Review

Es gibt ein paar Regeln im Filmgeschäft, die man zwar brechen kann, die aber trotzdem leider meistens Gültigkeit behalten.
Eine davon lautet, dass man einem recht erfolgreichen Regisseur im mittleren Budgetbereich nach einem Achtungserfolg keine gigantischen Geldsummen in die Hand drücken sollte, nur weil er eine Vision hatte.
Eine andere, noch wahrere, besagt, dass man eine Nebenfigur in einem Film nicht ohne Probleme in die Hauptfigur eines anderen Films umwandeln kann.
Und eine dritte, das wenn man schon keine eigenen Ideen hat, man wenigstens Geschick beim Klauen vorweisen sollte.

Alle drei Regeln treffen auf „The Chronicles of Riddick“ zu, einem aufgeblähten Big-Budget-SF-Actioner, dessen angestrebtes Schicksal es war als Debutfilm einer ganzen Trilogie zu fungieren.
Regisseur Dawid Twohy hatte mit seinem SF-Monster-Suspenser „Pitch Black“ recht ordentlich Kasse gemacht und dabei bewiesen, dass er Atmosphäre mit der Kamera in bedrückender Intensität einfangen konnte, als eine Raumschiffbesatzung auf einem Planeten abstürzte, auf dem bei Nachtanbruch monströse Flugwesen erwachen.
Kultfigur dieses Films war Vin Diesel gewesen, ein frisch eingefangener Mörder und Verbrecher, der natürlich nur für sich selbst kämpfte und doch den entscheidenden Funken Menschlichkeit besaß, ein Muskelpaket mit besonderen Nachtsichtaugen, dessen wortkarge Oneliner das Wörtchen „Kultfaktor“ quer drüber tätowiert hatten.

Und nun sind ein paar Jährchen vergangen und man jagt den gar nicht so bösen Riddick immer noch, diesmal per Kopfgeld und zwar weil es einen galaktischen Konflikt gibt, zwischen den religiös motivierten, martialisch-soldatesken Necromongern und den freien Welten, leicht gestützt durch die sogenannten Elementals, die tendenziell auf der hellen Seite agieren.

Und so wird Riddick gefangen, entkommt, besucht seine Mitüberlebenden aus „Pitch Black“, wird gefangen, entkommt usw. , immer unterbrochen von einigen Kampfeinlagen.

Um gleich zum Punkt zu kommen: man kann gar nicht fassen, wie blöd das alles ist.
Da wäre Riddick, der wie üblich widerstrebend so gar zum Retter der Galaxis aufsteigen will, weil das ja nicht sein Krieg ist, dann aber immer wieder munter in die Höhle des Löwen marschiert.
Die wird bewohnt von den Necromongern, die sich eine Religion über das Schmerzempfinden bzw. deren Überwindung gebastelt haben. Sie stecken in affigen, unpraktischen Uniformen, salbadern Tünnes und obwohl sie so gläubig sind, schieben sie munter Intrigen und im entscheidenden Moment sind dann doch einige abtrünnig.
Umherfliegen tun diese Wehrmachtskopien in düsteren großen Raumschiffen mit ganz dollen Riesenstatuen, die sich in Adis Reichshauptstadt Germania großartig gemacht hätten.
Auf der anderen Seite stehen die Elementals (wie originell!), die wohl die Elemente kontrollieren können. Oder auch nicht.
Erfährt man auch nicht.
Überhaupt sehen wir nur eine von ihnen und die gibt ausgerechnet Judi Dench in einem meisterhaft unglücklichen Part, denn sie spielt ihn als luftiges Windwesen, das immer mal wieder durchscheinend wird und offenbar in irgendeiner Form mit Riddick und den Necromongern herumtaktiert. Jedenfalls behauptet sie das immer, ist mal gefangen und mal nicht.

Während Riddick als dauernd entkommt und gefangen wird und weiterhin seine dolle Taucherbrille trägt, gerät er u.a. auf den Planeten Crematoria (aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaargh!), dessen Nachtseite gut 100 Grad kalt sein soll, sich bei Sonnenaufgang aber in eine Flammenhölle verwandelt. Das hindert aber niemanden daran, munter im Shirt über die Nachthälfte zu joggen und bei Tagesanbruch die 700 Grad Hitze mal eben hinter einem Felsvorsprung zu überstehen. (Ja, so doof ist das!).
Zwischendurch schmiedet die in ein hautenges Latexkleid geschmiedete Thandie Newton mit Schlafzimmerverschwörerblick und Kätzchenschnurren dauernd Ränke für ihren Militärstecher. Derweil ist der finstere Anführer angeblich ein Halbtoter, denn er hat schon mal einen Abstecher ins vielzitierte Underverse gemacht, vermutlich eine Mischung aus Weltuntergang und seiner Unterhose und ist deswegen in der Lage, seinen Geist/Seele/Zweitkörper superflugs zum Drescheverteilen auszuschicken.

Es kommt dabei, wie es kommen muß: irgendwo in diesem ns-angehauchten Religionskuddelmuddel dreht Riddick am Ende dem Heerführer der Böslinge den Saft ab (wie er das schafft, kann der Autor des Films hoffentlich erklären) und ist den Regeln der Necros zufolge König vons Ganze, weswegen die Schlußszene auch ausschaut wie das Ende von „Conan, der Barbar“.

Hauptsächlich am PC zusammengetrickst, sieht das Ergebnis dennoch ziemlich kitschig aus, was angesichts der endlosen SF-Klischees auch kein Wunder ist.
Vin Diesel sieht sich außerstande, den Film zu tragen, da er pflichtgemäß reagiert, anstatt zu agieren. Bemüht lässt man ihn einige Sprüche als Offkommentator ablassen, die jedoch nicht zu dem imperiumsbedrohten Ton des Films passen wollen. Die Nebenfiguren sind auch nur blasse Abziehbilder und über die faden Kampfszenen in computerunterstützter Zeitlupe wollen wir mal ganz schweigen.

Ganz ehrlich, „Riddick“ ist ein Schund- und Schwundfilm, einfallslos zusammengestückelt und ohne jede Vision, ein paar Schauwerte und ein paar Fights, aber das reicht bei weitem nicht für einen anständigen Film. Planlose Geldverpulverung, die zurecht vom Publikum abgestraft wurde, indem nicht mal das Budget im Kino wieder eingespielt wurde und die sogleich auch noch als Sargnagel für die geplante Trilogie funktionierte.
Man braucht schon eine gute Tüte „Scheißegal“, um diese Plotte mehr als leidlich brauchbar ausschauend zu finden. (3/10)

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