Nach neunzehn Minuten ist es soweit: der große Held Wally (Anthony Alonzo), auch genannt W2 (sprich: dablju tu), wird kastriert. Lustigerweise (für uns, nicht für ihn!) findet dieses unerquickliche Ereignis just nach der Hochzeit mit seinem Herzblatt (Anna Marie Gutierrez) statt, woraufhin Wally in Selbstmitleid versinkt. "Es ist wirklich sinnlos. Ich kann dich nicht mehr befriedigen. Mein Leben ist ruiniert.", jammert er in Richtung seiner Angetrauten. Diese beteuert ihm zwar nach wie vor ihre Liebe, was sie aber nicht davon abhält, mit einem von Wallys Polizeikollegen in die Kiste zu springen. Insofern ist es nur allzu verständlich, daß sich Wally mit seinem unfreiwilligen Eunuchendasein nicht so recht anfreunden kann und auf Rache sinnt. Verantwortlich für den schmerzhaften Schnitt ist der überböse Drogenbaron Nosfero (Den Montero; "Er ist der leibhaftige Teufel"), der mit seinen Mannen (die sich mit solch klingenden Namen wie Cyclone, Pendragon oder Abraxas schmücken) das Land terrorisiert. Das muß sich ändern, denkt sich Wally und beweist, daß man auch als eierloser Held die Bösen platt machen kann.
Willie aka Wilfredo Milan ist ein begnadeter Filmemacher, dessen Filmographie vor Meisterwerken nahezu überquillt. Diese Feststellung stammt nicht von mir, wohlgemerkt, sondern ist Willie Milans nicht gerade bescheidene Selbsteinschätzung! Umso größer ist die Diskrepanz zu seinen filmischen Auswürfen, zumindest wenn man die drei von mir gesichteten Werke als Maßstab heranzieht. W is War ist ein schlichtweg unglaublicher Film. Unglaublich im Sinne von: unglaublich schlecht, unglaublich doof, unglaublich irrsinnig. Offensichtlich "inspiriert" von George Millers Mad Max 2 und Enzo G. Castellaris I Nuovi Barbari (Metropolis 2000) zelebriert dieses kaum in Worte zu fassende Machwerk gepflegte Endzeit(trash)stimmung, obwohl man vergessen hat, die Apokalypse stattfinden zu lassen. Der so sinn- wie logikfreie Plot (auch das ungeheuerliche Drehbuch stammt von M(e)ister Milan) sollte selbst abgebrühte Trashfilmliebhaber überraschen, und die unsubtilen homoerotischen Untertöne erstaunen und amüsieren in gleichem Maße. Die Antagonisten (zum überwiegenden Teil in billige, schlecht sitzende Lack-und-Leder-Klamotten gezwängt) sind ein unfaßbar lächerlicher Haufen... ich sage nur Karneval deluxe. An Nosferos Seite tummeln sich zwei listige, bärtige Kampfzwerge mit wallender Haarpracht, während Pendragon, der beste Kämpfer in Nosferos riesiger Armee (von Vollidioten) und ein weiterer Lachschlager der Extraklasse, meint, mit bloßen Händen gegen ein Maschinengewehr bestehen zu können. Er liegt falsch, soviel sei verraten. Handwerklich betrachtet ist W is War eine mittelschwere Katastrophe, die Schauspieler schlafwandeln durch die Szenerie, als ob sie in Valium gebadet hätten, und zwischen den diversen Actionszenen - wenn der Regisseur fatalerweise versucht, die Tragik des Geschehens zu beleuchten - wechseln sich Erheiterung und Langeweile brav ab. Fürs große Finale wird der Schauplatz in eine Kiesgrube verlegt (kein Endzeit-B-Movie ohne Kiesgrube!), und von da an gibt es dann kein Halten mehr, wobei die todesverachtenden Stunts für ungläubiges Kopfschütteln sorgen sollten (sogar in der Nähe von Kindern werden Granaten gezündet!). W is War ist haarsträubender Unfug von der ersten bis zur letzten Minute, stümperhaft inszeniert und unfreiwillig komisch bis zum Abwinken. Mit anderen Worten: ein Schlocker der Superlative, den man sich als Trashfilmfan keinesfalls entgehen lassen sollte.