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Stallones Vorliebe für Underdogs der amerikanischen Gesellschaft erlebt nach Rocky mit Rambo eine Art Rennaissance.

Dabei ist Rambo im Gegensatz zu Rocky kein so lieber Typ, er ist ein Kriegsheld, der sich nach dem Vietnam-Krieg in der Gesellschaft nicht mehr zu Recht findet und sich mehr schlecht als recht durch das Land ziehend über die Runden bringt.
Auf den ersten Blick ist auch Rambo ein ruhiger, netter stoischer Typ, aber tief drinnen brodeld es. Er hat für sein Land sein Leben fortgeschmissen und niemand dankt es ihm.

Wir treffen Rambo an einem Punkt seines Lebens, wo er gerade an der Schwelle dessen ist, was er noch zu ertragen in der Lage ist. Er und seinesgleichen haben für ihr Land im besten Fall nur ihre besten Jahre geopfert, während andere ihres Alters sich nicht der Verantwortung gegenüber dem Land gestellt haben, stattdessen protestiert haben und die Mädchen derer, die im Krieg waren mit Philosophie umgarnt haben. Und seit seiner Rückkehr werden er und seinesgleichen bespuckt und als Babymörder verschrien.
Möglich dass Rambo tatsächlich all das ist und noch viel schlimmer,er ist eine Kampfmaschine, ausgebildet von seinem Land, die für die Nation alles gegeben hat, ohne belohnt dafür zu werden.

Dass Amerika den Krieg verloren hat, dafür kann Rambo ja nichts, auch seine Kameraden können nichts dafür.
Dass es nicht sein Krieg war, interessiert Rambo auch nicht, er weiß, was er geleistet hat und um was er betrogen wurde.

Nun läuft das Faß aber über, als er von einem Gestzeshüter eingesperrt wird, nur weil er sich weigert an einem kalten regnerischen Wintermorgen eine weit abgelegene Kleinstadt zu verlassen, nur damit die Menschen in der Stadt nicht an die Schmach von der Vietnamniederlage erinnert werden.
Damit nicht genug, die Polizisten halten ihn für einen einfachen Vagabunden, der mal zufällig in Vietnam war, und schikanieren Rambo, bis diesem der Kragen platzt, und er voller Panik flieht.

Völlig unschuldig und in die Enge getrieben wird Rambo fortan wie ein wildes Tier gejagt, eigentlich flüchten diese Kleinstädter auf der Jagd nach ihm vor der Konfrontation mit ihrer jüngeren Vergangenheit.
Rambo versucht immer wieder Frieden zu schließen, im Kräftemessen in der Wildnis zeigt er den Polizisten seine körperliche Überlegenheit, so dass plötzlich der gesamte Staatsapparat eingeschaltet wird.

Das Land, für welches Rambo alles aufgegeben hat, stellt sich plötzlich, da man seinesgleichen nicht mehr braucht, gegen ihn. Und Rambo versteht es nicht, wird es niemals verstehen können, da er sein Land nach wie vor über alles liebt, aber auf so wenig Gegenliebe stößt.
Eine sehr merkwürdige Beziehung hat Rambo zu seinem Ausbilder: Einerseits versteht Colonel Trautmann ihn nicht, hält Rambo sogar für einen verbitterten Amokläufer, sogar bis zum Ende des Films, andererseits ist Rambo derart konditioniert, dass er Trautmann gehorchen muß.

Dieser Film ist alles andere als Patriotismus pur. Auch als Pazifist kann man noch nachvollziehen, wieso Rambo sich betrogen vorkommt. Sogar als Pazifist kommen einem die Kleinstadtcops und Trautmann als Heuchler vor.
Rambo ist vielmehr eine als knallharte Actionfilm getarnte Kritik am Establishment und dem Staat im Bezug auf ihren Umgang mit den Kriegsveteranen.
Denn obwohl der Krieg definitiv falsch war, obwohl die Soldaten teilweise zu Monstern wurden (wie in jedem Krieg), das sind eure Kinder, die da zurück kommen. Sie verdienen eure Hilfe, damit sie sich wieder reintegrieren können. Ihr dürft euch nicht abwenden.
Dass viele, die in den Krieg ziehen, das auch nur deshalb tun, weil sie ansonsten keinen Job haben, und so wenigstens ihre Familien versorgen können ist ein weiterer sozialer Aspekt, der zeigt, dass die Soldaten auch nur Menschen waren.

Rambo ist bei weitem nicht so subtil wie Coming Home, Die durch die Hölle gehen oder The Park is Mine, aber er ist hammerhartes Action-Kino mit Tiefgang und einem Sylvester Stallone in einer seiner wenigen überzeugenden Darstellungen.
Wie auch in Rocky wird sein Charakter in den Folgefilmen mißbraucht werden und Sly wird sich das gefallen lassen und selber forcieren mit seinem Kalten Kriegs Gehabe, dennoch:
Rambo ist definitiv ein Highlight seiner Karriere und ein Meilenstein des klugen kritischen Action-Kinos.

9 Punkte

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