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Der alternde Gangboss Liu Lung [ Shek Kin ] hält seine Triade ebenso eng zusammen wie seine Familie, erwägt jetzt aber auf seinen letzten Tage einen kompletten Rückzug aus dem Geschäft. Zumal man auch in legale Aktivitäten investiert hat und er keinen Ärger mit dem skrupellosen Konkurrenten Yim [ Stephen Chan ] braucht. Ausserdem gibt es was zu Feiern, seine Lieblingstochter Ching – Ching [ Elizabeth Lee ] kehrt nach ihrem Studium in den UK mit ihrem frischgebackenen Ehemann Shek Chi Au [ Joe Ngai ] zurück.
Doch Yim macht den ersten Schritt...

Heroic Bloodshed Filme waren normalerweise den Männern als Hauptpersonen vorbehalten und wohl mit ihrem Blut- und Gewaltgehalt auch eher für diese gemacht; die Frauen dort nur als schmückendes Beiwerk, zu schützendes Opfer oder als spätere Argumentation für noch mehr Rache und Vergeltung.
Auch hier haben sie anfangs die Rolle vom Heimchen am Herd, vernachlässigter oder sogar betrogener Ehefrau oder der lieben bzw bösen Tochter inne, die zwar beim Familienessen anwesend sein durften; aber wenn es an die Geschäftsgespräche ging, den Tisch räumen mussten.
Die erste halbe Stunde zeigt dann auch dasselbe wie immer; sogar noch betonend in derart detailgetreuer Freude, dass man schon langsam einen Blick auf die Uhr werfen könnte; was aber wahrscheinlich für die spätere Steigerung und den dort vollzogenen Figurenwechsel genauso geplant war.
Erstmal wird sich nämlich viel und ausführlich um kleinere, aneinandergestaffelte Familienreibereien gekümmert.

Ching – Ching ist die Aussenseiterin, die aus allem rausgehalten wurde und nun auch unfreiwillig die Extrawurst geben muss. Das jüngste Mädchen Wai [ Winnie Lau ] klaut und probiert ihre pubertäre Trotzphase aus. Ihre Mutter Nan [ Tien Niu ] ist bei den Restlichen als „Hure“ verschrieen, obwohl ihr Mann Hau [ Philip Chan ] der notorische Fremdgeher ist; sie es aber ohne Murren hinnimmt.
Auffallend dabei dann der nächste Zusammenhang der Kontrolle über weibliche Sexualität und der sexuellen Selbstbestimmung: Ma-Yee [ Michael Chan ] bekommt etwas Ärger mit Yims Schergen, als er – natürlich – seine kleine Schwester vor ihren lüsternen Attacken beschützen muss.

Diese erste kleine Konfrontation offenbart dann fast unmerklich den möglichen Schwerpunkt in der Geschichte; ein heimliches Telefonat später und die Gewissheit, dass beide Parteien von dem Besuch der Liu Familie bei einer Peking Oper Bescheid wissen, deudet dann schon genauer das Konfliktpotential und damit auch den Auslöser der Handlung an. Johnny Wangs Widow Warriors dreht den Spiess schliesslich einmal um und dezimiert einen Grossteil der männlichen Figuren in einer einzigen, hervorragend hochgeputschten Szene, um im Rest des Filmes ihre Witwen, Schwestern und Töchter zum Zuge kommen zu lassen.
Erst nach dem Verlust des gesamten Patriacharts wird sich selber um die Entscheidungs- und Befehlsgewalt gekümmert; da es eben keinen mehr gibt, der das für sie übernehmen kann. Nun sitzen sie am Tisch. Gezwungenermassen.

