Pam Grier hatte bereits vorher Rollen in ein paar Blaxploitation-Filmen wie „Hit Man“ gehabt, doch zur Ikone des Genres wurde sie schließlich 1973, mit „Coffy – Die Raubkatze“ unter der Regie von Jack Hill, mit dem sie kurz darauf den artverwandten „Foxy Brown“ drehte.
„Coffy“ ist raubeinige Seventies-Kost mit Sleaze-Anteil, bei welcher der Auftakt den Zuschauer direkt stimmungstechnisch einnordet. Ein dealender Junkie lockt seinen Pusher mit der Aussicht auf ein Abenteuer mit einer willigen Süchtigen, die in seinem Wagen liegt. Doch im Liebesnest angekommen, erweist sich Coffy (Pam Grier) als weder willig noch süchtig – höchstens als rachsüchtig, denn sie pustet dem Pusher den Schädel via abgesägter Schrotflinte weg und zwingt den Kleindealer zu einer Überdosis. Die Begründung liefert sie gleich mit: Drogen haben das Leben ihrer kleinen, minderjährigen Schwester zerstört, die nach einer Überdosis nun in einem Pflegeheim auf gesundheitliche Besserung hofft, womit „Coffy“ in den Selbstjustizfilm der 1970er passt, der mit Werken wie „Ein Mann sieht rot“, „Walking Tall“ und „Billy Jack“ aber größtenteils in männlicher Hand war.
Eigentlich ist Coffy ja eine Heilerin, eine Krankenschwester, was auch der Grund für Gewissensbisse nach der Tat ist. Außerdem hat sie es gut getroffen: Sie wird im Job geschätzt, ihr Politiker-Lover Howard Brunswick (Booker Bradshaw) ist auf dem aufsteigenden Ast. In dem Polizisten Carter (William Elliot) hat sie einen weiteren Verehrer, der herzensgut ist und der Korruption in seinem Department widersteht. Zum Dank dafür wird er dann von zwei maskierten Schlägern in Coffys Beisein zum Invaliden geprügelt, womit noch der zweite der berühmten Anlässe für Selbstjustiz in den Film kommt, bei gleichzeitiger Demonstration, dass die offiziellen Kanäle im besten Falle wohlmeinend-ineffektiv, im schlimmsten Falle korrupt sind.
Also begibt sich Coffy auf Privatrecherche und stößt auf das Syndikat des Gangsterbosses Arturo Vitroni (Allan Arbus). Um an diesen heranzukommen schleicht sie sich als Prostituierte bei dem Zuhälter King George (Robert DoQui) ein, der mit Vitroni Geschäfte macht…
Zum Feministen mag Regisseur und Drehbuchautor Jack Hill nicht geboren sein, denn seine Blaxploitation-Sause hält immer gern auf nackte Hupen drauf und ist sich nie für einen fadenscheinigen Grund zu schade diese zu zeigen. Und doch hat „Coffy“ auch ein subversives Moment, gerade wenn Coffy immer wieder die leicht zu beeindruckende bis schwache Frau spielt, die einem Mann gar nicht gefährlich werden kann – die schwanzgesteuerten bis doofen Machotypen, die ihr bereitwillig glauben, bekommen im besten Falle das Auto gestohlen, im schlimmsten Falle die Rübe weggeballert oder den Hals mit einer angespitzten Haarnadel perforiert, wodurch der Film auch mit Geschlechterrollen und ihren Klischees spielt. Zudem erlaubt sich „Coffy“ bei aller Exploitation auch eine gewisse Ironie: Eine Prügelei zwischen Coffy und den anderen Pferdchen aus King Georges Stall (mit dem obligatorischen Verlust diverser Bekleidungsstücke) ist bewusst absurd angelegt, zudem hauen Henchmen wie Omar (Sid Haig) immer wieder zynische Sprüche raus, etwa wenn Omar dem Chauffeur eines zu Tode geschleiften Rivalen einen Job in Vitronis Syndikat anbietet, da er ja nun eine neue Beschäftigung brauche.
Sid Haig, der mit Grier auch noch „Foxy Brown“, „The Big Bird Cage“, „Frauen in Ketten“ und „Jackie Brown“ drehte, sorgt trotz weniger Screentime für ordentlich Leben in der Bude als Handlanger, der mit trocken-menschenverachtendem Witz zu jeder Schandtat bereit ist. Pam Grier spielt als toughe Rächerin ebenfalls stark auf, ähnlich wie Robert DoQui als selbstherrlicher Pimp im grellen Outfit. Dagegen ist Allan Arbus als klischeehafter Mafia-Fuzzi doch eher blass, so wie auch der Rest der Nebendarsteller bestenfalls routiniert daherkommt und manchmal auch reichlich chargiert.
Für Schauwerte ist aber gesorgt, zumindest soweit der Budgetrahmen es zulässt. Immer wieder rechnet Coffy mit fieseligen Subjekten ab, die überfahren, erschossen oder erstochen werden, wobei die patente Krankenschwester mit Rächer-Talenten auch mal Rasierklingen in ihrem Afro versteckt oder die Gegner mit anderen Listen täuscht. Die Actionszenen sind meist eher kurz, aber angenehm ruppig und mit einigem Kunstbluteinsatz gesegnet, was zur sleazig-düsteren Stimmung des Films beiträgt. In klassischer Blaxploitation-Manier sind natürlich auch Musikeinlagen, Impressionen des Straßenlebens und das Liebesleben in der Black Community wichtiger Bestandteil des Films. Dabei zeichnet „Coffy“ seine Hauptfigur als sexuell selbstbestimmte Frau, die sich an den Politiker gebunden hat, aber ihren Willen durchsetzt und sich den Flirtereien ihres Cop-Kumpels nicht ganz entzieht. Der darf in einer ironischen Szene einen aufdringlichen weißen Creep so verscheuchen wie es sonst umgekehrt im Mainstreamfilm oft dargestellt wurde.
Dieses typische Blaxploitation-Potpourri wird in einen relativ handelsüblichen Selbstjustizplot integriert, der wenig Neues bietet und bei dem die Schurken eigentlich von Anfang an feststehen, da sie stadtbekannt, aber gut beschützt sind. So passiert, einen Twist im letzten Drittel mal ausgenommen, genau das, was man erwartet, wenn Coffy die Organisation der Schurken infiltriert und diese dezimiert, aber die meiste Zeit über hat das Style und Tempo. Nur in dem Moment, in dem seine Hauptfigur einmal in Gefangenschaft gerät, da ist „Coffy“ ähnlich undynamisch wie die Protagonistin in dieser Situation und tritt auf der Stelle. Erst wenn diese Situation aufgelöst und der unschöne Hänger beseitigt ist, nimmt Hills Film wieder Fahrt auf und beweist damit: „Coffy“ lebt vor allem von Coffy.
„Coffy“ ist daher ein eher einfacher Film, teilweise auch recht schmierig, nicht frei von Hängern, aber auch mit gelegentlichem subversivem Potential, ruppigen Schauwerten, schickem Blaxploitation-Style und einigem Druck. Nicht die Krone des Blaxploitation-Films, aber schon ein kleiner, fieser Reißer, der mit seiner rauen Kraft und seinem Style so manche Schwäche vergessen macht.