Neben Richard Roundtree war vor allem das weibliche Gegenstück Pam Grier, die Quentin Tarantino („Pulp Fiction“, „Kill Bill“) mit „Jackie Brown" ausführlich huldigte, DER Stern am Blaxploitationhimmel. Neben dem demnächst sein Remake erhaltenden „Foxy Brown“ zählt „Coffy“ zu ihren besten Filmen. Der anschließende Karriereknick überraschte genauso sehr ihr plötzlicher Aufstieg zum Blaxploitation-Star.
Hinter „Coffy“ verbarg sich unter anderem Samuel Z. Arkoff, der mit einschlägiger Horrorexploitation a la „Pit and the Pendulum“ und „Planet of the Vampires“, oft auf den schriftlichen Auswüchsen Edgar Allen Poes basierend, in den Sechzigern bekannt wurde.
Leider entwickelt der Film nie das kultige Feeling eines „Shaft“ und bleibt deswegen ziemlich deutlich hinter dem Vorzeigewerk zurück. „Coffy“ gestaltet sich als simple Rachemär, in der Krankenschwester Coffy auf Selbstjustiztour geht und nicht nur ihre kleine drogensüchtige Schwester rächt, sondern gleich noch politischen Abschaum mit ins Jenseits befördert. „Wenn schon, dann richtig“, so lautet ihr Motto.
Deswegen fetzt sie mit ihrer doppelläufigen Schrotflinte auch gleich zu Beginn einem Drogendealer erst mal das gesamte Gesicht weg. Doch das ist ihr nicht genug, sie will die Hintermänner. Ein befreundeter Polizist verrät ihr, dass es so leicht nicht ist. Politik spielt eine nicht unwichtige Angelegenheit in dieser Sache. Wenig später wird er, nachdem er Bestechung abgelehnt hat, halbtot geprügelt.
Ab Coffys Einstieg in die Unterwelt als anheuernde Hure bei King George wird der Streifen immer simpler. Die Balgereien mit anderen Freudenmädchen stellt dabei ein kleines Highlight dar. Der sich dabei präsentierende Chauvinismus amüsiert, genau wie das äußerst plakative Zerreißen der Klamotten. „Coffy“ scheut sich in keiner Situation nackte Haut zu zeigen – allen voran Pam Grier.
Unangefochtener Star des Films ist aber eben nicht Coffy, sondern King Ralph (Robert DoQui, „Walking Tall Part II“, „Robocop“). Wer mal wissen möchte, von wem Snoop Dogg sich sein Kostüm in „Starsky & Hutch“ geklaut hat, sollte hier unbedingt mal reinschauen. King Ralph ist der Inbegriff des Pimps. Ein frauenverschleißender Zuhälter mit kultverdächtigen Sätzen und reimenden Weisheiten. Kleinen Auszug gefällig?
Während der Vorstellung Coffys...
King Ralph: Meg, dieses kleine Engelchen ist Mystique.
Nutte (Meg): Miststück? Was ist das denn für ein Name?
King Ralph: Mystique. Das ist die Erfinderin des Siebenschläfers. So jetzt geh’ fernsehen. Es gibt einen Sittenfilm: Die Wüste Gobi; während ich ihr Gebläse teste.
Meg: Testen? Was gibt es dazu testen? Okay, ich teste sie auch!
King Ralph: Verschwinde! Geh rein und sieh fern. Ich mach jetzt Ficktory (und macht dabei ein Victory-Zeichen)
Oder....
„Hast du Dope auf deiner Stulle, kannst du rammeln wie ein Bulle!“
„Wie die Füße eines Mannes, so auch sein Johannes“
Meg: George, soll ich gehen? Hast du mich satt?
King Ralph: Nein, du gehst mir auf den Sack.
Nur leider gibt es abseits von King Ralph herzlich wenig Nennenswertes zu berichten. Bis Coffy dann final zur großen Treibjagd bläst und durchaus blutig die bösen Buben (von Korruption, über Drogenhandel bis zu Prostitution haben die alles am Gange) zerlegt, ist „Coffy“ ein durchschnittliches Erlebnis. Regisseur Jack Hill („Foxy Brown“, „Switchblade Sisters”) vermag es, im Gegensatz zu seinen Kollegen, wenig aus dem sich aufbauenden Blaxploitation-Kult herauszuholen. Roy Ayers guter Score, der sich zum Teil auch in „Jackie Brown“ wiederfindet, vermag diese Tatsache nur marginal zu retuschieren.
Fazit:
Mit 84 Minuten recht kurz gehaltener Blaxploitation-Rache-Reißer, der bisweilen großzügig mit Kunstblut umgeht und übrigens auf der deutschen DVD an zwei Stellen hundsmiserabel nachsynchronisiert wurde. Der Kultcharakter bezieht sich wohl eher aus King George, der von Robert DoQui ganz trocken und selbstverständlich gemimt wird. Pam Grier macht in diesem über weite Strecken eintönigen Film, der erst final Tempo entwickelt, eine solide, freizügige Figur. An „Shaft“ reicht das hier aber deutlich nicht heran.