„Wenn uns das Vaterland so lieben würde, wie wir es lieben !“
Diesen Wunsch äußert Rambo zum Schluß des Filmes und diese Worte sind dem Film irgendwie zum Verhängnis geworden. Man sieht allein daran, daß Dionysos hier in den Reviews diese Worte falsch zitiert (er macht aus dem „Wir“ ein „Ich“, vielleicht um es noch zu betonen) ,wie mißverstanden der Vaterlandsbegriff auch heutzutage noch ist.
Vaterlandsliebe wird immer noch mit Nibelungentreue zu den Regierenden und deren Zielen verwechselt. Dabei ist das ein sehr aktuelles Thema, oder will jemand behaupten, daß diejenigen ,die in den USA gegen Bush und den Irakkrieg protestieren, Vaterlandsverräter sind ?
Im Grunde wird Stallone bei diesem Film zum Menetekel, daß er diesem „Actionfilm“ einen realen Hintergrund gibt. Gewohnt ist man, daß ein Kommando wie z.B. in „Predator“ irgendein südamerikanisches Nest aushebt. Das ist so schön anonym, daß man es gleich wieder vergißt...
Warum hat sich Stallone nicht genauso entschieden ,um möglichst ideologiefrei die Leute platt zu machen ?
Weil er den in Rambo 1 begonnenen Weg konsequent fortgesetzt hat. Auch wenn er hier nicht mehr den gebrochenen, selbstzweifelnden Eindruck macht, so sollte man nicht vergessen, daß er auch in der 2.Hälfte des ersten Teils schon zu seinen Einzelkämpferfähigkeiten wieder zurück fand.
Der erste Teil, der nicht nur den Vietnamkrieg als solchen kritisiert, sondern auch die Mißachtung der amerikanischen Regierung gegenüber seinen Soldaten (siehe auch hier den „Irakkrieg“), wurde immer die verdiente Anerkennung zuteil, weil Rambo eben auch NUR gegen amerikanische Bürger, insbesondere Polizisten kämpfte. In Rambo 2 geht er einen umstritteneren Weg....
Kurzer privater Einwurf : ich habe mir „Rambo 2“ erst 20 Jahre nach seinem Erscheinen zum ersten Mal angesehen, obwohl ich schon sehr lange Fan des ersten Teils bin, eben weil ich genau die oben beschriebene Haltung eingenommen hatte. Diese allgemeine Haltung – der ich mich ja ohne mir selbst ein Bild zu machen anschloß – speiste sich nicht zuletzt auch aus der allgemeinen Haltung der 80er Jahre, in der „Gewaltfilme“ aus Hollywood per se schon im Verdacht standen, amerikanische Großmannssucht zu befriedigen.
Dadurch entstand das Vorurteil zu „Rambo 2“, daß er hier den Vietnamkrieg quasi im Nachhinein doch gewinnen wollte.
Interessant ist bei der Betrachtung eines solchen Werkes, wie sehr gerade aktuelle Strömungen in der Politik und der damit verbundenen Massenmeinung, Auswirkung auf die Beurteilung haben. Eine objektive Stellungnahme ist im Prinzip nicht möglich und ich befürchte, daß ich , wenn ich mir den Film schon damals angesehen hätte, trotzdem zu keinem anderen Urteil gekommen wäre....
Dabei ist dieses Vorurteil schlichtweg falsch. Das Hauptthema, das Amerika seine Kämpfer im Stich ließ und diese durch das Verhalten der Regierung dem Feind ausgeliefert wurden, wird hier noch stärker betont als im ersten Teil.
Rambo, der Aufgrund seiner Verfehlungen in „Rambo“ schon einige Jahre im Knast sitzt, wird von seinem alten Führungsoffizier herausgeholt, um Aufklärungsarbeit im vietnamesischen Dschungel zu leisten. Er soll fotographisch nachweisen, daß sich 10 Jahre nach dem Ende des Krieges noch amerikanische Soldaten in vietnamesischer Gefangenschaft befinden.
Doch schnell stellt sich heraus, daß Rambo wieder (wie schon im sonstigen Krieg) nur als Bauernopfer herhalten soll.
Die amerikanische Regierung will überhaupt Niemanden mehr befreien – das ergäbe viel zu viele diplomatische Schwierigkeiten – sondern will ihn benutzen, um das Gegenteil nachzuweisen, nämlich das es keine amerikanischen Kriegsgefangenen mehr gibt.
Als sich Rambo dann nicht (aus gutem Grund) an die Befehle hält, bekommt er Probleme mit seinen eigenen Leuten...
Auf Grund dieser Rahmenbedingungen wurde oft der Blick auf die tatsächlichen Qualitäten des Films verdeckt, der ansonsten nach klassischem Muster verläuft, in dem der Held erst einmal soviel erleiden muß, daß er sozusagen vom Publikum die Zustimmung bekommt ,ohne weitere Fragen seinen Feldzug durchzuführen.
Dadurch das es sich bei diesen „Bösen“ um russische und vietnamesische Soldaten handelt, könnte der Verdacht aufkommen, hier wird ein Ersatzkrieg geführt. Aber der Film läßt keine Zweifel daran, daß es sich bei dem Geschehen um eine überschaubare Größenordnung handelt. Das die Auseinandersetzung insgesamt persönlicher Art ist.
Es gibt keine verallgemeinernden Aussagen über die vietnamesischen Soldaten, die ja im Grunde nur ihren Job machen, auch der sadistische russische Offizier hat eher einen singulären Charakter. Und Rambo sucht keineswegs den direkten Weg der Rache - einigen seiner Widersacher begegnet er nur, weil diese ihn wieder angreifen.
Die Haltung der amerikanischen Regierung wirkt dagegen deutlich fieser und ich kann mir kaum Jemanden vorstellen, der diese Kerle nicht am unsymphatischsten findet.
Natürlich muß man diesen Film auch bezüglich des Actiongenres historisch einordnen. Filme mit wortkargen Einzelgängern, die es alleine mit einer schwerbewaffneten Armee aufnahmen, waren damals noch Neuland und dem Film kann man eine gewisse Zeitlosigkeit bzgl. Timing, Umsetzung und nachträgliche Befriedigung attestieren.
Fazit : wenn man sich von der ideologischen Schiene löst, bleibt ein Film mit einer nachvollziehbaren Grundstory, die durchaus kritische Konflikte bietet als Voraussetzung für einen emotionalen Rahmen. Mit diesem Rüstzeug gelingt eine grandiose Umsetzung mit dem entsprechend befriedigenden Ergebnis : Action in Reinkultur (7,5/10).