"Crime On The Highway"
Nach Hallervordens letztem Kinofilm "Didi und die Rache der Enterbten" entstand ein Jahr später die deutsch-französische Co-Produktion "Didi auf vollen Touren" und lockte allein in Deutschland 1,7 Millionen Besucher in die Lichtspielhäuser.
Hallervorden entwickelte nach "Didi, der Schnüffler", "Didi, der Doppelgänger" und "Didi und die Rache der Enterbten" seine Kunstfigur Didi in eine ernstere Richtung, was man auch an der Thematik der folgenden Filme wie "Didi, der Experte" oder "Bei mir liegen sie richtig!" beobachten konnte.
Vor dem Hintergrund real existierender Umweltskandale wie die zur Entstehungszeit des Films verschwundenen Dioxinfässer aus Seveso wandelt sich das neueste Didi-Abenteuer vom slapstick-orientierten Klamauk hin zur Satire mit aktuellem Bezug.
Didi wirkt in "...auf vollen Touren" gereifter, immer noch auf eine liebenswert Art naiv, aber weniger trottelig-tölpelhaft.
Didi mit Anspruch bedeutet gleichsam auch Situationskomik und Dialoge mit mehr Klasse und weniger Nonsens. Trotz dieser inszenatorischen und filmcharakterlichen Weiterentwicklung blieb Didi als Kinoheld waghalsigen Stunts und rasanten Actionszenen treu, womit dieser Film vielmehr als alle anderen "Didis" eine reine Actionkomödie darstellt.
"Wieso riecht das hier plötzlich so nach Pferd?"
Neu ist auch, dass mit dem französischen Komiker Bernard Menez (bekannt aus Edouard Molinaros Horrorparodie "Die Herren Dracula" mit Christopher Lee) Hallervorden ein ebenbürtiger Buddy zur Seite gestellt wurde, der mit seinem Spiel ebenso wie Hallervorden zu 100 Prozent überzeugen kann.
"Ich bin es, der hier die Fragen stellt!"
Neben Pierre Tornade als Commissaire Bontemps finden sich vor allem auf deutscher Seite einige bekannte Gesichter wie Gerhard Wollner als Fahrprüfer und Gert Haucke als gewiefter Fuhrunternehmer Grueter wieder, die Hallervorden bereits in "Didi und die Rache der Enterbten" tatkräftig unterstützten.
Der Wechsel in eine andere Richtung hatte zur Folge, dass für die "Didi"-Filmen der neuen Ära auch hochkarätige deutsche Stars mit von der Partie waren, in "...auf vollen Touren" zwar "nur" die TV-Bösewichte Günther Ungeheuer und Hans-Peter Hallwachs (beide bekannt unter anderem aus diversen "Tatort" und "Derrick"-Episoden) sowie Walter Buschhoff als Minister, aber schon in "Didi, der Experte" wurde der mehrfach ausgezeichnete Fernseh- und Theaterschauspieler Peter Fricke verpflichtet, auch hier wieder neben Günther Ungeheuer und Walter Buschhoff.
Hinter der Kamera stand mit Joseph Vilsmaier ein bekannter Kameramann und Regisseur ("Stalingrad"), während Felix Huby (Autor unzähliger Episoden für die TV-Klassiker "Tatort", "Abenteuer Airport", "Detektivbüro Roth" uvm.) mit am Drehbuch arbeitete. Der Soundtrack von Uwe Borgward mit dem Song "Crime On The Highway" gehört mit zu einem der besten Scores, der jemals für einen "Didi"-Film geschrieben wurde, und auch die Actionszenen sind über jeden Zweifel erhaben.
"Mach die Augen auf, Du alte Dillgurke!"
Mit "Didi auf vollen Touren" wurde eine neue Ära eingeläutet, deren Humor auch heute noch zeitgemäß ist. Man muss natürlich auch "Didi"-Fan sein, um sich bei dieser Komödie unterhalten zu fühlen, denn trotz seiner reiferen Art ist Didi immer noch Didi - mit allem was dazu gehört.
Und das ist auf 90 Minuten verteilt ein wunderbar erheiternder, wendungsreicher Actionspaß mit flotten Sprüchen und ohne Übertreibungen oder Längen.
Regisseur Wigbert Wicker hat straff und temporeich inszeniert und entlässt den Zuschauer mit einer wichtigen Verkehrsregel aus dem Film, wie sie im "7. Sinn" nicht besser hätte formuliert sein können:
"Versucht der Truck nach links zu schwenken, hilft nur eines: Gegen lenken!"
8/10