Ich persönlich bin keiner dieser so genannten „Filmpuristen“, die Remakes (oder „Re-Imaginings“, wie sie ja heutzutage genannt werden) kategorisch ablehnen, denn es gibt eine Vielzahl Gründe, die für eine Neuinterpretation sprechen können und in jenem Rahmen immer wieder zu hervorragenden Endergebnissen führen:
Neben der Möglichkeit, gemachte Fehler zu korrigieren, lassen sich manche Filmstoffe mit dem fortgeschrittenen Stand der Technik einfach treffender umsetzten (siehe „the Fly“ oder „the Thing“), manche kann man mit einem deutlich verbesserten Produktionsdesign einer ganz neuen Generation näher bringen (wie etwa im Falle von „T.C.M.“ oder „Dawn of the Dead“), und einige Geschichten sind einfach so universell, dass man sie immer wieder zu „neuen“ Werken ummodellieren kann (von „Rio Bravo“ über „das Ende“ & „Ghosts of Mars“ bis hin zu „Assault on Pre.13“).
In den letzten Jahren kam es zudem häufiger vor, dass man bereits umgesetzte Romanverfilmungen ein weiteres Mal in Form einer TV-Miniserie neu auflegte, welche sich dann aufgrund der Fortschritte auf dem F/X-Sektor sowie der durchs Format bedingten längeren Laufzeit näher an der literarischen Vorlage orientierten. Im speziellen Beispiel von Stephen King fallen die Produktionen „Shining“ (1997), „Carrie“ (2002) und nun auch „Salem´s Lot“ in diese Kategorie…
„Salem´s Lot“ fängt unheimlich kraftvoll an: Der heruntergekommene Ben Mears (Rob Lowe) betritt eine Suppenküche, in welcher Pfarrer Callahan (James Cromwell) Essen an Obdachlose austeilt. Als sich beide direkt gegenüber stehen, flüchtet Callahan augenblicklich durch die Räume und Gänge des Gebäudes bis in ein Büro im oberen Stock, wo ihn Mears schließlich stellt. Noch vorm Entwickeln eines Gesprächs, zieht der Mann Gottes eine Pistole und feuert auf sein Gegenüber, der sich aber noch auf ihn werfen kann, worauf beide aus dem Fenster stürzen und unten hart auf einem Fahrzeug aufschlagen…
Im Krankenhaus beugt sich wenig später ein Pfleger über den schwer verletzen Mears und fragt ihn, warum „in Gottes Namen, er ihn als guten Christen nicht einfach auf der Stelle sterben lassen sollte“. Als Antwort erhält er nur zwei Worte: „Jerusalem´s Lot.“
Der Film präsentiert dem Zuschauer nun die Vorgeschichte dieses Ereignisses in Form von langen Rückblenden:
Nach Jahren der Abwesenheit kehrt der Schriftsteller Ben Means (Lowe) in seine Heimatstadt „Jerusalem´s Lot“ zurück, wo er ein Buch über einen schrecklichen Vorfall schreiben möchte, dessen Zeuge er als Kind war – im „Marston Haus“, einer Villa, die auf einer Anhöhe die Stadt überragt, hatte sich damals ein Doppelmord mit anschließendem Selbstmord ereignet. Da der Hausbesitzer schon immer im Verdacht stand, okkulte Rituale durchgeführt zu haben, will Means nun dessen Geschichte, zusammen mit seinem eigenen Trauma, literarisch aufarbeiten.
Aufgrund seiner Schreibweise nicht bei allen im Ort willkommen, lebt sich Ben, auch dank der freundlichen Kunststudentin Susan (Samantha Mathis), welche die Uni geschmissen hat und schon früher per Email den Kontakt zu Ben gesucht hatte, recht gut ein, doch schon bald geschehen merkwürdige und tragische Ereignisse in der ansonsten ruhigen Stadt: Kinder verschwinden spurlos, man entdeckt einen auf dem Friedhofszaun aufgespießten sowie mit okkulten Zeichen verstümmelten Hund, der somit den heiligen Boden entweiht, und einige Jugendliche verhalten sich zunehmend merkwürdig.
