Review
von Leimbacher-Mario
Kissenschlacht
Zwischen Hippie-Drogentrip und Horrortrash, zwischen Laken und Magen, zwischen Quatsch und Kunst - „Death Bed: The Bed That Eats“ ist vollkommen gaga und jede Sichtung wert! So richtig habe ich nicht kapiert, was da abging, aber die „Story“ geht in etwa so: ein Mann ist hinter einem Bild eingemauert und erzählt recht hochtrabend und poetisch von dem schmatzenden, hungrigen Killerbett, das in dem Zimmer vor ihm wacht. Wie es entstanden ist, was es schon alles über die Jahrzehnte weggesnackt hat und wie er persönlich zu dem tödlichen Schlafgemach steht, auf das sich gerade die nächste Gruppe von möglichen Appetithappen legt...
Was. Zum. Teufel. Ist. Denn. Das???!?
Ich dachte „Bed of the Dead“ wäre vor ein paar Jahren als erstes auf diese abstruse Idee gekommen, doch da habe ich mich wohl mächtig geirrt... Dieses Kuriosum aus dem letzten Drittel der 70er ist kaum zu beschreiben, mit nichts zu vergleichen. Der oft gescholtene Satz „Das muss man sehen, um es zu glauben!“ trifft hier wirklich mal zu. Eine Art Verdauungs-Wasser-Bett, esoterische Stimmung, ein paar freigelegte Busen, keine wirklich zusammenhängende Handlung geschweige denn Figuren, die man kennenlernt, mag oder um die man bangt. Null Spannung oder Horror. Und dennoch hängt man an dieser Matratze wie an einem effektiven Joint. Bizarr und verrückt. Er kann einlullen, verwirren, einschläfern. Aber selbst im Halbschlaf schlägt er einen noch in seinen Bann. Irgendwie. Magisch. Trashig. Benebelt. Nicht von dieser Welt. Ich weiß nicht, ob ich ihn nochmal sehen will und ob ich überhaupt das Wichtigste verstanden habe - vergessen, so viel ist sicher, werde ich ihn jedenfalls nicht schnell. Wahrscheinlich nie. Ein wenig klarer und goriger hätte die pissgelbe Suppe allerdings sein können. Hier sind Körperflüssigkeiten auf der Bettdecke das kleinste Übel... Ätzend, auf seine eigene Weise, zerstückelt und unfertig, dilettantisch und faszinierend. Nicht gut - aber super interessant, von der Entstehung über seine (oft illegalen) Veröffentlichungen, die verschollenen Beteiligten bis zu den skurrilen 77 Minuten selbst. Alles wunderschön daneben.
Fazit: einer der psychedelischsten Horrorfilme ever. Weird und irgendwie wonderful. Ein schmatzendes Bett, blutige Kissen und eine siffige Matratze. Wenig Sinn, umso mehr Mood. „Death Bed“ ist wie ein verfaulter Picasso. Aus einer anderen Dimension. Ein unvergesslicher, nur sehr schwer dechiffrierbarer Trip. Obskures Randkino. Komisch. Selbst für erfahrene Zuschauer.