Ein Horrormärchen ohne Grenzen
Das die tschechische Filmgeschichte eng mit Märchenfilmen verbunden ist, sollte kein Geheimnis sein. "Valerie & her Week of Wonders" ist aber fast eine Antithesis zu normalen Märchen. Eher Traum als Erzählung, genauso gruselig wie fantastisch. Voller Metaphern, verschiedenen Deutungsebenen & sogar einer nackten, erotisierten 13-Jährigen. Heutzutage undenkbar - in vielerlei Hinsicht. Und trotz allen Widerständen hat sich das schwer zu fassende, extrem surreale Schauermärchen über die Jahre, gerade im Ausland, zu einem absoluten Kultfilm entwickelt, einem der wichtigsten tschechischen Filme überhaupt. Nicht schlecht für die Kombi Arthouse, Fantasy, Horror & Erotik!
Valerie, Valerie - du bist wirklich einzigartig in der Filmwelt. Ich kann den Kult & die Liebe der Fans absolut verstehen, kam weder vorher noch nachher auch nur ansatzweise Ähnliches in die Filmwelt. Eine berauschende Mischung "Nosferatu" & "3 Haselnüsse für Aschenbrödel". Ich persönlich mag den Film auch sehr, finde ihn extrem "rewatchable" & kann seine knappe Laufzeit nur loben. Allerdings hätte ich mit etwas mehr Erklärung, etwas mehr Geschichte, etwas mehr Zusammenhang noch besser leben können. Als unsicherer Traum & Beispiel für unglaubliche Bilder (vor allem auf der neuen Blu-ray) ist der Film eine Wucht, als spannende Erzählung eine Enttäuschung. Dafür fehlen einfach Identifikation & Halt, egal wie bezaubernd & bildhübsch die kleine Valerie ist. Das Haltlose & Hilflose, vor allem durch Schnitte & Sprünge in Zeit & Raum erzeugt, ist einzigartig, faszinierend aber manchmal auch nervig. Ein Ritt auf der Rasierklinge für mich, ganz hat dieser Klassiker mich noch nicht...
Das ich den Film aber trotzdem gerne nochmal genieße & gleichzeitig durchstehe, sollte als Lob & Faszinosum gesehen werden. Das ich die kleine Valerie & auch ein paar der anderen exzessiv & erotisch dargestellten Teenager/Kinder jedoch als hübsch & sexy empfinde, ist zwar ein von den Machern gewolltes, aber durchaus unangenehmes Gefühl. Euro-Sleaze war selten so verzaubernd & verquer. Wenn man nun bedenkt, man wäre ihm überraschend eines Abends in den 70ern in einem kleinen ranzigen Bahnhofskino verfallen - kein Wunder warum er seine Anhänger bis heute in Trance hält. Selbst wenn man seine, mal mehr, mal weniger versteckten, psychischen & kulturpolitischen Aussagen, außer Acht lässt, kann man sich ganz leicht in diesem Fiebertraum verlieren, ähnlich der artverwandten Alice in ihrem Wunderland. Valerie hat sich nicht nur gut gehalten, als Märchen für Erwachsene ist der Film absolut zeitlos, schwerelos, mühelos. Und vom choralen wie epochalen Soundtrack will ich gar nicht erst anfangen - Gänsehaut pur!
Fazit: auch wenn manche seiner Bilder & Themen fragwürdig sind, der Film verkopft & verspielt gleichzeitig rüber kommen kann, haben die mal mystisch schönen, mal verstörend gruseligen Bilder doch eine unbestreitbar faszinierende Wirkung auf mein Unterbewusstsein!