Seit Tagen liegt ein dichter Nebel über der kleinen Hafenstadt Belgesund, der alles und jeden erstickt. Die Stimmung im Ort ist gespannt, alles verschwimmt im Dunst, und alles ist irgendwie gedrückt. Inmitten dieser stickigen Atmosphäre stehen fünf Personen unter Mordverdacht. Dr. Berling, Lehrer der örtlichen Privatschule, scheint von dem ermordeten Hausmeister der Schule, Palsberg, erpresst worden zu sein. Karl Jensen könnte das Geld gereizt haben, das sein Freund Palsberg mit Geschäften mit den Schülern verdient hat. Ja, die Schüler: Vor allem der junge Klaus Eriksen hatte kurz vor der Tat noch eine heftige Auseinandersetzung mit Palsberg, offensichtlich wegen gefälschter Prüfungsergebnisse, aber auch wegen hoher Schulden für die bei Palsberg gekauften Alkoholika. Und für die gekauften Prüfungen Dr. Berlings. Aber auch Klaus‘ Bruder Jakob scheint alles andere als sauber zu sein. Rotzfrech ist er jedenfalls, und er scheint seine Unsicherheit damit nur überspielen zu wollen. Und dann ist da noch Palsbergs Zwillingsbruder Erik, der das von Palsberg angehäufte Geld gut brauchen könnte, um seine eigenen Schulden zu begleichen …
Tatsächlich ist die Stimmung dieses Filmes eine astreine Übung in Noir. Nur wenige Szenen spielen im Freien, und diese Szenen sind ausnahmslos bei Nacht und in engen und bedrückenden Gässchen angesiedelt. Der Hauptteil der Handlung aber spielt in kleinen und beengenden Räumen, in Zimmern, in denen der Mief und die (Spieß-) Bürgerlichkeit wie bleischwerer Staub auf den Möbeln liegt, und in denen jede menschliche Regung erstickt wird. Dr. Berling und Ingrid lieben sich? Dass ich nicht lache, die Beziehung ist mindestens so distanziert wie die Entfernung von Belgesund in den Nachbarort. Die Ehe von Dr. Berling ist sowieso schon am Ende, die Tochter des Schuldirektors wirft ihrem Vater sehr ernsthaft vor, dass ihre Karriere als Sängerin von ihm torpediert wurde, und überhaupt besteht das Leben in Belgesund vorwiegend aus Saufen und Erpressen. Die Clique um Klaus Eriksen gibt sich locker, aber die unterschwellig vorhandene Aggressivität ist in jeder Szene zu spüren, harmlos sind die Typen nicht. Der ganze Ort birst geradezu vor unterdrücktem Hass, vor Angst, und in jedem Winkel der Stadt drücken sich Schatten herum, die niemand sehen will.
In dieser latenten Depression führt das Drehbuch nun einen etwas schrulligen Kommissar ein, der Eier isst, sich mit Zeugen Screwball-reife Wortgefechte liefert, und einen Scharfsinn wie weiland Sherlock Holmes und eine Auflösung wie Hercule Poirot liefert. Tatsächlich erinnert Kriminalrat Thomsen aber eher an Columbo, der immer noch eine Frage, die entscheidende Frage, hinterherwirft und damit ins Schwarze trifft, ansonsten aber eher ein wenig schusselig wirkt. Eine großartige Idee des Drehbuchs, dieser düsteren und unheilvollen Stimmung diesen Polizisten entgegenzusetzen, der für einige heitere Momente sorgen kann, ohne aber die Grunddüsternis dabei zu sehr zu verscheuchen. Spannenderweise vertiefen sich die Schatten im Gegenteil oft sogar, wenn Thomsen auf den Plan trifft, weil die Menschen, sowohl die Zeugen wie auch die Verdächtigen, schnell merken, dass der Mann sein Metier beherrscht, und dann die Angst erst recht zum beherrschenden Faktor wird. Zwischen engen Treppen, unpersönlichen Zimmern und dunklen Kellern regiert schnell das Misstrauen, niemandem kann man trauen, und die wenigen Freundschaften geraten ebenfalls schnell ins Zwielicht.
Kurt Hoffmann gelang das Kunststück eines deutschen Film Noir mit einer leichten humorigen Unternote, der als Murder Mystery sehr wohl etwas hermacht, aber als düstere und zwielichtige Charakterstudie im Umfeld eines Mordes erst so richtig durchstartet. Die Verortung der Handlung in einem fiktiven Ort und im dichten Nebel entrückt die Geschichte gerade soweit der Wirklichkeit, um daraus eine kleine böse Kriminalgeschichte zu stricken, in der so ziemlich alles stimmt. Und wenn am Ende der Mörder durch die dunklen Gassen flieht, sich seine Augen vor Angst mit Panik verhängen und die Stadt plötzlich vor den Schritten der Verfolger und dem Trillern der Polizeipfeifen erbebt, spätestens dann weiß auch der Zuschauer, dass gelungene Noirs nicht zwangsläufig alle aus den USA oder aus Frankreich kommen müssen. Schwere Empfehlung für Krimifans!