenwelt zuständig ist. Da gibt es einerseits eine kecke Journalistin, die mit Vorliebe extravagante Hüte trägt und dabei einmal wie Minnie Mouse aussieht und zum anderen das Model eines Malers, welches immer demonstrativ Tennisschläger und Ball fallen lässt, sobald das Posieren durch ein Klingeln unterbrochen wird.

Ansonsten dominieren eher die Krimianteile und damit einhergehend eine überwiegend düstere Stimmung. Obgleich diverse Morde nie explizit bebildert werden, ist das eher wortkarge Auftreten des Creepers durchaus unheimlich. In diesem Fall erzeugt sein Aussehen auch kein Mitleid wie etwa bei Frankensteins Monster, denn der Kerl ist durch und durch aufs Töten aus. Da keine Hintergründe für seine Motivation geliefert werden, kann man ihn letztlich nur als grundlegend böse einstufen. Dass Frauen indes bereits bei seinem bloßen Anblick entsetzt aufschreien, ist letztlich der Ära geschuldet und ähnlich befremdlich wie rauchende Ermittler, die ungefragt im Chefsessel Platz nehmen und die Füße auf den feinen Schreibtisch legen.

Darstellerisch sticht neben der unweigerlich markanten Präsenz von Hatton auch Martin Kosleck als gedemütigter Künstler positiv hervor, der zunächst mit seinem Schicksal hadert und im Verlauf recht selbstgefällige Züge annimmt und dadurch auf nahezu derselben Stufe wie sein mordender Kompagnon steht. Aber auch die übrigen Mimen sind mit angemessener Spielfreude dabei.

Infolge der überschaubaren Laufzeit von nur 65 Minuten ist die Erzählung jederzeit aufs Wesentliche konzentriert, es entstehen keine Längen. Die Geschichte ist zwar simpel gehalten und geht nie allzu sehr in die Tiefe, doch das Zusammenspiel der wenigen Figuren hält ebenso bei Laune wie die stimmungsvolle Inszenierung.
7 von 10

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