Das Setting samt Topik sind eigentlich die gleichen wie üblich und werden auch durch die Regie nicht anders oder gar ungewöhnlich behandelt; der Film macht abseits der schon im Titel vorherzusehenden „Überraschung“ keine Sprünge in Sachen Skript und Umsetzung, und vertraut aus gutem Grund auf traditionelle Genrebezüge. Auch von der technischen Seite, so sind einfache Bilder vom ersten Take an ebenso vorzufinden wie geklauter Score bereits im Vorspann; selbst die etwas pompöser ausgestatteten Einstellungen sind offenkundig nicht mit Unmengen an Geld finanziert worden.
Allerdings entsteht dann doch ein Mehrwert aus der Tatsache, dass man den girls with guns Begriff hier wortwörtlich durchdrückt und das Gleiche in der Umkehrform der traditionellen Rollenverteilung erzählt; quasi eine Art Frauenbewegung in der Männerdomäne erwirkt.

Auch wenn hier zuerst nach den Todesmeldungen vermehrt in Ohnmacht gefallen und sich später in den Auseinandersetzungen auch mal emsig an den Haaren gezogen wird [dort freuen sich speziell die Chauvis], so macht der Film als feminin annektierte Variante der gewohnten Themen ansonsten sehr wohl eine gute Figur.
Grund dafür ist, dass aus den zu gewohnten, festgelegten Umständen durch die Reversion der Geschlechterrollen ein ganz anderes, divergentes Konzentrat mit bekannten Elementen entsteht; nicht richtig Neues erschaffen, aber etwas unkonventionelleres. Und dabei noch nicht einmal auf bereits festgelegte battle queens wie Yukari Oshima, Moon Lee, Cynthia Khan oder Michelle Yeoh setzt, sondern zumeist mit „normalen“ Darstellerinnen arbeitet; die bis auf Ausnahme von Kara Hui und Michiko Nishiwaki auch keinerlei Erfahrungen als aktive Figuren in derlei Geschichten und auch nicht mit Action an sich haben.

Dennoch müssen sie ran und „ihren Mann stehen“, ab der Hälfte der Laufzeit wird der Anteil der Actionszenen durch die Choregraphen Sun Chien und Johnny Wang selber angehoben und sich vermehrt beschossen und geprügelt; die Waffen der Frauen weichen Maschinenpistolen, Schwertern und alles, was man sonst in die Hand kriegt.
Die Umsetzung findet gängigerweise in schäbigen Parkhäusern, Lagerhallen, Gyms und dergleichen statt; auch der Härtegrad und die Inszenierung allgemein sprechen die übliche Sprache und erfüllen dadurch die erforderliche Wirkung.
Auffallend bei der schon knackigen, aber nur durchschnittlichen Handhabung und der etwas profanen Menge ist dann aber wirklich nur, dass es jetzt auch weiterhin recht schnell und auch etwas zu beliebig zu weiteren Opfern auf der Protagonistenseite kommt. Hat man mit den Männern schon weitgehend Schindluder getrieben und denen nur wenig Gegenwehr und Überlebenschancen gestattet, so sind auch die Frauen nicht vor einem hochgetriebenen body count und damit dem plötzlichen Tode gefeiht; wobei es auch hier zuerst die Prominenten trifft. Das vermeintlich schwache Geschlecht bekommt keine Gnadenfrist oder mildernde Umstände und teilt genausoviel aus wie sie einstecken müssen. Im Kampf um Leben und Tod spielt der Sexus keine Rolle mehr. Sie handeln kaum anders als ihre Kollegen und werden auch nur selten anders behandelt, auch kaum unterschätzt.

Herausragendes im Triadengenre wird sicherlich nicht geboten, aber hat auch keiner erwartet; weder Regisseur noch Film selber haben einen immens vorauseilenden Ruf [ Wangs nebulöser Angry Ranger und seine Sexschmonzette Escape from Brothel einmal ausgenommen ].
Einige hinsichtlich der Intensität gut aufgebaute Dramaszenen, die Leistung von Elizabeth Lee und die entgegengesetzte Perspektive sorgen allerdings für ein Werk, dass sich nicht verstecken muss, aber trotzdem in der Masse nicht wirklich hervorsticht.

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