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Der ursprünglich für das Fernsehen gedrehte Alles im Eimer schaffte es aufgrund seiner Qualitäten - der Film war letztendlich doch besser als erwartetet - ins Kino und gilt so als erste, wenn auch unerwartete, große Leinwandproduktion. Somit lässt sich auch das für das Kino eher unübliche “falsche” Bildformat von 4:3 erklären. Auch ist die sonstige Bildersprache eine andere: Hauptprotagonist Dieter Hallervorden hat einen viel ernsteren Part als seine Blödelfigur aus der Nonstop Nonsens Reihe; dennoch wird Humor großgeschrieben, wenn auch mehr Situationskomik und Wortspiele als purer Slapstick oder auch Nonsens, welcher hier so gut wie gar nicht zum Tragen kommt, dominieren. Letztendlich ist es eine persönliche Frage, in welcher Figur man Hallervorden lieber sieht; ich bevorzuge die etwas “wilderen” Komödien, aber nach anfänglicher Skepsis muss ich mir eingestehen, das auch Alles im Eimer ein Film ist, der in die Reihe passt.

Hallervorden ist hier in der Rolle des Freizeiterfinders Leo Bergert zu sehen, dessen missglückte Vorführung einer von ihm entwickelten alternativen Benzineinspritzungsmaschine nur der Auftakt zu einer schier endlosen Misere ist. Finanziell am Ende, verweigert ihm die reiche Tante einen letzten Obolus; ihr “gut gemeinter” Tipp um aus diesem finanziellen Loch heraus zu kommen: Heirat! Denn Leos Verlobte Franziska (Rotraud Schindler) hat einen gut funktionierenden Hut-Laden, deren neueste Modelle sie voller Stolz bei jedem Treffen vorführt. Doch geschmackliche Entgleisungen erlebt nicht nur Leo - gleich zwei leicht bekleidete Damen findet Franziska in Leos Wohnung vor. Da können selbst die zur Bekehrung gesprochenen Worte von Freund Norbert den weiblichen Zorn nicht züngeln; quasi aus die Maus, Ende im Gelände. Ja, das Leben hat keinen Sinn mehr: 400.000 DM Schulden, Freundin weg, berufliches Aus. Doch die Suizidversuche misslingen, selbst zum sterben ist Leo anscheinend nicht geboren. Als er einen Einbrecher ertappt, der sich noch als Schwerkrimineller enttarnt, sieht Leo einen Ausweg: Auftragsmord! Doch am nächsten Tag sind die Wogen geglättet, alles sich wieder zum guten gewendet. Nun muss bloß noch der Killer, der überraschend agieren soll, über das neu gewonnene Lebensgefühl informiert werden…

Wie gesagt ist Alles im Eimer kein typischer Blödelfilm, dafür wird einem bis auf wenige Ausnahmen zu wenig Slapstick geboten und auch von Dieter Hallervorden gespielte Figur des Leo mehr durch Pech denn Tollpatschigkeit gezeichnet. Die Figur ist dennoch charakteristisch für spätere Filme, der Part des liebenswerten Verlierers taucht immer wieder auf. Hier ist diese Rolle jedoch noch nur in Ansätzen gegeben, dennoch ist Leo keine Charakterrolle. Der Witz den die Figur hergibt, ist vor allem in den Situationen gegeben, in denen Leo um sein Leben bangt und in jedem und alles einen möglichen Anschlag auf sein Leben sieht. Dies führt natürlich zu pikanten Situationen, in denen dann auch die meisten Elemente des Slapstick zu finden sind; so wird beispielsweise ein halbes Feinschmeckerrestaurant demoliert oder auch die Selbstmordversuche sind sehr überzeichnet.

Der meiste Humor ist jedoch “versteckt” und verborgen in vielen Wortspielen, Phrasen und wiederkehrenden Running-Gags wie die alte Dame, bei der Leo mehrmals über den Balkon in die Wohnung einsteigt und diese dann vehement bei Besuchen durch die Haustür mahnt ihren Balkon jetzt nicht benutzen zu können. Allgemein ist dies noch ein Hallervordenfilm, der bei dem die Nebendarsteller fast gleichauf mit dem Hauptdarsteller kommen und auch die kleineren Rollen sehr passend besetzt wurden sind. Rotraud Schindler als Hallervordens Herzensdame unabdingbar, ihre Hut-Manie abscheulich köstlich. Den “Killer mit Herz” mimt Westfale Dirk Dautzenberg, dessen “was für ein höflicher Mensch” mit dem gemütlichen Slang noch mal doppelt so schön klingt. Sehr knuffig anzusehen hingegen: Lisa Helwig als beherzte Oma mit Charme. “Guten Charakter” haben auch die zwei jungen Frauen, wo deren einer Zuhälter mit Pechsträhne (eigentlich bekommt er immer nur eins über) von Manfred Lehmann gespielt wird, dessen Worten wir vor allem als deutsche Synchronstimme von Bruce Willis lauschen können.

Dauert es etwas bis der Film so richtig in die Gänge kommt, hält er doch sein Tempo und ab ungefähr der Mitte strotzt er nur so mit Wendungen und Unvorhergesehenheiten, so das Langeweile eigentlich nicht aufkommt. Sogar ein paar vereinzelte “Actionszenen” haben es in den Film geschafft, die zwar eher unspektakulär sind, bei denen jedoch Hallervorden wieder sichtlich selber agierte. Der Schwerpunkt liegt jedoch weniger auf diesen oder wilden Verkleidungsorgien, denn viel subtilem Wortwitz und perfidem Verfolgungswahn. Nur der Slapstick - der fehlt. Daher muss man sich eben auch auf diese für Hallervorden eher “ungewohnte” Art einlassen können. Von daher ist es schon gut, das die Darsteller sichtlich harmonieren und deren Zusammenspiel den Film zu einem homogenen Ganzen werden lassen. Allein wegen der zweiten Folge von Welle Wahnsinn war die Anschaffung der DVD für mich schon ein Pflichtkauf, der Film selber hat mir auch gut gefallen.

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