Review

Die Story vom liebenswerten Underdog-Team, welches den Favoriten bei einer Meisterschaft nass macht, ist so alt wie der Sportfilm selbst – „Dodgeball“ ändert nur die Sportart.
Peter La Fleur (Vince Vaughn) leitet das Average Gym und will nur, dass ein paar Durchschnittstypen hier etwas abhängen und trainieren. Doch durchschnittlich sind seine Kunden nicht: Darunter sind unter anderen der selbst ernannte Pirat Steve (Alan Tudyk), der männliche Cheerleader Justin (Justin Long) oder der in Randsportarten interessierte Gordon (Stephen Root). Das ist Peter aber recht egal – wie auch seine Buchführung oder das Bezahlen von Rechnungen. Mit Peter bringt „Dodgeball“ einen der charismatischsten Slacker überhaupt auf die Leinwand, der mit seiner scheißegal-Einstellung die Coolness in Person ist.
Dem gegenüber steht die Globo Gym Kette des fiesen White Goodman (Ben Stiller), der hartes Training für den perfekten Körper predigt und auch in jeder anderen Beziehung skrupellos ist. Als Peter wegen seines Geldmangels Hypotheken auf sein Studio aufnehmen muss, meldet er sich direkt als Interessant an, da er noch eine alte Rechnung mit Peter offen hat. Stiller ist sich hier für nichts zu schade und die Prollomatte (inklusive entsprechendem Bartwuchs) mit er hier in Verbindung mit unmöglichen Outfits durch die Gegend turnt beweist echten Mut zur Hässlichkeit.

Peter und seine Truppe müssten zur Rettung ihres Studios 50.000 Dollar auftreiben, doch ihr Plan dies durch Autowäschen einzunehmen schlägt fehl. Da kommt die rettende Idee: Ein Turnier in Dodgeball (eine Art Völkerball) ist mit einem Preisgeld in der entsprechenden Höhe ausgezeichnet…
Die Geschichte von „Dodgeball“ ist vorhersehbar von Anfang bis Ende, das ist klar. Da hilft auch die eine oder andere Wendung nicht, denn poetische Gerechtigkeit wird hier so groß geschrieben, dass es weh tut. Doch immerhin sieht der Film dies mit Ironie (nicht umsonst steht auf der wichtigen Truhe „Deus ex machina“). Im Gegensatz zu anderen Sportfilmen fallen die Matches abgesehen vom Finale aber sehr kurz aus; die, in denen kein relevantes Team antritt, werden sogar komplett ausgespart. Andrerseits ist die Sportart auch nicht so interessant; lediglich die Teams bieten ein paar nette Ideen: das deutsche Team heißt Blitzkrieg, während man sich beim Spiel gegen die Hip Hopper über schmerzhaft getroffene Goldkettchenträger freuen kann.
Dafür sind die Witze meist ziemlich komisch und man kann es verzeihen, dass es sich hierbei meist um groben Slapstick handelt, bei dem es in erster Linie darum geht, dass sich irgendjemand sehr wehtut. Doch das Timing stimmt, denn der Film weiß fast immer, wann ein Gag besonders gut sitzt (z.B. die fallende Reklame). Mein Favorit ist der Lehrfilm über Dodgeball, der derartige, vermeintlich informative Produktionen köstlich auf die Schippe nimmt. Herrlich auch die Respektlosigkeit mit der hier Witze über alles Mögliche (selbst über den Zweiten Weltkrieg oder Frauen aus dem Internetkatalog) gemacht wird, aber trotzdem versaut dies nicht die Botschaft, dass Außenseiter oft die besseren Menschen sind. Da kann man es auch verzeihen, dass der Film ein wenig klaut (z.B. die Hundeszene aus „Ali G Indahouse“ oder eine Szene gegen Ende, die stark an eine Figur aus „Austin Powers 2“ erinnert).

Doch ganz zum Comedykracher mag „Dodgeball“ dann nicht avancieren, was zum Teil am altbekannten Plot liegt. Ein weiteres großes Manko ist die eindeutig zu kurze Lauflänge: Der Film wirkt immer sehr gehetzt und einige Passagen des Films enden abrupt und unbefriedigend (z.B. wenn urplötzlich die Meisterschaft in Vegas da ist). Ein geringes, aber verzeihliches Manko ist die leichte Gleichförmigkeit der Gags (meistens Treffer an empfindlichen Körperstellen wie man deutlich am deutschen Titel merkt).
Vince Vaughn ist hier dermaßen lässig und cool, dass er alle anderen an die Wand spielt. Stiller hängt sich voll rein, aber übertreibt es etwas zu sehr: Oft wirkt seine Prollo-Ader etwas zu überzogen und könnte mehr Zurückhaltung vertragen. Christine Taylor ist hübsches Beiwerk, während die Nerds aus Joes Studio mit Gespür für Komik agieren, auch wenn ihre Rollen etwas mehr Ausarbeitung vertragen könnten. Wunderbar die Gastauftritte von Hank Azaria, David Hasselhoff und Chuck Norris, die jeweils absolute Brüller sind. Rip Torn als Veteran ist ganz gut, der Gastauftritt von Lance Armstrong ist eher moralischer Natur und die Nebendarsteller schlagen sich wacker.

So hat man eine anspruchslose, aber gut getimte Slapstickkomödie. Aufgrund der geringen Laufzeit und des sehr vorhersehbaren Ablaufs sind aber nur gute 6,5 Punkte drin.

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