(Hope)Fully Entertainment, fällt mir dazu ein, bedenke ich mal, wer hier gedreht hat.
Warum dreht Spielberg überhaupt noch Filme?
Weil er es kann, nehme ich mal an.
Und weil er es kann, weil er so ziemlich alles kann, was er will, geht natürlich irgendwann die Schärfe verloren, werden die Kanten stumpf, verfängt man sich in der eigenen Maschinerie.
„Terminal“ ist ein (fast) perfektes Stück Kinounterhaltung geworden, aber für Spielberg ist dieser Film dennoch irgendwie unter par. Eine Fingerübung, wenn auch keine ganz billige.
Allerorten spürt man, was den Cinemagier wohl gereizt hat: der wahre Background, des in der erzwungenen Staatenlosigkeit festsitzenden Emi-Immi-Sonstwas-Granten, der sich eine neue Existenz in einer Flughafenhalle einrichtet.
Das sind Geschichten, wie man sie nicht ständig geboten bekommt und Spielberg macht was draus. Nur ist das nicht immer das Beste für die Story und das bekommt „Terminal“ leider ab.
Nun atmet die Real-Live-Verfilmung Hollywoodluf: ein diffuser Phantasiestaat irgendwo in Osteuropa, Hanks radebrecht sich durchs Airportterminal und ist doch aufgeschmissen. Doch dann entpuppt sich der Krakhose als patentes Kerlchen und versierter Handwerker, findet für einen Angestellten (und für Essen) dessen große Liebe und verliebt sich seinerseits in eine unglückliche Flugbegleiterin. Und nebenbei hat er natürlich noch eine geheimnisvolle Dose dabei, der Grund für seine Mission, in die USA zu reisen...
Nichts ist geblieben von einem eventuellen Konflikt, von Tiefe und Realismus, hier ist alles zuschauerfreundlich aufgebügelt und aufbereitet und so vollgestopft mit den nötigen Zutaten für einen Unterhaltungsfilm, daß es an allen Schwarten kracht. Spielberg selbst sagte mal, daß es unwichtig sei, ob die Story glaubhaft sei, wichtig wäre, daß man sie ihm abkauft und das werden immer noch genügend Leute tun.
Denn Tom Hanks ist ja auch ein versierter Spieler, der eine glaubhafte und gefühlvolle Rundumperformance gibt, die allerdings manchmal eher an Forrest Gump glauben läßt, als an einen patenten Handwerker aus der seligen Ostzone.
Wenigstens ihm kann man „Terminal“ glauben, wenn er auch derlei Leistungen zu oft gebracht hat, soweit sich Filme um ihn drehten.
Aber man kann schmunzeln, man kann lachen und dann gibt’s wieder einen gefühlvolllen oder tragischen Moment. Alles drin, die ganze Schachtel Pralinen. Danke, Herr Zemeckis!
Dem Zuschauer bleibt die Wahl, das Angebotene als simple Unterhaltung einfach zu schlucken oder als Kitsch abzutun. Wählt man das Erste, wird man prima unterhalten, eingefügt in eine hyperlebensechte Flughafenterminalkulisse, mit netten Nebenfiguren und einem gut aufgelegten Stanley Tucci als Hanks‘ ständige Nemesis, die ihn am liebsten einer anderen Behörde zuschanzen würde. Catherine Zeta-Jones sorgt für etwas tragische Romantik und ein Happy End ist auch mit drin.
Mit etwas mehr Distanz entdeckt man dann natürlich die feinen Risse. Das platte Burger-King-Product-Placement ist dermaßen dreist, daß es schon kracht. Hanks Verständnis der englischen Sprache scheint am Anfang mengenmäßig sehr zu schwanken. Zeta-Jones hat einen diffus geschriebenen Part, der wohl tragisch sein soll, aber mehr oder weniger dämlich rüberkommt. Und gegen Ende verheddert sich der Film in rechtlichen Kompetenzstreitigkeiten, wenn Hanks zwar problemlos Pass und Ticket wiederbekommt, aber aus nicht geklärten Gründen nicht einreisen darf.
Überhaupt gönnt sich der Film bei aller Berechnung ausgerechnet am Ende den Luxus, sich nicht entscheiden zu können, ob er nun melodramatisch, happy oder traurig endet und deswegen ein Finale an das nächste reiht, bis es am Ende doch nicht befriedigt.
Aber man kann das Teil auch verdammen, weil es eins von Spielbergs Hochglanzprodukten ist, die ihm inzwischen so seidig aus den Fingern laufen, daß es schon klebt. Wirkliche Überraschungen findet man dann selten, dagegen erscheinen um so mehr Klischees und selbst die netten Einfälle wirken irgendwie erzwungen.
Für meinen Teil gesehen, habe ich mich wenigstens nicht allzu sehr ärgern müssen, bin ich unterhalten worden, ohne im schlimmsten Kitsch zu ersaufen, aber so einfach auf den Leim gehen, will ich dem Film auch nicht und Nachhaltigkeit ist nirgends zu entdecken.
Spielberg kann viel mehr, aber inzwischen (vielleicht das Alter) hat er sich zwischen Onkelhaftigkeit und Father-knows-best-Filmmaking so beqem eingerichtet, daß ihm ein Regieoscar am besten wieder abgenommen werden sollte.
Altmeister, überrasch uns mal wieder. (6/10)