Schon bald tauchen die ersten Leichen auf und verschwinden dann ebenfalls, worauf Angst und Misstrauen die Runde macht. Der Highschoollehrer Matt (Andre Braugher) weist Ben mit seinen Vermutungen schließlich in die richtige Richtung: Er ist fest davon überzeugt, es würde sich um Vampire handeln, und alles hätte mit dem neuen Antiquitätenhändler der Stadt (Donald Sutherland) sowie dessen geheimnisvollen Partner Kurt Barlow (Rutger Hauer) zutun – jene sind es auch, die das alte Marston Haus erworben haben. Während Jerusalem´s Lot immer weiter im Chaos zu versinken scheint und sich die Befürchtungen tatsächlich bestätigen, machen sich Ben und Matt zusammen mit dem Arzt Cody (Robert Mammone), dem Teen Mark (Dan Byrd) sowie dem örtlichen Pfarrer Callahan (Cromwell) auf, das Böse zu bekämpfen und am Ausbreiten zu hindern…
1979 verfilmte Tobe Hooper Stephen Kings Roman schon einmal fürs US-Fernsehen, doch nach heutigen Maßstäben wirkt seine Version, trotz gruseliger Atmosphäre, veraltet und unfreiwillig komisch. Nun also hat Mikael Salomon („Hard Rain“) seine Interpretation abgeliefert, wobei er sich strenger an die Vorlage hielt, einige Updates in der Handlung vornahm (Mears hat etwa über seine Erfahrungen beim US-Einsatz in Afghanistan geschrieben) und gravierende Missgriffe des Vorgängers ausmerzte (z.B. ist „Obervampir“ Barlow hier kleine bläuliche Kreatur mehr, sondern wird von Hauer entsprechend des Buchcharakters verkörpert).
Nach der Einleitung, die das Interesse unweigerlich hochtreibt, beginnen die Rückblenden mit einem von Rob Lowe gesprochenen, sehr guten und stimmigen Intro über das Leben in der Kleinstadt sowie dem Aufwachsen in Jerusalem´s Lot. Die erste Hälfte des Films dient der Charakter- und Storyentwicklung, ohne dabei je langweilig zu werden, bevor deren ereignisreiche Entfaltung die letzten 90 Minuten dominiert. Die Inszenierung ist für eine TV-Produktion hochwertig, es gibt einige schöne Kamerafahrten, die allgemeine Optik kann überzeugen – etliche Szenen wurden so bearbeitet, dass sie fast schwarzweiß wirken, während man die Grundfarben hervorhob, was einen interessanten Effekt ergibt.
Die Darsteller sind ebenfalls lobend zu erwähnen: Ex-Teenstar Rob Lowe („St.Elmo´s Fire“) bewältigt die Hauptrolle überraschend souverän, die talentierte Samantha Mathis („Pump up the Vol.“) ist ohnehin von mir immer gern gesehen, Andre Braugher („City of Angels“) liefert den ruhigen Pol, während Dan Byrd als rebellischer Jugendlicher zum Glück nicht weiter (wie befürchtet) stört. Besonders ragen jedoch die „Altstars“ heraus: Donald Sutherland („Cold Mountain“) spielt absolut vergnüglich und James Cromwell („General´s Daughter“) überzeugend – Rutger („Hitcher“) Hauers Rolle ist zwar „Typecasting pur“, doch auch in diesem Fall enttäuscht er nicht…
Wo also liegen die Schwächen? Gerade in der ersten Hälfte gibt es einige F/X, die nicht wirklich überzeugen können (eine Tatsache, die „Carrie“ (´02) für mich ruinierte). Gegen Ende werden diese besser, sehen aber immer noch recht digital aus. Einige Dialoge sind meiner Ansicht nach misslungen – mache wirken einfach unpassend (wie „Should we be home by 12?“ – „That´s Cinderella, we´re Vampire Hunters!“) oder platt. Als am Ende die Vampire wie Untote langsam durch die Straßen wandeln, erinnerte mich das zu sehr an alte Zombie-Streifen…
Man merkt sofort, dass es sich um eine King-Verfilmung handelt: Jerusalem´s Lot erinnert stark an Castle Rock, der Antiquitätenhändler an „Needful Things“, ein Hund heißt sogar „Cujo“. Trotz der Lauflänge von rund 180 Minuten hätte ich mir den Film vielleicht gar eine Stunde länger gewünscht – einfach um die gute Story sich noch weiter entfalten zu lassen und den Showdown zu verstärken. Der Schußsong, eine Coverversion des Rolling Stones Klassikers „Paint it Black“ (von „Gob“), rundet das Werk passend ab und harmoniert prächtig mit dem Eindruck, eine zeitgemäße Variante des klassischen Stoffes gesehen zu haben.
Fazit: „Salem´s Lot“ 2004 ist eine atmosphärische, spannende und moderne TV-Neuversion des Stephen King Romans, die sich näher an der Vorlage bewegt und die 79er Erstverfilmung hinter sich lässt … 7 von 10.