Review

"Dodgeball" hat mich enttäuscht. Dies hat drei Gründe:

1.Der Film "Die Eisprinzen" ist eine Sportfilm-Parodie von der ersten bis zur letzten Sekunde. Hier wird jedes idealtypische Strukturelement des Genres 'Sportfilm' übersteigert, ironisiert oder einfach verarscht, so dass keine Szene im Film 'eigentlich' oder 'ernst' gemeint ist, sondern alles immer auf einer parodistischen Meta-Ebene abläuft - à la: Wir nehmen die typischen Elemente eines Filmgenres und ziehen JEDES Element durch den Kakao, meinen NICHTS ernst. "Dodgeball" dagegegen ist eine Sportfilm-Komödie, das heißt ein echter Sportfilm mit Gag-Einlagen. Dies führt leider dazu, dass der Film sich als Genrefilm VIEL ZU ERNST nimmt und etwa die amerikanische Spießerscheiße vom Underdog zum gefeierten Helden, vom sportlichen Kampf zwischen Gut & Böse usw. einfach ausspielt, ohne sie irgendwie ironisch oder parodistisch zu brechen. Vieles in "Dodgeball" ist Verarschung, aber diese todlangweilige Moralkacke von wegen "Du musst nur hart für deine Träume arbeiten, im Team geht alles besser, gib niemals auf" usw., die jedem (schlechten) US-Sportfilm innewohnt scheint leider wirklich ernst gemeint zu sein. Und das ist super konservativ, und es nervt!

2. Der Humor dieses Films ist natürlich nicht subtil, das will er auch nicht sein! Er ist allerdings auch keinesfalls so gewollt debil-beknackt, dass man - wie etwa bei "Anchorman" - von einer Art intendiertem dada-esquen Sinn-Negations-Klamauk sprechen kann. Die Witze in "Dodgeball" sind einfach pubertär, leider auch völlig uninspiriert, unkreativ, stereotyp und so dermaßen mit dem Holzhammer geschlagen, dass sich manchmal sogar Fremdscham breitmacht. Besonders albern finde ich dieses Sado-Maso-Outfit am Ende (wer findet denn so was lustig?), die beschissene Cheerleader-Erinnerung dieses einen Typen ("haha! Fette Mädchen! Haha!") und diese peinliche, aber nicht lustige osteuropäische Sportlerin in Ben Stillers Team--- oh je!
Das ist alles einfach nur super-spießig!
Na gut, einige Gags zünden, aber das sind meistens dann die Parts von Ben Stiller oder ein paar weitere Ausnahmen.

3. Die Nebencharaktäre in "Dodgeball" sind so was von lieblos, blass, uninteressant und absolut charme-frei konstruiert, dass die möchtegern-witzigen Nebenepisoden ziemlich peinlich werden, da sie einfach nicht witzig sind -- für eine Brachialkomödie fast das Todesurteil! Als Beispiel seien hierfür nur die nicht-witzige Liaison dieses Dummkopfes mit dieser nicht-witzigen Osteuropäerin oder der nicht-witzige Pirat genannt - was soll das alles? Auch die vielen ach so tollen Gastauftritte sind total blass, weil man gar nicht weiß, warum die eigentlich da sind... besonders Lance Armstrong als völlig un-selbstironischer Moralapostel ging mir einigermaßen auf den Sender! Einzig der "Danke, Chuck Norris!"-Spruch ist witzig!

Es wird sicherlich Leute geben, die sagen, dass etwa auch Lance Armstrongs Auftritt und diese "American Dream"-Scheiße eigentlich total verarsche-mäßig und so gemeint sind und dass ich das nur nicht kapiert habe... okay, kann vielleicht sein! Aber man muss für solche Aussagen immer Argumente, irgendwelche Marker finden, die genau diese Szenen dann als "Achtung, hier wird's jetzt unernst" ausweisen- und die habe ich einfach nicht gesehen!

Warum ich dem Film trotzdem immerhin noch 5/10 gebe?
1. Als Sportfilm funktioniert er ja einigermaßen, hier ist er ja auch nicht wirklich langweilig...
2. Einige Gags sind zumindest okay, diese ganze Idee des "Dodgeball"-Spiels ist ja auch wirklich witzig und teilweise auch ordentlich umgesetzt - das Lehrvideo oder die anderen Teams etwa sind meiner Meinung nach gute Ideen --- doch leider wurden viel zu viele Chancen vergeben! Es hätte alles so schön werden können...
3. Ben Stiller ist immer gut! Er alleine ist für 2 der 5 vergebenen Punkte verantwortlich.

Also: Idee super, Ausführung nicht - Handlung nimmt sich zu ernst, Gags zünden nicht. Schade!

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