Surreales Kino steht bei mir von Grund auf hoch im Kurs - surreale Meisterwerke sogar noch mehr! Ganz klar, dass ich diesem Klassiker des Tschechen Jaromil Jires die Höchstwertung gebe, denn "Valerie and Her Week of Wonders" hat alles, was ein berauschendes Filmerlebnis braucht: schöne Bilder, eine vielsagende Symbolsprache und eine herausragende Hauptdarstellerin.
Die Geschichte sinnvoll wiederzugeben ist gar nicht so einfach. Vielmehr ist "Valerie..." eine Art Abfolge von verschiedenen Impressionen, die das Erwachsenwerden eines jungen Mädchens schildern. Dabei kreuzen böse Hexen, dämonische Wesen und falsche Priester ihre Bahn. Auf dem Weg zur sexuellen Reife bzw. zum Frau-Werden muss Valerie einige Male sterben - unter anderem wird sie als Hexe verbrannt - erwacht zu neuem Leben, verliebt sich in einen jungen Mann etc. Ein Paar magische Ohrringe spielt in der Geschichte zudem eine wichtige Rolle...
Jires schafft es, mit seinem Meisterwerk einen einmaligen Mix aus Horrorfilm, Märchen und Pubertätsdrama zu kreieren. Traum und Wirklichkeit sowie Raum und Zeit verschwimmen, so dass der Streifen an manchen Stellen keinen Sinn macht, ja, vielleicht sogar keinen machen, sondern einfach nur auf den Zuschauer wirken soll. Dazu bedient sich der Regisseur einer beeindruckenden Bildersprache, bei der nahezu jede Einstellung eine unglaubliche visuelle Kraft ausstrahlt. Die Atmosphäre ist mal gothisch, mal poetisch - und immer eindringlich für Zuschauer mit Verständnis für (Film-) Kunst. Hinzu kommt eine ausgefeilte Symbolsprache, bei der Jires jedem Menschen, jedem Tier, jedem Gegenstand, jedem Ort etc. eine besondere Bedeutung bemisst. Hauptdarstellerin Jaroslava Schallerova besticht durch ihre kindliche Schönheit, doch der eigentliche Star ist der Typ der aussieht wie Max Schreck in "Nosferatu".
Fazit: Grandios-surreale "Alice im Wunderland"-Variante für Erwachsene bzw. Liebhaber des europäischen Arthaus-Kinos. Kein Wunder, warum diese Perlen hierzulande ein Schattendasehn fristet, aber vielleicht hilft mein Review "Valerie..." ja ein wenig auf die Sporen. Volle Punktezahl für dieses Meisterwerk!