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„Die Invasion der Blödelfilme“ – So könnte man das Motto umschreiben, das in den deutschen Kinos in den 80er Jahren die Überhand übernehmen sollte. Otto Waalkes mit dem Beginn seiner „Otto“-Reihe, Mike Krüger und Thomas Gottschalk mit den „Nasen-Filmen“ und schließlich auch Didi Hallervorden ließen das deutsche Publikum in Heerscharen an die Kinokassen pilgern. Weshalb nur? Diese Frage ist heutzutage – in Zeiten der televisionären Zuschauerverdummung á la Big Brother & Co – vielleicht nicht gerade gerechtfertigt, aber irgendwie brennt sie dem etwas anspruchsvolleren Filmfreund auf der Zunge.

„Didi auf vollen Touren“ stellt in der Reihe der Kinoblödeleien nicht gerade ein Paradebeispiel dar, ist er doch letzten Endes zu den schwächsten Filmen mit Dieter Hallervorden zu zählen. Die Geschichte, die hier erzählt wird, ist so banal, banaler könnte sie nicht sein. Didi ist frisch gebackener Inhaber des LKW-Führerschein. Und schon bekommt er den ersten Auftrag. Er soll eine Ladung Altöl-Fässer zu einer französischen Deponie bringen. Was er nicht weiß: in den Fässern befindet sich hochexplosiver Giftmüll. Und so entwickelt sich seine erste Fuhre zu einer Katz- und Mausjagd mit der französischen Polizei, der deutschen Presse und schließlich dem schmierigen Chef eines deutschen Chemiekonzerns.

Didi Hallervorden hier Hochform zu attestieren würde seine Leistungen in „Klassikern“ wie „Didi und die Rache der Enterbten“ oder „Didi – Der Doppelgänger“ zu Unrecht schmälern. Ja, solche Lachtiraden, wie sie in diesen beiden Filmen dem Publikum entlockt werden konnten, vermag Didi hier nicht hervorzukitzeln. Schade eigentlich. Dies liegt vor allen Dingen daran, dass dieses Road-Movie nicht soviel Potential zum Rumblödeln birgt wie es vielleicht auf den ersten Blick erscheint; zu sehr wird das Augenmerk auf – für damalige Verhältnisse vielleicht atemberaubende – Fahrmanöver gelegt, die aus heutiger Sicht dem Zuschauer jedoch ob ihrer altbackenen Erscheinung allenfalls ein müdes Lächeln entringen können. Da wirkt es dann auch auflockernd, wenn dann Didi endlich wieder sein trotteliges Wesen zum Vorschein bringt und – so wie wir ihn kennen und lieben gelernt haben – mit einem lockeren Spruch oder einer tollpatschigen Aktion ein Lachen in die Stille des Heimkinos zaubert. Man muss jedoch zugeben, dass die meisten dieser Lacher eher aus nostalgischen Gründen entstehen, denn die Gags zünden nicht mehr so sehr wie sie es in der Vergangenheit vermochten (wenn man einen Spruch schon tausendmal gehört hat, lacht man halt nicht mehr so lauthals drauflos wie beim ersten Mal).

1,7 Millionen deutsche Kinobesucher. Wovon heute so manche anspruchsvolle und gelungene deutsche Kinoproduktion nur träumen kann, das schaffte Didi Hallervorden im Handumdrehen. Vielleicht liegt es aber auch gerade an diesem gehobenen Anspruch, den die meisten Produktionen heutzutage dem Zuschauer abverlangen. „(T)Raumschiff Surprise“, „7 Zwerge“ und wie sie alle heißen: Sie zeigen, dass sich das (deutsche) Publikum des 21. Jahrhunderts nur marginal vom Publikum der 80er Jahre unterscheidet. OK, der Kleidungsstil hat sich (sehr zum Vorteil) weiterentwickelt, das musikalische Verständnis hat sich ebenfalls (nicht in allen Fällen zum Vorteil) verändert, aber der filmkulturelle Geschmack scheint gleich geblieben zu sein. Das Volk schreit „Gebt uns anspruchslose Kost“ – und Herbig, Waalkes und Konsorten bedienen die Nachfrage. So wie einst Didi Hallervorden, Krüger/Gottschalk – und siehe da, heute auch noch – Otto Waalkes.

Anspruchslos, aber nichtsdestotrotz ganz ordentlich präsentiert sich „Didi auf vollen Touren“. Etwas glanzlos inszeniert, aber dennoch gibt dieser Film den Zeitgeist der 80er über weite Passagen ganz nett wieder. Und bevor ich mir angucke, wie sich bei „Big Brother“ die Bewohner gegenseitig die Zehennägel schneiden, lehne ich mich doch lieber zurück und verfolge den alten Haudegen der deutschen Blödel-Comedy Dieter Hallervorden bei seinen wahnwitzigen Abenteuern. Und dann auch gerne mal seinen vielleicht schwächsten Film „Didi auf vollen Touren“. 6 von 10 Punkten!

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