"Don´t Think Twice - It´s All Right!"
Mit "Didi auf vollen Touren" steuerte Komiker Dieter Hallervorden seine Kunstfigur "Didi" vom Slapstick seiner Filme wie "Didi, der Doppelgänger" zur Komödie mit gesellschaftskritischen Ansätzen zum aktuellen Tagesgeschehen.
Während in "...auf vollen Touren" korrupten Industriebossen und Politikern vorsichtig auf die Finger geklopft wurde und die kriminellen Mechanismen illegaler Abfallbeseitigung zum zentralen Thema der Handlung gemacht wurden, näherte sich Hallervorden mit "Didi, der Experte" der Politsatire an, die "...die Wahlkampfmethoden der Parteien in einer Demokratie..." aufzeigt und dabei mit sehr viel Wortwitz und absurder Situationskomik einen entlarvenden Blick hinter die Kulissen wirft und die Verlogenheit und Doppelzüngigkeit der Politiker kritisiert.
"Didi, der Experte" verleiht seiner Hauptfigur, dem einfachen Kfz-Mechaniker Willi Schulze, unheimlich viel Substanz und treibt die Handlung zügig voran, wird aber innerhalb des ersten Drittels minimal ausgebremst, um dann im weiteren Verlauf immer mehr an Tempo und Witz zu gewinnen.
Bis auf den spektakulären Autostunt kurz nach Beginn des Films, bei dem ein BMW fast 50 Meter weit durch die Luft fliegt, wird auf Action weitestgehend verzichtet.
"Didi, der Experte" ist in erster Linie eine Satire, die nicht mit ordentlichen Seitenhieben auf das Politbuisness geizt, und dabei das Hauptaugenmerk vielmehr auf ein hohes Maß an gelungenen Gags und gepfefferten Wortwitz legt.
Hallervorden beweist in einer ungewohnt ernsten Rolle seine Vielseitigkeit als Darsteller, während die Parallelhandlung um das Waisenkind Paul, dem Film sentimentale Züge verleiht.
Koksnase Konstantin Wecker steuerte den Soundtrack bei, während Joseph Vilsmeier erneut die Kamera führte.
Nach "Didi, der Doppelgänger" beweist Regisseur Reinhard Schwabenitzky, dass er die vielen Facetten des Komödienfachs - Slapstick ebenso wie Satire - gleichermaßen beherrscht. Im selben Jahr inszenierte er mit Nebendarstellerin Elfi Eschke ("Frau Doktor Schneebusch") den finalen achten Teil der Sexkomödie "Eis am Stil - Summertime Blues".
Auf darstellerischer Seite gibt es überhaupt nichts zu bemängeln: "Didi, der Experte" verfügt über ein beachtliches Ensemble an bekannten und hochkarätigen Mimen bis in die kleinsten Nebenrollen. Sehr schön auch, dass Gert Haucke - mehr als verdient - in seinem dritten "Didi"-Engagement eine deutlich größere Rolle auf den Leib geschrieben wurde. Als Leiter einer psychiatrischen Klinik ist er einfach umwerfend. Charakterdarsteller wie Peter Fricke, Walter Buschhoff und Walo Lüönd sind ohnehin über jeden Zweifel erhaben.
Journalist Dieter Zimmer, der von 1981 bis 1999 das ZDF-Wahlstudio moderierte, hat im letzten Akt einen Cameo-Auftritt und spielt sich selbst. Nachdem die Spitzenkandidaten der beiden größten Parteien von Willi Schulze in aller Öffentlichkeit ob ihres falschen Charakters entlarvt worden sind, hätte ich hier mehr Biss erwartet. Leider wird das Potential zugunsten eines zahmen Finales verschenkt, das viel zu hektisch, zu überladen und letzten Endes zu unbefriedigt den Zuschauer aus dem Film entlässt.
Trotz minimaler Schwächen eine insgesamt gelungene Abrechnung mit der Politik, die durchaus mehr Biss vertragen hätte.
7,5/10