Nach seinem Amoklauf ist John Rambo, gespielt von Sylvester Stallone, in einem Gefangenenlager untergebracht, bis schließlich sein ehemaliger Colonel auftaucht, der ihm ein Angebot unterbreitet und ihm Straffreiheit verspricht. Er soll wieder nach Vietnam geschickt werden, wo er Kriegsgefangenenlager, in denen amerikanische Soldaten festgehalten werden, aufspüren und Fotos von diesen schießen soll. Der, im Grunde friedliche Auftrag, gerät jedoch außer Kontrolle.
"Rambo" überzeugt sowohl aufgrund seiner Action-Szenen, aber auch, oder gerade wegen der gelungenen Charakterstudie, die von Rambo, dem traumatisierten Veteran gezeichnet wurde. Gerade deshalb ist diese Fortsetzung im Prinzip ein grobes vergehen am Original. Der verletzliche Heimkehrer, der sein Trauma nicht überwinden kann ist nun ein, dem Action-Kino der 80er angepasster, gestählter Übermensch, der keine Träne verliert, als seine Begleiterin getötet wird, der am laufenden Band Menschen tötet, ohne Skrupel zu bekommen und bedenkenlos zurück nach Vietnam kehrt, das ihm schon einmal die Hölle auf Erden bereitet hatte. Hier verschenkt der Film das Potential der Vorlage absolut fahrlässig und bleibt deshalb hinter seinem Vorgänger zurück.
Darüber hinaus war die Handlung in "First Blood" noch unvorhersehbar und baute so durchaus Spannung auf, hier passt man leider auch den Ablauf des Films an das menschenverachtende, vollkommen hirnlose Actionkino der 80er an und liefert eine vorhersehbare, stereotype und klischeehafte Handlung, die allenfalls als Vehikel für die Actionszenen ausreicht.
Wenn "Rambo 2" schon nicht die Tiefe des Vorgängers erreicht, sind es wenigstens die Action-Szenen, die den Film deutlich aufwerten. Ein sonderlich großer Fan solcher Action-Machwerke bin ich eigentlich nicht, aber "Rambo 2" ist noch das Beste, was das Genre hervorgebracht hat und wurde damit nicht umsonst neben "Phantomkommando" zum Aushängeschild des 80er-Jahre-Actionkinos. Regisseur George Pan Cosmatos, der anschließend mit "Die City-Cobra" dem Genre treu blieb liefert Nahkampf-Szenen und vor allem Pyrotechnik der Superlative, eine Action-Szenen jagt die nächste und so unterhält diese enorm kurzweilige Materialschlacht durchaus über die volle Laufzeit. Die Brutalität ist, selbst mit anderen Filmen des Genres verglichen sehr hoch und menschenverachtend, der Bodycount sprengt alle Dimensionen, passt aber ganz gut in den Film und wurde spätestens mit "Rambo 3" zum Aushängeschild der Reihe. Die Actionszenen sind durchaus gut in Szene gesetzt und, da Cosmatos zwischen den Actionszenen das Tempo beschleunigt, fällt die schwache Story zum Glück weniger ins Gewicht, auch wenn der Film so rein gar nichts mehr mit seinem Vorgänger gemein hat.
"First Blood" war zudem sehr atmosphärisch, aber in Anbetracht der enormen Kurzweiligkeit und der hohen Dosierung der Action-Szenen gelingt dies hier nicht, dafür gibt es aber handwerklich sonst nichts mehr zu bemängeln. Der Score von Jerry Goldsmith, der schon beim ersten Teil für die Filmmusik zuständig war, ist gut gelungen und unterlegt die Action-Szenen hervorragend. Die Kulisse Vietnams ist ebenfalls gekonnt in Szene gesetzt und besticht durchaus durch die eine oder andere malerische Aufnahme.
Nachdem er bereits zwei "Rocky"-Sequels gedreht hatte, die nicht an das Original herankamen, liefert Sylvester Stallone, der die Rolle eigentlich niemals ein zweites Mal hätte übernehmen dürfen, auch ein schwächeres "Rambo"-Sequel ab. Während er aber im ersten Film nicht so gut spielte, wie es seine Rolle verdient gehabt hätte, reichen sein mimikarmes, unbeholfenes Spiel und seine beeindruckende Physis diesmal voll aus, um seinen flachen Charakter gut genug auf die Leinwand zu bringen. Dafür, dass er den Niveausturz Rambos nicht verhindert hat, hat er sich seine goldene Himbeere für die Rolle dennoch redlich verdient. Richard Crenna macht sich ebenfalls ganz gut und ist als Colonel, der Rambo unterstützt durchaus sympathisch und auch der restliche Cast überzeugt durchaus, wobei vor allem Charles Napier, der ein gutes Feindbild abliefert, herausstricht.
Fazit:
Die Figur des John Rambo, die in "First Blood" noch als vielschichtig konstruierter, traumatisierte Vietnam-Veteran durchaus Tiefe hatte, ist zu einem stählernen, unmenschlichen Helden abgewertet worden und auch die Handlung könnte kaum stereotyper und stupider sein. Dennoch unterhält "Rambo 2" im Großen und Ganzen mit seinen gelungenen, wohlwollend dosierten und brutalen Action-Szenen, seinem schnellen Erzähltempo, sowie dem ordentlichen Cast durchaus, bleibt aber dennoch hinter seinem Vorgänger zurück.
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