Review

Mit „Wake of Death“ kann Van Damme endlich mal wieder einen gelungenen B-Actioner vermelden, aber die Klasse alter Kracher wird nicht ganz erreicht.
Ursprünglich sollte ja Ringo Lam ja Regie führen und vielleicht wäre der Film dann anfangs etwas weniger konfus geworden: Man startet mit einer Actionsequenz, die eigentlich erst später im Film kommt, danach eine Rückblende: Sun Quan (Simon Yam) hat Sex mit einer Frau und ermordet sie anschließend. Wer Sun Quan ist, erfährt man nicht, man erkennt nur, dass die junge Kim (Valerie Tian) den Mord an der Frau, ihrer Mutter, mit angesehen hat. Hätte man auch eleganter machen können, denn so herrscht erstmal große Verwirrung.
Derweil in Los Angeles: Der aus Marseille stammende Clubbesitzer Ben Archer (Jean-Claude Van Damme) hat die Nase voll von dem Geschäft, denn es ist ein halbseidenes. Statt immer am Rande der Legalität zu operieren, möchte er lieber die Zeit mit seiner Familie verbringen, namentlich seine Frau Cynthia (Lisa King) und sein Sohn Nicholas (Pierre Marais). Doch Familienglück ist keinem Actionhelden zu Anfang des Films beschieden wie man es schon von „The Punisher“ und Co. kennt, weshalb es bald zur Katastrophe kommen muss.

Cynthia ist Sozialarbeiterin und arbeitet mit der Polizei zusammen, als diese eine Gruppe chinesischer illegaler Einwanderer auf einem Schiff entdeckt. Unter ihnen ist auch Kim, die Cynthia aus Mitleid bei ihrer Familie einquartiert. Doch Kim ist Sun Quans Tochter und der ist ein mächtiger Gangsterboss, wie sich herausstellt, und will sie wiederhaben. Auf der Suche nach ihr ermorden seine Killer Cynthia und ihre Adoptiveltern, während Kim und Nicholas nur knapp entkommen. Ben schwört auf Rache…
Auch wenn „Wake of Death“ im Gegensatz zu früheren Studioproduktionen mit Van Damme nur ein B-Movie ist, so kann der Film an sich durch eine ziemlich gut erzählte Geschichte punkten. Sicherlich ist die Rachestory alles andere als innovativ und das Ende abzusehen, aber das Drehbuch verpackt die Mördersuche und die Racheakte nicht nur kurzweilig, sondern lässt trotz weniger Wendungen ein solides Maß an Spannung aufkommen. Die Story ist zudem angenehm geradlinig und hält sich nicht mit Nebensächlichkeiten auf, was sich in der kurzen Lauflänge niederschlägt, aber nicht stört.
Ebenfalls überraschend ist die Dramatik, die der Film mit sich bringt. Stimmungsvoll wird dem Zuschauer die Trauer, welche Ben angesichts des Verlustes seiner Frau empfindet, nahe gebracht. Das liegt zum einen an den überraschend guten Schauspielleistungen, aber auch der Regie, die sich nach den Schnitzern im Auftakt wieder fängt. Sicherlich hätte ein versierterer Regisseur das Ganze noch besser hinbekommen, aber Philippe Martinez liefert dann doch eine ziemlich gute Arbeit ab. Ebenfalls überzeugend der Clan aus Archers Freunden und Verwandten, der ihn unterstützt und stellenweise auch etwas Gefühl in den Film bringt.

Während Story und Dramatik überraschend gut funktionieren, so kann „Wake of Death“ auf Van Dammes Spezialgebiet nicht komplett überzeugen: Action. Diese ist doch etwas spärlich gesät; vor allem in der ersten Hälfte geht es fast gar nicht rund und meist sind die Actionszenen schnell vorbei. Erst gegen Ende kracht es massiv und dann kann sich die Action auch sehen lassen: Explosionen sind wirklich imposant anzusehen und die beiden Verfolgungsjagden (einmal Motorrad, einmal Auto) des Films sind temporeich gemacht. Meistens werden Konflikte allerdings mit der Wumme gelöst und die Shoot-Outs sind sehr gut inszeniert (oft im Woo-Stil mit zwei Pistolen). Martial Arts gibt es etwas weniger, aber in den Szenen zeigt sich Van Damme noch erfreulich fit. Außerdem kann der Film mit Tony Schiena als Bens Bruder Tony einen jungen, sportlichen Kämpfer auffahren, der auch ein paar gute Kampfszenen hat. Zudem kommt die Action erfrischend hart daher, denn „Wake of Death“ ist nicht so handzahm wie viele andere B-Movies der letzten Jahre.
Jean-Claude Van Damme beweist, dass er in seiner Filmkarriere auch schauspielerisches Können erlernt hat und spielt den gebrochenen Witwer wirklich überraschend gut. Auch die Nebendarsteller agieren in der oberen B-Klasse und machen „Wake of Death“ zu einem der schauspielerisch besten B-Filme.

Schlussendlich ist „Wake of Death“ dank der gut erzählten Story und der Dramatik ein überzeugendes B-Movie, aber da es etwas zu wenig Action ist, wird die Klasse alter Van Damme Kracher wie „Double Impact“ oder „Sudden Death“ nicht erreicht.

Details
Ähnliche Filme