Angeheizt durch den Erfolg von Filmen wie „Nur 48 Stunden“ und vor allem „Lethal Weapon“ boomten Buddy Movies bzw. Buddy Cop Movies Ende der 80er, anno 1989 schickte man gleich zweimal die Kombi Bulle plus Hund auf Streife.
„Turner & Hooch“ alias „Scott & Huutsch“ ist der familienfreundlichere der beiden jugendfreien Streifen, lässt einen zum Drehzeitpunkt vor allem für Mainstreamkomödien bekannten Hauptdarsteller von der Leine. Polizist Scott Turner (Tom Hanks) ist ein Ordnungsfanatiker, der bei einem Senffleck im Kühlschrank gleich das komplette Gerät reinigt, der aus der Kleinstadt in die Big City wechseln will. Während die ersten Minuten den Saubermann bei seiner Sortierwut zeigen ist klar, dass der gegensätzliche Partner zu einem steifen Hemd nur der absolute Chaot sein kann.
Dieser Buddy in spe ist jedoch kein Mensch, sondern ein Hund: Hooch, der Hund eines Freundes von Scott. Hooch sabbert, ist bullig und macht Unordnung, was in der Bruchbude seines Besitzers am Hafen wenig ausmacht. Als dieser aber potentieller Zeuge eines Mordes in der Fabrik nebenan wird, erdolchen die Strolche ihn sicherheitshalber. Natürlich ahnt der Zuschauer bereits, dass am Strand gefundenes Geld, das Turner und sein Kollege David Sutton (Reginald VelJohnson) konfiszieren, ebenfalls mit der Sache zu tun hat.
Hooch ist der einzige Zeuge des Mordes an seinem Besitzer, weshalb Scott, besessen von der Idee den Fall zu lösen, das Tier mit zu sich nimmt. Danach ist jedoch vorbei mit Ruhe und Ordnung im Eigenheim…
„Turner & Hooch“ hat sichtlich Spaß daran das Chaos in Scotts Puppenstube einbrechen zu lassen, seine heile Welt in mehrerlei Hinsicht kaputt zu machen. Leider laufen sich die Gags zu Tode, nachdem das Tier dann den x-ten Einrichtungsgegenstand zerdeppert, angekaut oder vollgesabbert hat, da ist die Luft raus. Immerhin bietet der Film seinem Hauptdarsteller Raum sein komödiantisches Talent einzusetzen, wenn dieser einen Nervenzusammenbruch nach dem anderen spielen darf, den Hund wie einen menschlichen Partner anspielen und -schreien kann und das Tier gleichzeitig vermenschlicht. Tatsächlich sind die vielleicht witzigsten Szenen die, in denen Copfilmroutine mit einem Hund als Partner durchgespielt wird, z.B. wenn Scott und Hooch eine nächtliche Oberservierung vornehmen und Scott die Zeit mit reden zu überbrücken versucht.
Die tierische Action, die das deutsche Filmplakat bzw. Cover versprechen, sucht man lieber nicht zu genau, denn eine kleine Verfolgungsszene und ein Saubermannshowdown, in dem Scott einen Übelwicht eher versehentlich erschießt, sind da das Äußerste der Gefühle, man will die lieben Kleinen im Publikum ja nicht überfordern. Der Kriminalfall ist hier eh bestenfalls sekundär, die Ermittlungsarbeiten beschränken sich auf wenige Szenen, den entscheidenden Hinweis erhalten Scott und seine menschlichen Partner dann, wenn der Messerstecher sich gegenüber des Polizeireviers herumtreibt und Hooch ebendiesen erschnüffelt.
Ebenso wenig komplex ist der Subplot um Scott und die Tierärztin Emily Carson (Mare Winningham), auf deren Hündin Hooch abfährt: Ein Mensch-Tier-Doppeldate ist da noch amüsanteste Moment dieses Parts, der Rest ist brave Routine, denn am Ende entscheidet sich Scott natürlich für die Frau und fürs Verbleiben in der Kleinstadt, wobei sein drohendes Wegziehen ehrlich gesagt sowieso reichlich redundant für den Film ist. Der Plot bleibt vor allem Schaubühne für die Tiertricks, die sind aber auch wirklich erste Sahne (und werden deshalb während des Abspanns noch mal vorgeführt).
Es ist nicht Tom Hanks stärkste Rolle, die Dogge stiehlt ihm aber auch nicht die Show, sondern liefert den Chaoten, an dem sich Hanks’ ernster Typ reiben kann, was Hanks mit Timing und Elan tut. Reginald VelJohnson und Craig T. Nelson liefern guten Support in gewohnten Coprollen, Mare Winningham spielt das typische Love Interest-Frauchen und kommt dabei wenig zum Zuge, da das Drehbuch ihr nur selten pfiffige Dialoge serviert.
„Turner & Hooch“ ist ein netter Feierabendfilm, der keinem groß wehtun möchte, für die ganze Familie Unterhaltung bieten soll und im Plotbereich dementsprechend einfach daherkommt. Hanks’ komödiantisches Timing und die Tiertricks machen das Ganze durchaus sehenswert, aber angesichts der wenig fesselnden Geschichte und des simplen Rezepts kann der Film leider nur teilweise überzeugen.