Review

Meine Güte. Kaum zu fassen, wie tief Kiefer Sutherland („Young Guns“, „The Three Musketeers“) zwischenzeitlich abgerutscht war, bevor er mit seinem Quotenknüller „24“ wieder sein Comeback einreichte. Über „Ground Control“ irgendwelche positiven Worte zu verlieren fällt schwer und sind mit dem Satz, dass mit Sutherland, Bruce McGill („The Insider“, „Collateral“), Kristy Swanson („Hot Shots!“, „The Chase“) und Kelly McGillis („Top Gun“, „The House on Carroll Street“) sich immerhin ein paar bekannte Gesichter in die Kulissen verirrten, auch schon aufgebraucht.

„Ground Control“ als eine mittellose TV-Produktion zu bezeichnen, grenzt schon fast an einer Untertreibung, denn ungefähr 85 % des Films spielen in einem Raum, genauer dem Operationszentrum für Fluglotsen mit möglichst minimaler Ausstattung und nur ein paar Radarschirmen. Die Flug- und Landeszenen diverser Flugzeuge wurden jedenfalls nachträglich aus irgendwelchen Archiven entstaubt und mit Funkverkehr ausgestattet bzw. man nahm irgendwelche Uraltmodelle und ließ sie mit Voiceover über Wattewölkchen kurven.

Regisseur Richard Howard will seinen Film als Widmung an die Fluglotsen verstanden haben und schickt mit Jack Harris (Sutherland) gleich sein bestes Pferd im Stall in den Nervenzusammenbruch, weil er zwanghaft glaubt Schuld am Absturz eines Flugzeugs zu sein und deshalb die letzten Funksprüche jenes schicksalhaften Flugs nicht aus dem Schädel bekommt. Diese Einleitung, inklusive Bruchlandung, von der man natürlich nicht siehst, wurde so dilettantisch unaufgeregt inszeniert, dass ich eigentlich fest mit einer Übung oder Simulation gerechnet habe, aber Pustekuchen!

Wenn man „Ground Control“ Glauben schenken darf, dann sollte man lieber nicht versuchen in Phoenix zu landen, weil dort eine extrem sparsame Chefin über ihre Lotsen wacht, so dass die stetig mit Stromausfällen und abschmierenden PCs zu kämpfen haben, weil die antiquierte Technik regelmäßig den Geist aufgibt (Wirklich sehr glaubwürdig...). Dazu eine Sturmfront und schon muss Cheffe T.C. Bryant (McGill) seinen Kumpel Jack aus der selbst auferlegten Verdammnis holen, damit er ängstlichen Lotsen und Noobs in dieser schwierigen Phase unterstützt.

Mit Müh’ und Not könnte man den Film vielleicht noch in einer Kurzfassung unter die Leute bringen, denn in der Gesamtlaufzeit betrachtet fehlt ihm schlicht das Können, etwas gar Spannendes oder Mitreißendes zu fabrizieren. Die Mittel so etwas umzusetzen fehlen einfach. Flugzeuge in Not, selbstzweifelnde Lotsen, Überarbeitung, technische Probleme, Streitigkeiten untereinander, die Angst vor der Arbeitslosigkeit und sexuelle Belästigung mögen in realen Arbeitswelt dieses Berufes sicher eine Rolle spielen, sollten dann aber dem Zuschauer nicht auf dem Niveau einer Daily-Soap präsentiert werden.

Natürlich wartet dann am Ende auch das Flugzeug in Not, das Rechengenie und Lotsenkünstler Jack, der über sich hinauswächst und rehabilitiert, wieder mental in die richtigen Bahnen lenkt, wo er vorher dem Druck nicht gewachsen schien. Bis dahin hält aber ohnehin kaum ein Zuschauer durch, denn vorweg gibt es von Rivalitäten über Existenzbedrohungen bis zu knauserigen Chefs wirklich jedes denkbare und undenkbare Motiv präsentiert.

Vom Thema her hätte der Film sicher recht spannend und interessant ausfallen können, da diese wetterbedingte Extremsituation für die ohnehin durch die etlichen Probleme und Mängel angespannten Lotsen an ihren Grenzen und darüber hinaus arbeiten. Nur müssten dafür nicht nur die Mittel (Ein paar kärglich ausgestattete Räume reichen da sicherlich nicht) vorhanden sein, sondern auch ein richtiger Regisseur sie zu instrumentalisieren wissen.

Für Richard Howard war dies jedenfalls der erste und letzte Film und das ist auch gut so, denn das Regie führen hat er sicherlich nicht gelernt. So unausgereift, langweilig und auch in höchstem Maß unglaubwürdig hat wohl noch nie jemand versucht alle denkbaren Klischees zusammenzumontieren.


Fazit:
Absolut schlechter Lotsenthriller, der den verantwortungsvollen Jungs und Mädels zwar gewidmet wurde, sie aber wie die letzten Vollhupen darstellt. Die nicht annehmbaren Sets, das laue Schauspiel aller Beteiligten, die schwachsinnigen Einfälle des Drehbuchs, die streng sich jeder Aufregung und Spannung entziehende Regie und die Riesenausgeburt an Klischees sorgen da fast für den Super-GAU. Echt schwach...

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