Skandalfilm, zu dem er gemacht worden ist, bietet Larry Flynt eigentlich nichts wirklich Anstößiges, das die Diskussion wert gewesen wäre. Natürlich finden sich da immer genug prüde und/oder religiöse Amerikaner, die sich das Maul über solche Nichtigkeiten zerreißen können.
Larry Flynt ist streng genommen ein simples Bio-Pic, das dem Auf und Ab von Flynts Lebensweg folgt, dabei sich aber auf seine zahlreichen Gerichtsauftritte konzentriert, während die auftretenden Figuren einer tiefergehende Analyse gar nicht erst erschlossen werden. Das Problem hatte auch schon Carreys "Mondmann", der zwar einige unterhaltsame Episoden aneinander reihte, aber den Menschen hinter dem Namen kaum beleuchtete. Das geschieht hier ähnlich. Woody Harrelson gibt sich zwar alle erdenkliche Mühe, doch die Episodenhaftigkeit des Scripts zwingt ihn zu stereotyper Wiederholung einer Charakterzüge, im Sinne eines militanten Klassenkaspers, ohne wirklich tieferen Sinn.
So etwas kann funktionieren, muß aber nicht. Wenn dann auch noch (zumindest in der deutschen Synchro) nach dem Attentat aus seiner Sprache ein nerviges Genuschel wird, wird der Film zur Geduldsprobe, die nur durch weitere Höhepunkte gerettet werden kann.
Einen extrem hohen Nervfaktor verursacht auch die Wahl von Courteney Love als seine Frau Althea, die zwar aus ihrem reichen Erfahrungsschatz des Drogenkonsums schöpfen kann, aber dafür nur einen Gesichtsausdruck besitzt (den des angegeilten Drogenflittchens, selbst als sie noch keine nimmt).
Zum Skandal reichen dann die paar Brüste, die man sich gönnt, kaum aus, weswegen sich auch kaum jemand zu einem Kino-Besuch verleiten ließ.
Angenehm fällt in diesem lallenden Geschnippsel da nur Edward Norton auf, bei dem man sich unwillkürlich fragt, warum er Flynt nicht pausenlos in die Fresse haut.
Fazit: Ein eher mißlungenes Bio-Pic mit ein paar nicht sehr aufregenden Schauwerten und etwas Kuriositätenwert.
Nicht wirklich schlecht, verlangt aber viel Geduld. Genauso wie Larry Flynt als Mensch. (5,5/10)