Review

<!--StartFragment -->Regiedebüt vom Taiwanesen Ou-Yang Sheng, der sich als Einstieg eine Integration aus Neo Noir, Mystery und Horrorversatzstücken in maßgeblicher Geduldsanstrengung gewählt hat, eine immer gleich sättigende Tortur aus unzulänglicher Gefühlsundichte. Ein Großteil übernommener Ideen stammt aus den Vierziger Jahren, in denen man anfing, seinen Mitmenschen und den Geschehnissen um einen herum selbst beim täglichen Konsum zu misstrauen, Dinge solange zu hinterfragen, bis sie entweder doch ihre Fassade oder man schlichtweg vor anhaltender Paranoia den eigenen Verstand verloren hat. "Manchmal kann ein Gedanke wie eine bösartige Krankheit sein und anfangen, die Willenskraft zu zerstören", wie es in Curtis Bernhardts Conflict [ 1945 ] bezeichnenderweise ausgedrückt wird, über weite Strecken das mit auffälligste Quellenmaterial für The Died Body.

Hier wie dort geht es um einen Mord, der eben doch trotz aller Vorkehrungsmaßnahmen, jedem noch so sicher geglaubten Alibi und eindeutig von einem weg gelegten Hinweisen letztlich nicht so perfekt ist, wie es anfangs schien. Wo nicht bloß die Umstände der Tat im Nachhinein zu bröckeln anfangen und ihr düsteres Geheimnis preis zugeben drohen – "Destroying the corpse and leave no trace" [ Lit: ] – , sondern auch das eigene Gewissen verfolgend weitaus genug Fallstricke stellt. Wo man an der Möglichkeit verzweifelt, das Dasein und seine Forderungen erfüllen zu können, nicht nur vor der Tat dringend einschneidende Veränderungen durchführen musste, sondern danach noch mehr von den Quälgeistern der Existenz geplagt wird:

Der in einer Softwareschmiede tätige Programmierer Gu-hwa [ Wong Chung-kwan ] fährt nicht nur aus der Not, sondern auch dem [An]Trieb heraus in seinem Privatleben zweigleisig, hat sowohl eine engere Bindung zur Arbeitskollegin Chen Gi-yu [ Kelly Chen Bai-yu ] als auch der indirekten Vorgesetzten Hwang Shy-pei [ Yu Ke-Xin ], die als Tochter von Manager Hwang [ Yu Tien-lung ] für die Zukunft von Firma und Karriere steht. Beide Frauen drängen ihn auf Aufklärung ihrer jeweiligen Affäre, die von Ihm natürlich vor der Anderen geheimgehalten und auch sonst nicht an die Öffentlichkeit getragen wird. Gu-hwa steckt jedoch in der Zwickmühle, hat ihm Chen doch nach einer Fehlkalkulation an der Börse aus den Finanzkonten der Firma das nötige Kleingeld abgezweigt und setzt sie ihn mit dieser Tatsache ebenso unter erpresserischen Druck, wie sie auf der anderen Seite auch bereits im zweiten Monat schwanger ist. In einer Nacht-und-Nebelaktion und einigen Mühen bringt Gu-hwa die Ahnungslose um und verscharrt sie in einer Öltonne im Wald. Doch nicht nur der nach dem Verschwinden ermittelnde Officer Lin [ Dick Wei ] und der allzu neugierige Angestellte Ding [ Auguste Kwan ] tauchen als neue Probleme auf.

Was sich im Prolog für wenige Eindrücke noch als Slasher ankündigte, verlagert sich nach diesem tatsächlich als Albtraum entpuppenden Einsprengsel rasch auf die verbale Ebene zwischen Drama, Krimi mit umgekehrten Vorzeichen und einem Hokuspokus-Matinee, in der scheinbar alle Figuren regelmäßigen Zugriff auf die Traumsymbol-Datenbank besitzen. Ein Billigwerk, in dem zwar weiterhin viel durch das Parkhaus gejagt wird, das große Schlachterbeil aber keinerlei weitere Rolle mehr spielt, und man sich auch sonst in der vorwärts treibenden Kraft der Anregungen erschöpft und von der ermattenden Ewigkeit her in die ästhetische Hemmung bewegt.

Da das richtungs- und gestaltlose Geschehen entweder nur in der Wohnung von Gu-hwa bzw. seinen beiden Frauen, in der gemeinsamen Arbeitsstelle oder dem darunter liegenden Parkhaus abspielt, und sich zumeist auf den Klüngel innerhalb der [überaus untätigen] Softwarefirma verlassen wird, entsteht auch durch die seltsam rückständige Optik schnell der Eindruck des Gefangenseins im längst von der Modernität überholten und von der wahren Gesellschaft abgeschotteten Labyrinth, in dessen unterbewohnten Unfruchtbarkeit man sich weder an Tradition noch Innovation so richtig zu reiben vermag. Gerade Gu-hwa, der gleichwohl überhaupt nicht sympathisch wirkt, kann einem in dieser trübsinnigen Nine to Five Arrestanstalt schon mehr als leid tun, gerade auch, weil er fern jeder patriarchalischen Kultur auf eigentlich allen Gebieten versagt; auch das Gedränge seiner zwei Mätressen und die Albernheiten seines gleichfalls muskelbepackten, aber äußerst kindisch verhaltenden besten Freundes rauben rasch den letzten Nerv der Verträglichkeit.

Die Überwindung dieses visuell unvollkommenen, darstellerisch falsch besetzten und in der engen Schleife fehlender Inspiration rotierenden Werkes scheint mit dem Akt des Tötens und der folgenden Faszination mit gotischen Bemühungen gekommen zu sein, wird danach aber nur noch mehr auf die Kunst der Spekulation in einem ewig wiederkehrenden Hirngespinst mit fehlender innerer Notwendigkeit verlagert. Denn Gu-hwa bekommt an allen denkbaren Orten per Telefon die Stimme seiner doch toten oder doch nicht toten Exfreundin zu hören, sieht oder ahnt sie zu sehen, wird das in der Mordnacht benutzte Auto auf Gedeih und Verderb nicht los; ein dunkles Gefühl überirdischer Bestimmung, in der sich die einfache Begrifflichkeit des Verstandes verliert.

Doch auch dieser kleine Reiz der ersten Ungewissheit, des rachsüchtigen Aspektes und der erstickenden Unterdrückung stellt nur eine vorübergehende Erscheinung dar. Eine Ansammlung von Wiederholungen, ein stetiges Lug und Trug, das niemals in die Tiefen menschlicher Natur oder wahrhaft phantastischer Ausschweifungen einzudringen vermag, auf Dauer eher selbstüberhebend strapaziös und beschwerlich und – mit Gu-hwa, ein Berg von Mann und physisch das Ideal der Männlichkeit als permanente Obermemme – lächerlich zugleich wirkt.

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