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"Du machst nur Fortschritte wenn du Not leidest."

Der trottelige Sang-hwan (Ryoo Seung-beom) hat genug von seinem Job als Hilfspolizist, da er nicht in der Lage ist den Kleinkriminellen Paroli zu bieten und immer wieder in irgendwelche Fettnäpfchen tritt. Glücklicherweise eröffnen sich ihm plötzlich neue Möglichkeiten als er auf Wi-jin (Yoon Soy) trifft, die ihre Chi-Energien bündeln und damit übernatürlich Kräfte entfesseln kann. Sang-hwan besitzt die gleiche Gabe. Aber entgegen seiner Vorstellung einfach "Energiebälle" zu erschaffen mit denen er seine Widersacher einfacher in Schach zu halten, obliegt ihm eine viel größere Aufgabe. Vor langer Zeit behüteten sieben Meister das Geheimnis, die Chi-Energie so zu nutzen, um uneingeschränkte Macht und Erleuchtung zu erlangen. Einer dieser Meister, Heuk-Woon (Jeong Doo Hong), wurde abtrünnig und wandte diese Kräfte an, die anderen sechs sperrten ihn weg. Doch nun ist Heuk-Woon zurück gekehrt und droht der Welt erneut mit Unheil. Sang-hwan soll sich ihm mit Hilfe von Wi-jin entgegen stellen und ihn aufhalten.

Man nehme die "Lethal Weapon" Reihe, füge einen Hauch "Matrix" und "Spider-Man" hinzu, siedele das Ergebnis in fernöstlichen Orten an, und füge den asiatischen Witz sowie esoterische Anleihen hinzu. Einmal kräftig schütteln und man erhält "Arahan".
Bei dieser allzu östlichen Action-Komödie von Ryoo Seung-wan, der für stereotypische Martial Arts Filme bekannt ist und Kurzauftritte in "Lady Vengeance" sowie "Sympathy for Mr. Vengeance" ergattern konnte, handelt es sich um die Umsetzung einer Mangavorlage. Wie zu erwarten tritt die Handlung weitestgehend in den Hintergrund und macht Platz für jede Menge Komik in der ersten, und Action in der zweiten Hälfte.

Der typisch fernöstliche Humor wird durch schräge Charaktere und deren kindliche Naivität, Situationskomik und Slapstickeinlagen abwechslungsreich gestaltet, wirkt aber zum größten Teil nur pseudo-lustig und erreicht nicht immer den Zuschauer. Dies mindert die Unterhaltsamkeit gewaltig, da insbesondere die erste Hälfte allein durch den Witz leben sollte, was aber seltenst der Fall ist.
Ähnlich gestaltet es sich bei den Martial Arts Elementen der zweiten Hälfte. Es gibt einige, und wiederum einige sehr kurzweilige. Allerdings werden die Möglichkeiten Spannung oder eine tolle Atmosphäre dabei aufzubauen nicht genutzt. Viel zu unspektakulär plätschert der absehbare Plot vor sich hin, immer wieder wird das Tempo durch dialoglastige Abschnitte ausgebremst und das Finale streckt sich quälend in die Länge, sodass man sich den Abspann beinahe herbei ersehnt. So sollte kein unterhaltender Film aussehen.

Im Grunde gleicht die Aufmachung und Präsentation von "Arahan" einem veralteten, actionorientierten Videospiel. Es wirkt zweckmäßig aber plump, bildet wenig Charaktertiefe, heuchelt Innovation aber bietet einen standardisierten Ablauf, spielt mit unplausiblen Situationen ohne diese aufzulösen. Alles wirkt etwas halbgar, beispielsweise sind Ansätze für ein episches Werk vorhanden, werden sogar zögerlich ausgespielt aber nie konsequent umgesetzt.
Nett anzusehen sind die Effekte, zumindest im Bereich der überzogenen Schwerelosigkeit. So wird an Wänden entlang gelaufen als handele es sich um den Boden, meterweite Sprünge über Hochhausdächer vollführt oder mit übermenschlichen, unsichtbaren Kräften gehandhabt.

Die Darsteller wurden zweckmäßig ihren Figuren und ihrer Wirkung dem Zuschauer gegenüber besetzt. So bildet Ryoo Seung-beom durchgehend den naiven und eigennützigen Hilfspolizisten mit jeder Menge überzogener Mimik, Yoon Soy sorgt für den nötigen Eye-Candy gegenüber männlichen Zuschauern und Jeong Doo Hong ist der böse dreinblickende Gegenspieler. Nicht mehr ist zu erwarten und nicht mehr wird geliefert. Zumindest die sechs Meister können in der ersten Hälfte für ein wenig mehr Leben sorgen.

Allgemein wird "Arahan" seinen Vorschusslorbeeren, "Spider-Man" und "Matrix" Konkurrenz bieten zu können, nicht gerecht. Hierfür ist das Werk weder aufwendig noch spektakulär genug. Allein der Humor ist schon recht gewöhnungsbedürftig und schreckt eher ab statt nebenbei mit zu laufen, auf actionreichere Momente wartet man häufig längere Zeit und kämpft sich stattdessen durch plumpe dialoglastige Sequenzen. Anhänger östlicher, eindimensionaler Action-Komödien werden sicher gefallen an "Arahan" finden. Ich persönlich bleibe lieber bei den westlichen Varianten.

2 / 10

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