In Hollywood gibt es einige großartige Talente im Bereich Comedy, wenn sich diese dann auch noch aus den Niederungen des Fäkal und Kopulationshumors erheben, kommen wirklich großartige Komödien dabei heraus. Will Ferrell ist so ein Talent, und Anchorman ist so ein Film.
Die Geschichte von Ron Burgundy (Ferrell) spielt im San Diego Mitte der siebziger Jahre. Der etwas unterbelichtete, aber sehr von sich überzeugte Nachrichtensprecher von Channel 4 News, ist König bei den Quoten und bei den Frauen. Das glückliche Dasein des Newsteams wird auf eine harte Probe gestellt, als mit der aufstrebenden Karrierefrau Veronica Corningstone (Christina Applegate) eine attraktive Frau seinen Job will und das in einer Zeit als der Begriff Gleichberechtigung eventuell in den vernebelten Gehirnen aufstrebender Feministinnen existierte.
Dass ein von einem begnadeten Komiker erschaffener Charakter, so witzig er auch sein mag, nicht immer reicht um einen kompletten Kinofilm zu tragen hat Ben Stiller’s Zoolander gezeigt. Zwar stellenweise sehr komisch, wiederholten sich die Gags, die fast alle auf der Dummheit der Helden beruhten doch recht schnell. Anchorman basiert auf demselben Prinzip, auf einem sehr ähnlichen Humor, nur funktioniert es hier viel besser. Die Figuren sind anscheinend geistig alle etwas unterentwickelt und lassen allerlei Dummheiten von sich, die von ihrem jeweiligen Gegenüber meist mit noch dümmeren Antworten überboten werden. Das Drehbuch ist clever genug den Nebencharakteren genügend Raum zu geben um eigene Präsenz zu entwickeln. Und so spielen sich Ron und sein Team gegenseitig die Gags zu, wie rumalbernde Kinder. Das mag dem ein oder anderem primitiv erscheinen, funktioniert aber über die gesamte Spieldauer hervorragend, allen voran ist es das, was es in einer Komödie auch sein sollte, verdammt witzig. Der Anteil an Gags, der nicht auf dem begrenzten Auffassungsvermögen der Nachrichtencrew basiert ist eindeutig sexistisch, was vom Plot und der Epoche her rührt. Für große Augen sorgen einige lustige Gastauftritte bekannter Comedy-Größen wie Jack Black. Überhaupt, welcher andere Film kann schon von sich behaupten eine Straßenschlacht bieten zu können, in der sich Will Ferrell, Vince Vaughn, Tim Robbins, Ben Stiller und Luke Wilson mit Schwertern, Pfefferstreuern und Nagelkeulen die Köpfe einschlagen.
Will Ferrel’s Leistung ist schon beeindruckend, er macht aus diesem Deppen Burgundy einen Sympathieträger, dessen Existenz niemand anzweifeln wird, so lebensecht geht er in dieser Rolle auf. Die anderen männlichen Darsteller sind auch durch die Bank weg gut, und übertragen die gute Laune, die sie offensichtlich beim Dreh hatten, auf den Zuschauer. Christina Applegate, na ja sie sieht natürlich toll aus, aber sie für die intelligenteste Person im Film zu besetzen ist recht gewagt, sie ist zweckmäßig und komisch aber definitiv keine gute Schauspielerin. Kritik könnte man an der Tatsache anbringen, dass die Story nur zum losen Zusammenhang der einzelnen Comedyszenen dient und das ganze mehr wie eine anderthalb Stunden Gag-Parade daherkommt und nicht wie ein durchgehender Film. Aber in dem Genre ist das erlaubt, solange man das Publikum kontinuierlich zum lachen bringt und darin ist Anchorman spitze.
Fazit: Außer ein paar Randgruppen, wie Frisören, Modeberatern und Frauen ohne Humor, sollten sich eigentlich alle wunderbar an der Geschichte von Ron Burgundy erfreuen können. Anchormann ist ebenso charmant wie witzig, dazu schafft er, durch das tolle 70er Jahre Setting inklusive passendem Soundtrack, eine überzeugende Atmosphäre. Der Humor strotzt zwar nicht gerade vor Doppeldeutigkeiten und Ironie, bleibt aber immer über der Gürtellinie und kontinuierlich auf hohem Niveau. Eine der besten Komödien 2004.
(PS: Das Review basiert auf der Unrated US-DVD (104min), ob der Humor in der deutschen Übersetzung erhalten geblieben ist, oder ob die fehlenden Szenen in der Kinofassung den Film schlechter machen ,kann ich nicht beurteilen.)