Jane Fonda spielt eine allein erziehende Witwe, die in einer Großbäckerei arbeitet und eines Tages zufällig einen allein stehenden Koch, gespielt von Robert de Niro, kennen lernt. Die beiden schließen schnell Freundschaft und stehen kurz vor einer Liebesbeziehung. Darüber hinaus bittet der Koch, bei dem es sich um einen Analphabeten handelt, seine Freundin, ihm das Lesen beizubringen.
Wie bei vielen Romanzen ist auch bei "Stanley und Iris" Edelkitsch durchaus vorhanden. Die Handlung erfindet auch bei dieser Romanze das Genre nicht neu und durchläuft vom Kennen lernen, über die Annäherung der beiden Personen, über die scheinbare Trennung bis hin zum Happy End alle Stationen, die man sich von einem Genrefilm erwartet, ohne dabei zu überraschen, ohne auch nur auf eine einzige Stereotype des Genres zu verzichten. Die Charaktere sind dabei ebenfalls nicht klischeefrei und nicht allzu tief konstruiert. Bei beiden steht eine sympathische Konstruktion im Vordergrund, darüber hinaus verläuft die Handlung im Großen und Ganzen zu glatt ab, um realistisch zu wirken, um "Stanley und Iris" zum ernsthaften Drama aufzuwerten. Wobei dieser glatten, mitunter etwas kitschigen, stereotypen Story zu Gute zu halten wäre, dass das Konzept souverän durchgezogen wird und, dass der Film erst gar nicht versucht mehr zu sein, als er ist.
Bei dem, was Regisseur Martin Ritt aus dieser bodenständigen Story macht, wird "Stanley und Iris" nämlich im Endeffekt zu einer funktionierenden und unterhaltsamen Romanze. Ritt, der unter anderem "Der Strohmann" und "Nuts" gedreht hatte und nach "Stanley und Iris" schließlich verstarb, hält das Erzähltempo zu jedem Zeitpunkt genau richtig, erweckt nie den Eindruck, als sehe man ein lieblos dahingedrehtes, kurzweiliges Liebesfilmchen, verursacht aber auch nur wenig Längen, wobei sich aus der hohen Vorhersehbarkeit dennoch ein paar kleinere Brüche im Unterhaltungswert ergeben. Mit dem einfühlsamen, harmonischen Score von Komponisten-Legende John Williams und seinen beiden sympathischen Hauptdarstellern baut er dabei eine behagliche, romantische Atmosphäre auf, die über weite Strecken aufrechterhalten werden kann. Die romantischen, emotionalen Momente sind feinfühlig und versiert inszeniert, sind wegen der kalkulierbaren Story aber nicht so bewegend, wie sie hätten sein können, aber alles in allem funktioniert die Romanze durchaus als sympathische Unterhaltung für zwischendurch mit nachhaltigem Wohlgefühl.
Robert de Niro, der nach "Zeit des Erwachens" und "Jacknife" in "Stanley und Iris" zu sehen war, bevor er in "Kap der Angst" und "Goodfellas" wieder für Scorsese spielte, macht sich als Analphabet, der versucht sein Leben nachhaltig zu ändern hervorragend und brilliert in dramatischen Momenten mit seinem gewohnt starken und routinierten Spiel. Da er in seiner Rolle zudem überaus sympathisch ist und sichtlich gut mit seiner Kollegin harmoniert ist er so ziemlich die bestmögliche Besetzung für seine Rolle. Jane Fonda, für die dies der letzte Auftritt vor ihrem Comeback 2005 mit "Das Schwiegermonster" sein sollte, spielt ebenfalls gewohnt stark und passt gut in die liebenswerte Rolle.
Fazit:
Auch wenn die Story im Rahmen der Stereotypen bleibt, in dem sich Romanzen für gewöhnlich bewegen, ist der Film mit seinen beiden sympathischen Hauptdarstellern, der liebevollen Inszenierung und dem einfühlsamen Score durchaus unterhaltsam, sympathisch und romantisch, wenn auch sehr kalkulierbar.
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