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Sylvester Stallone spielt den ehemaligen Elite-Soldaten John Rambo, der auf der Suche nach einem alten Kameraden aus dem Vietnam-Krieg in einer kleineren Stadt vom Sheriff vertrieben wird, der keine Streuner in seinem Gebiet sehen will. Der Konflikt zwischen dem Veteranen und dem halsstarrigen Sheriff verwandelt sich schließlich in einen brutalen Kleinkrieg, in dem sich Rambo schließlich gegen dutzende Polizisten in einem Waldstück behaupten muss.

Bevor die "Rambo"-Reihe schließlich nahtlos an das brutale und menschenverachtende Action-Kino der 80er überging und die Figur des traumatisierten Veteranen schließlich beinahe comic-haft flach und eindimensional gezeichnet wurde, gab es einen wirklich guten ersten Teil, der angesichts des kürzlich erschienenen "John Rambo" noch weiter in Vergessenheit geraten ist und zunehmend mit den späteren Teilen über einen Kamm geschoren wird, auch wenn er es nicht verdient hat.

Wie zuvor "Die durch die Hölle gehen" oder später "Geboren am 4. Juli" beschäftigte sich auch "Rambo" mit dem Trauma Vietnam, im Wesentlichen mit dem Leben der Veteranen. Obwohl Rambo mehrere Polizisten tötet und sich dem, wenn auch nicht sonderlich sympathischen und gerechten Sheriff entgegenstellt und den blutigen Kleinkrieg immer weiter führt, wird dabei Mitgefühl für den Heimkehrer erzeugt, dem trotz seiner Verdienste für das Land kein Respekt, im Gegenteil sogar Ungerechtigkeit und schlechte Behandlung zu Teil wird. Und auch, wenn es einige vielschichtigere Kriegsdramen und Charakterstudien gibt, ist "Rambo" für einen Actionfilm und im Vergleich zu seinen Fortsetzungen relativ vielschichtig. Die Handlung als solche ist dabei sehr einfach gestrickt, was angesichts der spannenden Inszenierung aber nicht weiter stört, obwohl man aus den gesellschaftskritischen Ansätzen noch mehr hätte machen können.

Auch wenn man von Ted Kotcheff seit "Rambo" nichts Gutes mehr zu sehen bekommen hat und seit "Eiskalte Wut", also seit nunmehr 13 Jahren überhaupt nichts mehr von ihm gehört hat, lässt sich an der nahezu perfekten Inszenierung von "Rambo" erkennen, dass er durchaus Talent gehabt haben muss, das er leider in keinem anderen Film zeigen konnte. Kotcheff baut von Anfang an eine bedrohliche Atmosphäre auf und kann diese konstant halten und bietet damit ordentliche Unterhaltung. Die Kulisse des Waldes, in dem der Kleinkrieg stattfindet ist düster und unheimlich in Szene gesetzt, wodurch die Atmosphäre noch dichter wird, genauso, wie durch den, meist aus Spannungsmusik bestehenden Score von Jerry Goldsmith, der den Film noch weiter anheizt.

Kotcheff hält das Erzähltempo sehr hoch und beschleunigt es zum Finale hin zunehmend, womit ihm ein grundsolider Spannungsbogen gelingt, der lediglich durch die kurze Laufzeit des Films und das etwas abrupte Ende ein wenig getrübt wird. Die Action-Szenen sind bei Weitem nicht so wohlwollend dosiert, wie bei den Fortsetzungen und der Bodycount bleibt, obwohl einige Menschen verletzt und außer Gefecht gesetzt werden, im Vergleich zu anderen Actionfilmen der 80er sehr niedrig (Genau genommen stirbt nur einer der Verfolger). Darüber hinaus fehlt die menschenverachtende Grundeinstellung der weiteren Teile und auch die Brutalität ist nicht so hoch. Die Action-Szenen sind zwar unterhaltsam und optisch ansprechend gemacht, sind aber nicht mehr unbedingt auf dem neusten Stand. Alles in allem eine atmosphärische und spannende Inszenierung, die sich wirklich sehen lassen kann.

Nach "Rocky" wurde die "Rambo"-Reihe schließlich ein weiteres Standbein für Sylvester Stallone, der mit eben diesen beiden Rollen mit der Zeit zu einer echten Ikone avancierte. Während er jedoch in "Rocky" mit der besten Leistung seiner Karriere überzeugen konnte, spielt er hier allerhöchstens solide und ist damit der Grund dafür, dass "Rambo" nicht komplett überzeugen kann. Bei den Action-Szenen leistet er gewohnt gute Arbeit, mit seinem mimikarmen Spiel und seiner beeindruckenden Physis passt er auf den ersten Blick ganz gut in die Rolle des Kriegshelden, aber mit dieser schwachen Schauspillleistung schafft er es einfach nicht, der Figur des John Rambo genügend Tiefgang zu geben, den sie auf jeden Fall verdient gehabt hätte. In den comichaft gestrickten Fortsetzungen störte dies nicht weiter, aber hier wäre definitiv mehr drin gewesen, zumal man mit Burt Reynolds einen wesentlich besseren Darsteller für die Rolle im Gespräch gehabt hatte, wobei Stallone wenigstens mit seinem Drehbuch überzeugen kann. Der übrige Cast bietet ebenfalls solide und mittelmäßige Darstellungen und dies ist auch der Grund dafür, dass "Rambo" ein Vietnam-Drama ohne größere Auszeichnungen blieb, obwohl Story und Inszenierung ziemlich gut waren.

Fazit:
"Rambo" unterhält wegen der gespannten Atmosphäre, dem schnellen Erzähltempo und den ordentlichen Action-Szenen sehr gut und bietet eine wesentlich vielschichtigere Story als die Nachfolger, die sowohl als Charakterstudie funktioniert, als auch das Trauma Vietnam noch einmal aufarbeitet. Einzig und allein die mäßigen Darsteller (Ja! Auch Stallone) sind es, die ein Dorn im Auge bleiben.

77%

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