Review

... wo wir auch mal wieder bei John Rambo wären. Nachdem sich der erste Teil rund um den muskelbepackten Sunnyboy als erstaunlich erfolgreich herausgestellt hatte, war es natürlich nur eine Frage der Zeit, bis die obligatorische Fortsetzung im Raum stand. Nachdem Rambo sich im hochgelobten ersten Teil einen Kleinkrieg in einer Stadt geleistet hat, darf er im Sequel durch den Dschungel hüpfen und finstere Vietnamesen vom Baum ballern.

So actionüberladen das Original auch war, man musste ihm einen gewissen Reiz zusprechen. Trotz der maßgebenden Rumballerei hatte "Rambo" noch ein bisschen Dramaturgie. Ein Mann, der für sein Land gekämpft hat, wird von eben diesem Land plötzlich ausgegrenzt; im Stich gelassen. Das ist gefühlsmäßig zwar nicht der Kracher, aber hätte der Film auch eine schnulzige Handlung gehabt, wäre es eben nicht Rambo. Trotzdem verstand man Rambos Anliegen und die leise Dramatik dahinter. Bei der Fortsetzung hat man sich dann (leider) sparsamerweise den leisen Unterton völlig verkniffen.

Johnny Rambo büßt nun also seine Strafe in einem Steinbruch ab und wird eines Tages von seinem Vertrauten Col. Trautman besucht, der Rambo ein Angebot macht, das er nicht ablehnen kann: Gegen den Einsatz seines Lebens in Vietnam - wo er Kriegsgefangene finden soll - wird ihm im Falle einer erfolgreichen Mission die Freiheit geschenkt. Da kann Rambo (Sternzeichen: Maschinengewehr) natürlich nicht nein sagen. In Vietnam angekommen, findet er zwar Kriegsgefangene, wird aber von dem Leiter der Mission - einem gewissen Murdock - hintergegangen. Rambo wird als Geisel genommen, weiß sich aber im Laufe der Zeit wieder zu helfen.

Der Ausflug in die "grüne Hölle" ist insofern logisch, da Rambo im ersten Teil Alpträume seines Einsatzes dort verfolgten. Nun muss er sich diesen Alpträumen stellen. Das kann spannend werden, könnte sogar den leisen Unterton des Vorgängers aufgreifen, aber denkste. Man baut auf eine altbekannte Schlacht, voller Blut und Gewalt, während alles im Rahmen der "Freiheit für amerikanische Kriegsgefangene" getan wird. Klar, für n' Haufen Tote braucht man immer ne' Ausrede. Gesagt, getan. Rambo macht sich auf die Socken, und findet erstmal etwas vor, was man so bei Rambo noch nicht gesehen hat: Eine Frau.

Die entpuppt sich als Rambos Kontaktperson, und als wäre es schon schwachsinnig genug, eine völlig gewaltbereite Frau ohne Skrupel ins Geschehen zu mischen, entwickeln sich zwischen ihr und olle Rambo auch noch Gefühle. Nichts großes, aber Gefühle. Das wirkt im Laufe der Handlung allerdings arg aufgesetzt, vor allem in der Szene, wo sie ihn lieb fragt, ob er sie mit nach Amerika nimmt und sie kurz darauf erschossen wird. Rambo greift zur Knarre und ballert die Gegner zähnefletschend um. Hätte nur noch gefehlt, dass er gen Himmel starrt und "Neeeeein" brüllt.

Kann der Film denn wenigstens durch spannende Szenen unterhalten? Nun, trotz weitreichenden Actionszenen wird das bunte Treiben hier manchmal etwas langweilig und überraschungslos, weil man mittlerweile weiß, dass sich der Schützenheld auch wirklich aus jeder Situation von eigener Hand befreien kann. Dadurch werden häufig wirklich intensive Szenen unterbrochen. Ziemlich gut und hart zum Beispiel die Sache mit dem Verhör und dem "mürbe machen", bei dem Rambo mit elektrischen Schocks bearbeitet wird. Und wenn man sich schon an den Fingernägeln kauend denkt, dass es das jetzt für Rambo gewesen sein muss... zieht der wieder ein Ass aus dem Ärmel und überwältigt gefühlte hundert Feinde nur mit Messer und Faust.

Besonders der Feind an sich wird hier wieder reichlich klischeehaft vorgeführt. Bei den Vietnamesen also das altbekannte Debakel, wie man es schon aus jedem Film über den Vietnam-Krieg denkt: Kleine, gelbe, fiese und grundböse Gesellen, die nur töten, Sex und Spaß an Gewalt im Sinn zu haben scheinen. Irgendwo im Film wird dezent gesagt, dass die amerikanischen Gefangenen Familie haben, und um Himmels Willen, die haben Angst um ihre im Krieg verschwundenen Männer! Schön und gut, als ob die Vietnamesen, die Rambo der Reihe nach die Birne wegpustet keine Familien hätten. Und wie gesagt, am Ende sterben auch mal wieder deftig viele Gegner, und das will der (amerikanische) Zuschauer wohl auch nur sehen: Die Rache des Amis an den gelben Männern, die ihnen im Krieg eine verlustreiche Niederlage beschert haben... Au Man.

Letztlich überzeugt Rambo nur wirklich durch seine Spannung, den durchaus sehenswerten Helikopterszenen und Stallones herrlich untalentierten Schauspiel. Es ist einfach auf eine Art wunderbar, wenn Stallone mit seinen Dackelaugen direkt zum Zuschauer blickt. Stallone soll ja auch mit am Drehbuch getüffelt haben. Er war bestimmt für die Dialoge des eh dialoglastigen Films zuständig... auf den Punkt gebracht also Rambos Wortschatz: "Ja", "Nein", "Einen Scheiß mach ich"... hatte ich schon "Ja"?

Fazit

Durchaus spannende, wenn auch typisch amerikanische Ballerorgie, in der die Amis einmal mehr zum gequälten Volk und die Vietnamesen zu den abgrundtiefen bösen Schreckgespenstern werden - am Ende hat man null Sinn und leise Dramatik, dafür umso mehr Blut, Rumballerei und Geschrei.

5/10

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