Mit "Riddick - Chroniken eines Kriegers" wollte man die aus "Pitch Black" bekannte Figur Riddick zu einem Kultstatus a'la Blade, Terminator oder Highlander hochkatapultieren. Geklappt hats trotz gut gemeinter Ansätze dennoch nicht, da Regisseur David Twohy (The Arrival) hier nun zwanghaft versucht eine Space-Saga im "Star Wars"-Format aus dem Boden zu stampfen. Jedoch ist Twohy alles andere als ein zweiter George Lucas.
Die bösen Nekromonger ziehen im Weltraum um die Häuser und machen alles platt, was rumzickt. Nur bei den vorsichtshalber ausgerotteten Furianern machen sie sich stets in die Hose. Da Riddick (Vin Diesel) der letzte noch lebende Furianer ist, jagen sie ihn, und er rennt weg und kloppt sich und schwitzt. Auf dem mordsgefährlichen Gefängnisplaneten Crematoria (echt geiler Name) trifft er schließlich auf Kreya (Alexa Davalos), mit der er einst auf dem Planeten der Finsternis war...
Wie bei Arnold Schwarzenegger zu seinen Anfangszeiten ist der Umfang von Vin Diesels (Der Babynator) Bizeps größer als sein Wortschatz. Bei Arnie mag das noch an mangelnden Englischkenntnissen gelegen haben. Aber welche Entschuldigung hat Herr Diesel? Nichtdestotrotz liefert der ehemalige Türsteher hier eine passable Action-Performance ab, und ist mehr ein Mann der Tat mit altbackenden One-Linern. Doch was Judi Dench (007 - Goldeneye) in diesem Film verloren hat ist mir bis heute noch schleierhaft. Denn immerhin handelt es sich hier um Riddick und nicht um die Chroniken eines 007-Agenten. Dementsprechend hat sie auch nicht viel zu tun und scheint in jeder Szene unterfordert zu sein. Colm Feore (Der Anschlag) und Karl Urban (Doom) geben zwei durchschnittliche Finsterlinge ab, da sie im Prinzip nur das "Böse Blicke a'la Jean-Claude Van Damme"-Standartprogramm drauf haben. Hingegen entpuppt sich Alexa Davalos (Pancho Villa) als brauchbares "Hau drauf"-Girl, auch wenn sie noch längst nicht die Qualitäten einer Angelina Jolie, Jennifer Garner, Kristanna Loken oder Kate Beckinsale besitzt. Zum Schluß bleibt die scheinbar überforderte Thandie Newton (M:I-2) als intrigante Chica ohne jegliches Potential oder Ausstrahlung.
Von der Action her setzt "Riddick" eindeutig auf Diesel statt auf Bleifrei, da gefightet und geballert wird, dass die Bude kracht. Leider hat man sich hier wieder das pupertäre und zahlungskräftige Blagen-Publikum als Primärziel ausgesucht, weshalb größtenteils nur im Off gemeuchelt wird und kaum Blut spritzt. Die Kämpfe sehen zudem mehr nach ungewollter Kneipenschlägerei aus als nach guter alter "Old School"-Kloppe. Kaum sticht Riddick mit seinen Klingen zu, wird auch schon weggeblendet. Da hat man Lucas bei Episode 3 deutlich mehr durchgehen lassen. Ohnehin hat man sich George Lucas' Weltraum-Imperium als Vorbild genommen, was aber mehr oder weniger in die Hose ging. Optisch mag der Film noch was her machen, doch ist er effektmäßig beinahe noch mehr überlasteter als "Matrix Reloaded". Twohy hatte sich wohl gedacht, die kaum vorhandene und vor Logiklöchern strotzende Story bis oben hin mit seelenlose Effekten und Spielereien vollzustopfen, um von der dürftigen Story abzulenken. Auch bei den Namen wie Lord Marshal usw. strotz "Riddick" nicht gerade vor Kreativität. Besagter Lord Marshal ist dann eine fehlgeschlagene Mischung aus Imhotep, Kurgan und Ra, dem Sonnengott aus "Stargate". Hätte nur noch das Atemgerät an seinem Helm gefehlt und er hätte das Röcheln begonnen. Vin Diesel selbst macht anfangs als Space-Reinhold Messner eine ebenso lächerliche Figur. Die Idee mit dem circa 200° heißen Gefängnisplaneten Crematoria ist an sich keine schlechte Idee und bildet auch ein gutes Gegenstück zum Finsternisplaneten in "Pitch Black", doch hat man daraus nicht allzu viel gemacht. Für einen so dermaßen großen Gefängniskomplex sind dort auch recht wenige Sträflinge. Was ist mit dem Rest passiert? Hat man die für ein Sonnenbad nach draußen geschickt? Das und die Frage, warum ausgerechnet gerade Riddick als Furianer der große Nekromonger-Schreck ist, sind nur zwei von unzähligen offenen Fragen. Was macht Furianer-Riddick denn so besonders, dass bei sämtlichen Nekromongern die Kacke nur so am dampfen ist? Was hat Riddick gemacht, dass ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt wurde? Und wer hat es ausgesetzt? Weshalb intrigieren Urban und Newton als Nekromonger nur so rum, wenn sie doch angeblich wie der Rest unter der Gehirnwäsche ihres Führers stehen? Ich könnte jetzt dutzende solcher Fragen aufstellen, auf die David Twohy vermutlich nicht mal selber eine Antwort auf Lager hat. Dem Leser zuliebe höre ich aber nun mit der Fragerei auf. Was unterscheidet "Riddick" denn nun von "Star Wars"-Filmen wie Episode 3 und 5? Zum einen besitzen die SW-Filme die eine oder andere Sympathiefigur (z.B. Han Solo, Mace Windu, Obi-Wan), die man in diesem Werk hier vergeblich sucht. Dann hat die "Star Wars"-Sage noch eine dramaturgisch begreifbare Handlung, der man leicht folgen kann, während Twohy die "Riddick"-Story zum Großteil aus losen Enden, offenen Fragen, Logiklöchern und Widersprüchen aufgebaut hat. Twohys Geschichte um einen Outlaw, der zum Obermotz der ganzen Galaxie wurde, ist einfach nur ein pseudo-kompliziertes, seelenloses Weltraum-Allerlei.
Wer auf aktuelle Filme mit einem talentierten Prügelgenie inklusive begrenztem Wortschatz steht, dem empfehle ich "Walking Tall" und "The Scorpion King" mit Dwayne "The Rock" Johnson. Denn "Riddick - Chroniken eines Kriegers" ist nur was für Leute, die was für Videospiele im Spielfilmformat übrig haben.