Mit dem Fall von Saigon endete am 30. April 1975 der Vietnamkrieg, der von vielen Seiten auch als schmählichste Niederlage in der Geschichte der vereinigten Staaten bezeichnet wird, die Bilanz des Krieges: Insgesamt 3 Millionen tote Menschen, darunter knapp 58.000 gefallene US Soldaten. Beim Kriegseintritt der USA 1964 war die Akzeptanz in der einheimischen Bevölkerung gegenüber der militärischen Konfliktbeteiligung Amerikas noch größtenteils gegeben, die öffentliche Zustimmung schwand aber im Laufe der Kriegsjahre merklich und 1971 empfanden mehrerer Umfragen zu Folge schon 60% der amerikanischen Zivilisten die Auseinandersetzung in Fernost für "amoralisch". Somit ging für viele der zurückkehrenden Soldaten der Krieg zu Hause in den Staaten weiter, den Anerkennung und Lob blieben Ihnen mehrheitlich verwehrt, sie sahen sich eher Ablehnung, Vorwürfen und Anfeindungen aus den eigenen Reihen gegenüber gestellt. Von diesem Charakteristikum inspiriert, veröffentlichte David Morell 1972 seinen Roman First Blood rund um den Kriegsveteranen John Rambo, der später als Vorlage für den gleichnamigen Film dienen sollte.
Nach Absagen von namenhaften Schauspielern wie Clint Eastwood, John Travolta, Terence Hill oder Burt Reynolds bot Regisseur Ted Kotcheff Sylvester Stallone die Rolle an, John Rambo zu verkörpern. Stallone sagte unter der Bedingung zu, das Drehbuch zusammen mit Kotcheff nach seinen Vorstellungen überarbeiten zu dürfen, die Filmversion handelt zwar in Ihrem Grundtenor genauso wie die Romanvorlage von den drei Hauptprotagonisten John Rambo (Sylvester Stallone), Sheriff Will Teasle (Brian Dennehy) und Colonel Samuel Trautmann (Richard Crenna), bietet dem Publikum aber eine inhaltlich zum Buch deutlich differenzierte Charakterauslegung Rambos.
Während Rambo in der literarischen Vorlage nach seinem Ausbruch sprichwörtlich Amok läuft, setzen Stallone und Kotcheff auf eine eher massentauglichere, sympathieträchtigere und intelligentere Adaption des Stoffes in dem Rambo Gewalt nur der individuellen Bedrohung angemessen einsetzt und das Töten an sich gegenüber seinen Kontrahenten als letzte Möglichkeit sieht, durch die Persönlichkeits-Metamorphose der Titelgestalt ändert sich auch die vorgegebene Rollenverteilung des ursprünglichen Autors bezüglich der Kernbotschaft an den Zuschauer: Aus Morells Romanfigur, die im Buch von gequälten Erinnerungen an die widerfahrene Folter in Vietnam geweckt zu einer gnadenlosen Killermaschine mutiert, wird im Film ein desillusionierter, tragischer Held, für den das Auditorium nichts anderes kann, als Sympathie zu empfinden. So lässt sich dann eventuell auch die Reaktion eines außerwählten Testpublikums zum ursprünglich dem Roman nachempfundenen abgefilmten Filmendes erklären - nach seinem Nervenzusammenbruch sollte Rambo durch Trautmanns Hand sterben, was mit vehementen Protesten quittiert wurde - das bekannte Finale wurde nachgedreht und ebnete den Weg für eine der erfolgreichsten Actionfilmreihen der Filmgeschichte.Wie die thematischen Modifizierungen der filmischen Auswertung verglichen mit der Romanvorlage zu bewerten sind, muss jeder Betrachter für sich subjektiv entscheiden, darstellerisch agiert unbestritten die gesamte Besetzung (Hauptdarsteller inkl. Nebenrollen) auf für einen Actionfilm signifikant hochwertigen schauspielerischen Niveau. Stallone erfüllt die Rolle des traumatisierten Vietnamveteranen eindrucksvoll mit Leben und kann physisch sowie körperlich in den realistisch, teilweise spektakulär umgesetzten Actionsequenzen überzeugen, gleichzeitig gelingt es ihm aber auch, anspruchsvolle Szenen, in denen er Gefühle zeigen muss, zu meistern, so ist beispielsweise Rambos finaler psychischer Zusammenbruch in Wort und auch in Mimik grandios gestikuliert. Sein Gegenspieler, Brian Dennehy setzt das Anforderungsprofil des Sheriffs Will Teasle ebenfalls vorgaben getreu und evident um, die egozentrische Verbissenheit seiner Rolle illustriert er beachtlich und absolut glaubwürdig. Richard Crenna alias Colonel Trautmann muss sich mit seiner Darbietung vor Stallone und Dennehy mit Nichten verstecken, er rundet mit seiner erfahrenen, charismatisch wirkenden Performance die schauspielerische Klasse der 3 Hauptakteure ab.
Neben dem erlesenen Cast überzeugt der Streifen vor allem durch wohl dosierte aber gleichzeitig auch bildgewaltige Action. Kotcheff gelingt das Kunststück, an sich einfache Szenen optisch außergewöhnlich darzustellen, es sind die gewissen Rambo Momente mit Gänsehautgarantie und Dramatik, die den Film so einzigartig machen, exemplarisch verdienen hier der Klippensprung, als Rambo meterweit in die Tiefe stürzt und Stallone den Stunt selbst ohne Double ausführte oder die Flucht mit dem Armeelaster wenn er die Straßensperre durchbricht und dazu der emotional geniale Filmscore von Jerry Goldsmith ertönt, gesonderte Erwähnung, aber auch die Guerilla-Action im Wald oder die finale Abrechnung mit Teasle sind nicht zu verachten. Kotcheff beweist das gewisse Händchen für die Situation, im richtigen Moment die optimalen Stilmittel zu verwenden und wechselt gekonnt zwischen temporeichen Actionpassagen und etwas ruhigeren, aber nie langweilig wirkenden Handlungselementen, außerdem gelingt es ihm, die wunderbare Bergwelt der Rocky Mountains mit prachtvollen Landschaftsaufnahmen visuell ins Bild zu rücken.Angaben einschlägiger Filmwebseiten zu Urteilen lag das Budget für das gesamte Projekt bei ca. 15 Millionen Dollar, was für damalige Verhältnisse eine durchaus beachtliche Summe war, vom Einspiel her konnte man mit ca. 125 Millionen Dollar Erlös aus den weltweiten Kinotickets einen beträchtlichen wirtschaftlichen Erfolg erzielen und die eigenen Kosten um ein vielfaches wieder reinholen. Nebenbei genießt First Blood auch bei Filmkritikern und Fans einen ausgezeichneten Ruf und hat sich meine abschließende Bewertung, ein absoluter Klassiker des Actionkinos zu sein, mehr als verdient.