„Der Greifer“ ist ein recht unterhaltsamer Actionthriller, mit dem Belmondo seinen Ruf als Star harter Polizeifilme festigte, doch an Referenzwerke wie „Der Profi“ oder „Angst über der Stadt“ kommt er nicht heran.
Der Held ist zwar nicht direkt Polizist, aber fast: Der ehemalige Großwildjäger Roger Pillard (Jean-Paul Belmondo), genannt der Greifer, der von den Behörden immer zur Hilfe gerufen wird, wenn es an besonders kniffelige Undercoverjobs geht. Getreu seiner früheren Tätigkeit behauptet Pillard der Mensch sei die gefährlichste Beute und hat damit stets Erfolg, auch wenn die Auftaktszenen etwas arg unspektakulär ausfällt.
Gleichzeitig wird Frankreich von einer Serie brutaler Raubüberfälle erschüttert, deren Täter einfach nur Die Bestie (Bruno Cremer) genannt wird. Die Bestie tötet stets alle potentiellen Zeugen, darunter auch die Gehilfen. Doch einer überlebt und mit dessen Hilfe will der Greifer seine größte Jagd veranstalten…
„Der Greifer“ gehört mal wieder zu jenen Filmen, die vor allem von ihrem Star und der Stimmung leben. So darf Pillard so wie eigentlich alle Belmondo-Charaktere reichlich Sprüche klopfen, die gewohnt treffend und flapsig daherkommen. Im Kontrast dazu stellt Die Bestie einen wirklich kaltblütigen und eindrucksvollen Fiesling dar, dessen skrupelloses, mörderisches Vorgehen immer einen Kontrast zum flapsigen Pillard bildet. So schraubt das Finale der Hatz die Sprüche zurück und schlägt ernstere Töne an – dank sicherer Regie und passender Musikuntermalung kommt dabei auch die richtige Spannung auf.
Leider ist Spannung sonst teilweise etwas dünn gesät, was vor allem Script liegt. Dies bietet durchaus Kurzweil, da „Der Greifer“ mit reichlich Tempo abläuft, doch die Jagd auf Die Bestie ist eher eine Art roter Faden. Stattdessen verhaftet Pillard nebenbei noch einen korrupten Kommissar, lässt einen Ausbrecherring auffliegen und rechnet mit den Schergen eines rachsüchtigen Drogenkartells ab. Ja, bis Die Bestie das erste Mal auftaucht, sind rund 30 Minuten Film um, denn dramaturgische Geschlossenheit kann „Der Greifer“ kaum aufweisen, stattdessen ist die Chose eher ein Konglomerat von Einzelfällen, die Pillard löst. Auch über kleine Logiklücken und Unglaubwürdigkeiten (ausgerechnet der einzige Zeuge hat Die Bestie schon mal vorher in seinem Leben getroffen).
Für die Drehbuchschwächen entschädigen die Actionszenen, von denen es zwar keinen Overkill gibt, die aber immer in schöner Regelmäßigkeit kommen. Schöne Stunts wie einen Sprung von einem Laster in einen Sandhaufen gibt es immer mal wieder zu bewundern, mal wieder von Belmondo selbst ausgeführt, die obligatorischen Faustkämpfe sind hingegen nur Standard. Dafür greifen der Greifer und seine Opponenten öfter mal zur Flinte (oder anderen Schießprügeln), sodass einige gute gemachte und zudem auch relativ blutige Shoot-Outs das Geschehen auflockern. Der Showdown ist eher unspektakulär, dafür überzeugt das finale Duell mit Derbheit (u.a. stechen die Kontrahenten mit einer abgebrochenen Flasche aufeinander ein).
Zudem spielt Jean-Paul Belmondo seine Paraderolle als harter Gesetzeshüter mal wieder ebenso launig wie überzeugend, während Bruno Cremer als eiskalter Killer herausragend boshaft agiert. Die Nebendarsteller bucht man hingegen besser unter Standard ab.
Sicher ist „Der Greifer“ kein herausragendes Belmondo-Werk, hat aber wieder flapsige Sprüche und gut gemachte Actionszenen zu bieten, sodass Genrefans durchaus ihren Spaß haben, sofern sie das wenig geschlossene Script nicht allzu kritisch betrachten.