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Vom Panamahut zum Captain’s Dinner!

Die Ausgewogenheit musste in der Chan-Serie immer gewahrt bleiben. Sobald Charlie einmal im Einsatz für eine „staatstragende“ Sache war, die normale Polizeiarbeit bei weitem übertrag – und „…in Panama“ war deutlich ein Einsatz für sein Land – folgte darauf meistens eine klassische Mörderjagd nach bewährtem Vorbild.
Und so ist es auch mit „Murder Cruise“, der dem klassischen Setting an Bord eines Kreuzfahrtschiffs komplett mit umgehenden Mörder folgt.

Immerhin ist es nicht die generelle Rückreise vom vorherigen Film, sondern Chan erhält Besuch von Scotland Yard, der ihn über den „Würger“ und seine vermutliche Anwesenheit auf dem Kreuzfahrtschiff hinweist. Ein seltsamer Tipp, wird besagter Inspector Duff doch kurz nach dieser Eröffnung noch in Charlies Haus vom Killer erwürgt.
Damit startet ein seltener Fall, den Chan zeigt persönlichen Einsatz – offensichtlich wütend über den dreisten Anschlag in seine Privatsphäre und auf einen seiner Freunde. Also kommt er an Bord des Schiffes, dass die begüterte Reisegruppe eines gewissen Dr. Suderman beherbergt, auf einer Fahrt rund um die Welt. Das geht natürlich nicht ohne ein erstes Todesopfer pünktlich zur Ankunft ab und so gibt es gleich etwas zu ermitteln.

Jetzt wäre das die hervorragende Basis für ein grimmiges Murder Mystery gewesen oder – falls man das britisch eingefärbt hätte – für augenzwinkerndes Unterstatement, aber leider ist das hier eine amerikanische Tour und die Drehbuchautoren meinten offenbar, es sei der Unterhaltung dienlicher, wenn man die Reisegruppe gemütlich überzeichnet. Das führte aber leider dazu, dass man es hier fast ausschließlich mit Karikaturen zu tun hat, abgesehen von der handelsüblichen netten jungen Dame (Marjorie Weaver übernimmt diesmal den undankbaren Job) und dem heiratsbereiten jungen Mann (Robert Lowery als Neffe des ersten Mordopfers).

Während Suderman (Lionel Atwill in seinem zweiten Chan-Auftritt hintereinander) noch ein brauchbares Enigma darstellt, ist der playboyhafte Ross ein fröhlicher „pain in the ass“, der neurotisch ängstliche Pendleton eine nötige „plot device“, der Archäologe Gordon (auch für Leo G.Carroll schon der zweite Auftritt) ein abgenutzter Typus, die neurotische Miss Warren einfach nur eine überzogene Kreische und die im „american gothic“-Modus agierenden Puritaner Mr.und Mrs.Walters scheinen komplett fehl am Platz zu sein.

So dürfen sich die „Figuren“ dann aus ausgiebig albern gebärden, irgendwo zwischen hysterisch und „juhu, jetzt aber ne Party!“ schwankend, selbst als ein zweiter Mord geschieht. Das ist zwar abwechslungsreich, tötet aber jegliche Spannung ab, da ja bereits dank Jimmy Chan ja immer für genügend Slapstick gesorgt ist.
Dass der – offensichtlich mit Bart und Brille maskierte – Mörder an Bord des in Nebel gehüllten Urlaubsschiffs herum wandelt, nutzt die Produktion einfach nicht genug, dabei wäre die Location ideal gewesen.

So bedarf es dann nicht eines, sondern zwei Showdowns, um den Täter zu entlarven, wobei letzterer Showdown auch noch in zwei Schüben daher kommt und – etwas antiklimatisch – im Büro des Leichenbeschauers spielt.

„Murder Cruise“ ist daher zwar detektivisch brauchbarer Standard, als mögliches Closed Room Mystery (oder zumindest „limited space“) macht er aber zu wenig aus seinen Möglichkeiten. Nur solide 6/10.

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